Im vergangenen Jahr sind mehr Menschen nach Deutschland zugezogen als fortgegangen. 2010 wanderten laut dem Statistischen Bundesamt 798.000 Menschen ins Land ein. 671.000 Personen verließen Deutschland.
Mehr Zuwanderer kommen nach Deutschland
Damit ergab sich beim Wanderungssaldo ein Plus von 128.000 Menschen. 2008 und 2009 hatten die Statistiker jeweils ein Minus gemeldet. Die Zahl der Zuwanderer lag 2010 um elf Prozent über dem Niveau des Vorjahres und auch deutlich über dem der vergangenen fünf Jahre. Zuletzt waren jährlich zwischen 660.000 und 720.000 Menschen ins Land gekommen. Bis 2002 waren es allerdings noch erheblich mehr gewesen: Damals waren pro Jahr mehr als 800.000 Menschen eingewandert.
Von denjenigen, die 2010 nach Deutschland kamen, waren 684.000 Menschen ausländischer Herkunft – 13 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Deutschen, die ins Land kamen – Spätaussiedler oder Rückkehrer aus dem Ausland – war mit rund 115.000 gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant. Hauptherkunftsländer der Zugezogenen waren Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, die Türkei und die USA. Am stärksten nahm die Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien zu.
Ob die Zugezogenen dauerhaft oder nur vorübergehend im Land bleiben, lässt sich nicht sagen. Das Gleiche gilt für diejenigen, die das Land verlassen haben.
Die Zahl der Fortzüge aus Deutschland wurde in den vergangenen drei Jahren beeinflusst durch Sondereffekte: Wegen der bundesweiten Einführung der Steuer-Identifikationsnummer für jeden Bürger bereinigten die Behörden seit 2008 ihre Melderegister und stellten fest, dass viele Bürger nicht mehr in Deutschland lebten. Hauptsächlich betraf dies Ausländer, die in ihre Heimat zurückgegangen waren, sich aber nicht abgemeldet hatten.
Mehr polnische Anfragen seit 1. Mai bei Arbeitsagentur
Das Interesse polnischer Arbeitnehmer am deutschen Arbeitsmarkt ist mit Einführung der vollen Freizügigkeit bereits deutlich gestiegen. Wie der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder), Jochem Freyer, sagte, fragten in der vergangenen Woche 61 Personen aus dem Nachbarland bei den Ämtern in Frankfurt und Seelow nach Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland nach. Seit Jahresbeginn seien es 140 gewesen. Ob sich damit jetzt ein Boom abzeichne, sei aber noch nicht vorauszusagen. Seit dem 1. Mai dürfen Bürger aus acht osteuropäischen EU-Ländern in Deutschland uneingeschränkt arbeiten.Das Problem für die Vermittlung in qualifiziertere Tätigkeiten sei die Sprachbarriere. Etwa 80 Prozent der Menschen, die sich meldeten, hätten knappe oder gar keine Deutschkenntnisse, sagte Freyer. Die "Sprachkompetenz" müsse wachsen. Zugleich versicherte er angesichts von Befürchtungen auf deutscher Seite vor Lohndumping, dass seine Behörde "nicht zu sittenwidrigen Löhnen vermitteln" werde.
In Bereichen wie in der Informatikbranche oder im Metall- und Elektrogewerbe würden sich die Einkommen von Spezialisten in beiden Ländern bereits annähern, sagte der Slubicer Landrat Andrzej Bycka. Es werde aber wohl noch über zehn Jahre dauern, bis sich das allgemeine Lohnniveau angleiche. Die Signale in diese Richtung seien gesetzt.
Die Zuwanderung nach Deutschland 2010
- 2010 wanderten 798.000 Menschen nach Deutschland ein (77.000 mehr als 2009)
- 684.000 davon waren Ausländer, rund 115.000 waren Deutsche (Spätaussiedler oder Rückkehrer aus dem Ausland)
- Hauptherkunftsländer der Zugezogenen waren Polen (126.000 Menschen), Rumänien (75.000), Bulgarien (39.000), Ungarn, die Türkei und die USA (jeweils 30.000)
- 671.000 Menschen verließen Deutschland im vergangenen Jahr (63.000 weniger als 2009)
- Die Zahl der Fortzüge ins Ausland reduzierte sich sowohl bei Ausländern (-49.000 auf 530.000) als auch bei Deutschen (-14.000 auf 141.000)
- Insgesamt ergibt sich ein "Wanderungsüberschuss" von 128.000 Menschen; es kamen also mehr Menschen nach Deutschland als fortgingen
dapd
