Abdulrahman Mansour hat sich fürs deutsche Handwerk entschieden "Mein Handwerk gibt mir Kraft"

Abdulrahman Mansour stammt ursprünglich aus Aleppo, Syrien. Der 20-Jährige, der 2015 nach Deutschland gekommen ist, ist vor dem Krieg geflüchtet. Er hat sich nicht nur in Deutschland, sondern auch ins Handwerk integriert.

Nina Schaible

Abdulrahman Mansour ist glücklich, sein Handwerk auszuüben und die Möglichkeit zum Frankreichaustausch genutzt zu haben. - © Handwerkskammer Ulm

Die Freude an seiner Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker im Vögtle & Waibel GmbH & Co. KG Autohaus in Ehingen wurde jetzt noch getoppt: Er hat über das Erasmusprogramm der Handwerkskammer Ulm am Frankreichaustausch teilgenommen.

DHZ: Wie sind Sie zu Ihrem Handwerk gekommen?
Abdulrahman Mansour: Ich habe bereits in Syrien ein Praktikum zum KFZ-Mechatroniker gemacht. Das hat mir sehr viel Spaß bereitet. Nachdem ich in Deutschland die 9. Klasse wiederholt und ein Vorqualifizierungsjahr (VABO) gemacht habe, habe ich mich persönlich gewappnet gefühlt, mit einer Ausbildung zu beginnen. Denn seitdem spreche und verstehe ich Deutsch. Schon während des Vorbereitungsjahres hatte ich die Chance, in meinem jetzigen Ausbildungsbetrieb einmal pro Woche als Praktikant zu arbeiten.

DHZ: Was schätzen Sie an Ihrem Handwerk?
Mansour: Am meisten schätze ich, dass ich jeden Tag etwas Neues lerne. Ich stehe immer vor neuen Herausforderungen, die ich bewältige. Unser Beruf verändert sich vor allem durch die Digitalisierung so schnell, dass man immer auf dem neuesten Technik- und Elektro-Stand sein muss. Unser Handwerksberuf ist zukunftsfähig und stark. Außerdem darf ich oft selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten.

DHZ: Was bereitet Ihnen Schwierigkeiten?
Mansour: Ich hatte anfangs große Probleme mit Fachwörtern. Alltägliches Sprechen und Verstehen ist mir nicht schwergefallen. Aber ich habe sehr nette Kollegen, die mich immer unterstützt und mir geholfen haben. Dazu kommen persönliche Umstände, denn meine Familie ist noch in Syrien.

DHZ: Was schätzen Sie an Ihrem Betrieb?
Mansour: Mein Chef kümmert sich sehr gut um mich und die anderen Auszubildenden. Er hilft mir, wenn ich in der Berufsschule Schwierigkeiten habe, hat mir Nachhilfe besorgt. Außerdem herrscht in unserem Betrieb eine gute Kommunikation.

DHZ: Wie sind Sie auf den Frankreichaustausch aufmerksam geworden?
Mansour: Ich habe bereits in meinem ersten Lehrjahr gehört, dass die Handwerkskammer ein Austauschprogramm hat, und es ist mir immer im Kopf geblieben. Ich habe mich aber entschieden, zuerst noch ein bisschen Berufserfahrung zu sammeln, und mich gefreut, dass es jetzt im dritten Lehrjahr klappt.

DHZ: Auf was haben Sie sich besonders gefreut und was nehmen Sie mit?
Mansour: Erfahrung sammeln und Neues lernen und mitnehmen – das ist das, was ich mir erhofft habe und was sich erfüllt hat. 14 Tage haben wir in den Praktikumsbetrieben gearbeitet und die Bildungsstätte der Partnerkammer in Angers besucht. Das gleiche Handwerk in einem anderen Land zu erleben ist spannend und gibt Motivation. Auch einmal in die Berufsschule zu schnuppern. Überhaupt bin ich so dankbar, dass ich in Deutschland eine Ausbildung machen durfte. Das ist nicht selbstverständlich. "Besser kann es mir gar nicht gehen" – denke ich jeden Tag. Mein Handwerk gibt mir Kraft.