Nur fünf Prozent altersgerecht umgebaute Wohnungen gibt es in Deutschland. Angesichts der demografischen Entwicklung natürlich viel zu wenig. Fünf Experten aus verschiedenen Bereichen erörterten beim Kongress "Zukunft Lebensräume" im Congress Center der Frankfurter Messe die Frage, wie mehr Wohnraum zukunftsfähig gemacht werden kann. Wie immer ist es auch eine Frage des Geldes – aber nicht nur.
Frank Muck

Für die Frankfurter Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) war gleich zu Anfang klar: Es braucht mehr Lobbyarbeit. Ihr sei es eine Herzensangelegenheit, für mehr barrierefreien Wohnraum zu kämpfen, den sich alte Leute aber auch noch leisten können. Im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit werde sie von vielen Lobbyisten kontaktiert, die Themen wie die Nachrüstung mit Rußfiltern für Dieselfahrzeuge unterstützen, doch bezahlbarer, altersgerechter Wohnraum spiele eine eher untergeordnete Rolle. Die dafür eingeplanten fünf Millionen Euro Zuschüsse seien lächerlich. "Gehen Sie mehr in den Lobbyismus", forderte Nissen die beteiligten Interessengruppen auf.
Dass solche Förderungssummen nicht ausreichen, war allen Beteiligten klar. Doch woher soll das Geld kommen? Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen möchte dafür die Pflegeversicherung stärker in die Pflicht nehmen. 2.700 Euro für den Umbau sei ein zu geringer Betrag. Wenn man das Ziel habe, Ältere und Pflegebedürftige in ihrem angestammten Umfeld zu lassen statt in Alten- und Pfleheime abzuschieben, müsse man bereit sein, höhere Beträge für den Wohnungsumbau zu investieren. Diesen Einwand wollte Nadine-Michèle Szepan so nicht stehen lassen. Die Leiterin der Abteilung Pflege im AOK-Bundesverband sah nicht ein, warum die Sozialversicherung jetzt auch noch die Aufgabe übernehmen soll, die attraktive Gestaltung des Wohnraums zu übernehmen – eine Aufagbe, an der die Wohnungswirtschaft ein ureigenes Interesse haben sollte.
Kommunen sollten mehr Projekte steuern
Gedaschko nahm neben der Sozialversicherung auch die Kommunen in die Pflicht. Diese müssten eine steuernde Funktion beim Bau neuer Wohnungen und beim Umbau bestehenden Wohnraums übernehmen. Die Bundesländer, die entsprechende Programme zur Förderung des altergersgerechten Umbaus auflegen, müsten den Kommunen Vorgaben machen. Die Bundesregierung habe zwar im Koalitionsvertrag entsprechende Ziele formuliert, den finanziellen Spielraum zu niedrig angesetzt.
Ehrenamtliches Engagement allein werde die vielfältigen Aufgaben, die sich beim Thema Lebensräume der Zukunft ergeben, allein nicht helfen. Das hatte schon Jürgen Gohde, Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe, in seinem Eingangsstatement deutlich gemacht. Dass es dennoch in Stadtquartieren und größeren Wohneinheiten zum Beispiel mit Fahrdiensten oder kleineren Reparaturen nötig ist und mehr unterstützt werden sollte, darin waren sich alle Diskutanten einig - auch Rolf Höfert. Der Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes setzt zusätzlich auf den Faktor Zusamenarbeit und Koordination. Höfert betonte, dass es in ganz Deutschland schon hervorragende Leuchtturmprojekte gebe. Allein es fehlten die Lotsen, die all die Initiativen, Informationen, Hilfsangebote und auch Geldmittel koordinierten und den Betroffenen zugänglich machten.
Noch Wissenslücken bei den Architekten
Als vorbildliches Beispiel für mehr Koordination brachte Rolf Toyka, Geschäftsführer der Architekten- und Stadtplanerkammer, das Land Bayern ins Spiel, die solche Aufgaben mit der Beratungsstelle barrierefreies Wohnen für die Seite der Planer schon mal in Angriff genommen hätten. Denn auch gerade für Architekten, ob nun Innen oder Hochbau fehle es immer noch an Wissen. Fortbildung sei unbedingt nötig.
Fazit: Es sind noch viele Fragen offen, wie und mit wlechen Mitteln die Gestaltung zukünftiger Lebensräume erfolgen kann. Doch erscheint heute schon viel mehr möglich, wenn alle beteiligten Gruppen mehr zusammenarbeiten würden.