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Bundesbank zieht "Blüten" aus dem Verkehr So viel Falschgeld ist im Umlauf

Eigentlich gilt der Euro als äußerst fälschungssicher. Trotzdem zog die Bundesbank auch in diesem Jahr schon viele falsche Euro-Banknoten aus dem Verkehr. Welche Scheine am meisten gefälscht werden und woran Sie sie erkennen.

Schauen Sie genau hin, wenn Sie an der Supermarktkasse, im Restaurant oder an der Tankstelle einen 20- oder 50-Euro-Schein zurückbekommen. Laut Bundesbank ist sind das die am häufigsten gefälschten Banknoten. So ist die Zahl der falschen Euro-Banknoten, die die Bundesbank im ersten Halbjahr 2019 aus dem Verkehr gezogen hat, gegenüber dem zweiten Halbjahr 2018 um 2,5 Prozent gestiegen. "Falsche 50er" machten dabei einen Anteil von 65 Prozent der gefälschten Euro-Banknoten aus, gefälschte 20-Euro-Scheine 22 Prozent.

Im gesamten ersten Halbjahr wurden rund 27.600 "Blüten", wie das Falschgeld im Verbrecherjargon heißt, entdeckt. So kam ein Schaden von 1,6 Millionen Euro zusammen. So entfallen rechnerisch pro Jahr rund sieben falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner.

50-Euro-Scheine am häufigsten gefälscht

Am häufigsten gefälscht werden mit Abstand die 20- oder 50-Euro-Scheine und so hatte sich die Bundesbank einen starken Rückgang der Fälschungen erhofft, als sie im April 2017 neue 50-Euro-Banknoten in den Umlauf gebracht hat. Diese Hoffnung wurde nicht enttäuscht, denn die Zahl der "falschen 50er" sinkt. Ihr Anteil am Gesamtaufkommen beträgt 65 Prozent, während es im zweiten Halbjahr 2018 noch rund 72 Prozent waren.

Eine ähnliche Entwicklung hatte sich auch im Jahr 2016 gezeigt, ein Jahr nachdem die neuen 20-Euro-Scheine eingeführt wurden. Machte die Anzahl der gefälschten 20-Euro-Scheine im Jahr 2015 noch 40 Prozent der Fälschungen aus, so waren es 2016 nur noch 25 Prozent. Scheine der zweiten Serie - ob 20er oder 50er - gelten aufgrund neuer Sicherheitsmerkmale als besonders fälschungssicher.

Knapp die Hälfte der entdeckten Fälschungen (47 Prozent) im ersten Halbjahr 2019 entfiel auf die erste Banknotenserie.

Noten Anzahl Anteil (gerundet)
5 € 188 1 %
10 € 421 1 %
20 € 5.956 22 %
50 € 17.905 65 %
100 € 2.232 8 %
200 € 281 1 %
500 € 596 2 %
Gesamt 27.579
Quelle: Bundesbank

 

Wie erkennen Sie Falschgeld?

Am besten, man wendet das Prinzip "Sehen, Fühlen, Kippen" an, raten Experten der Bundesbank. Bekommt man einen Euro-Schein als Wechselgeld, sollte man ihn sich genau ansehen. Fälscher konzentrieren sich meist auf ein oder zwei Sicherheitsmerkmale. Deshalb macht es Sinn, mehrere Merkmale zu überprüfen. Im Gegenlicht sollte das Wasserzeichen zu sehen sein. Dies ist beim neuen Zehner, ebenso wie beim neuen Fünfer das Portrait der mythologischen Gestalt Europa.

  • Beim "Fühlen" kann man sich z.B. auf das Relief der EZB-Abkürzungen konzentrieren, sie sind leicht erhaben (bei der neuen Serie sind es neun, bei der alten Serie fünf Abkürzungen).
  • Schließlich sollte man feststellen, ob das Hologramm vorhanden ist, wenn man den Schein kippt. Auch dort taucht das Antlitz der Europa neben der Wertzahl und dem charakteristischen Bauwerk auf.
  • Die neuen Scheine haben eine Smaragdzahl auf der Vorderseite. Beim "Kippen" wandert ein Lichtstreifen darüber, sie verändert ihre Farbe, je nach Blickwinkel, von smaragdgrün nach tiefblau.

Was ist zu beachten, wenn Sie Falschgeld in die Finger bekommen?

Wer sich unsicher ist, ob eine Banknote echt oder gefälscht ist, sollte diese direkt mit einem Geldschein vergleichen, von dem mit Sicherheit feststeht, dass er echt ist. Zur Not fragen Sie bei Ihrer Hausbank nach.

Erhärtet sich der Fälschungsverdacht, muss umgehend die Polizei verständigt werden. Auf keinen Fall darf das Falschgeld weitergegeben werden. Wer dies tut, macht sich strafbar. Wichtig: Für Falschgeld gibt es keinen Ersatz.

Zahl der gefälschte Münzen steigt

Gestiegen ist im ersten Halbjahr 2019 zudem die Anzahl gefälschter Münzen. Die Bundesbank hat rund 19.800 falsche Münzen im deutschen Zahlungsverkehr festgestellt. Im zweiten Halbjahr 2018 lag das Aufkommen noch bei rund 16.100 falschen Münzen. Damit fielen in Deutschland rein rechnerisch rund fünf falsche Münzen pro 10.000 Einwohner und Jahr an.

Bei der Prüfung von Münzen auf Echtheit gilt folgendes zu beachten:

  • Bei echten Münzen tritt das Münzbild deutlich abgegrenzt aus dem Münzgrund hervor.
  • Die Farbtönung weicht in der Regel von echten Münzen ab.
  • Die Randprägungen der echten 2-Euro-Münzen sind gestochen scharf in den Münzrand eingeprägt.
  • Echte 1-Euro- und 2-Euro-Münzen sind nur schwach magnetisch.

Münzfälschungen wirken laut Bundesbank dagegen oft verschwommen und weisen häufig Unebenheiten auf, sie weisen häufig unvollständige oder unregelmäßige Randprägungen auf und sie sind entweder gar nicht magnetisch oder sie haften sehr stark an einem Magneten.

Die gefälschten Münzen traten im ersten Halbjahr 2019 ausschließlich bei den drei höchsten Stückelungen auf - mit einem starken Schwerpunkt auf die 2-Euro-Münzen. Sie verteilten sich wie folgt:

Münzen Anzahl Anteil (gerundet)
50 Cent 427 2 %
1 € 2.139 11 %
2 € 17.237 8,7 %
G esamt 19.803 Quelle: Bundesbank

dhz

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