Unternehmensführung -

Mehr Erfolg mit Humor Warum Sie öfter auf der Arbeit lachen sollten

Führungskräfte, die kritische Situationen humorvoll entschärfen und Humor im Arbeitsalltag als Kommunikationsmittel einsetzen, genießen eine größere Akzeptanz. Studien zeigen: Wo gelacht wird, fühlen sich die Menschen wohl und es wird in der Regel mehr und produktiver gearbeitet.

Der Führungsalltag ist geprägt durch den tagtäglichen Umgang mit Menschen: Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern (m/w), Kunden, Lieferanten etc. Der Unternehmensalltag ist i.d.R. bestimmt von Zahlen, Aufträgen, operativen Gesprächen - und nur selten von "menschlichen" Begegnungen.

Zahlreiche Studien zeigen auf, dass sich Mitarbeiter weniger über Produkte und Dienstleistungen mit ihrem Arbeitgeber identifizieren, sondern wesentlich mehr über das (leider oft zu kurz kommende) menschliche Miteinander.

Wie viel Leistung geht verloren, wenn sich ein Mitarbeiter in eine innere Verweigerung flüchtet, weil das innerbetriebliche Klima von Angst und Unsicherheit geprägt ist? (Laut der Gallup-Studie 2015 haben 16 Prozent der Mitarbeiter überhaupt keine und 68 Prozent eine nur geringe Bindung zum Unternehmen.) Hier sind die Führungskräfte gefordert!

Humor wird immer mehr als Führungskompetenz betrachtet, um in Unternehmen eine neue Kultur der Menschlichkeit und Kreativität zu etablieren. Eine humorvolle Einstellung inspiriert Mitarbeiter und öffnet damit neue Kommunikationswege. Führungspersönlichkeiten, die brenzlige Situationen humorvoll entschärfen oder Humor in der täglichen Kommunikation anwenden, genießen eine größere Akzeptanz - ohne an "Respektsabstand" einzubüßen.

Wo gelacht wird, fühlen sich die Mitarbeiter wohl und es wird in der Regel mehr und produktiver gearbeitet. Humor wird bei gut geführten Einstellungsinterviews als emotionale Intelligenzkomponente gecheckt und als eines der wichtigsten Soft Skills gewertet.

Humor als Führungskompetenz

Nach offiziellen Angaben leiden in Deutschland fast 40 Prozent der Führungskräfte in Wirtschaft und Politik an den Phänomenen Depression, Burnout und Krebs. Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt, dass Menschen, die täglich viel lachen und eine humorvolle Einstellung im Alltag pflegen, nicht bzw. sehr selten an diesen Krankheiten leiden.

Eine weitere Tatsache: Kinder lachen am Tag ca. 400 Mal, ein Erwachsener reduziert sein Lachen auf 15 bis 20 Mal! Am wenigsten lachen wir am Arbeitsplatz: Hier reduziert sich der Wert auf 5 Mal am Tag und in manchen Positionen und Abteilungen werden noch nicht einmal diese Werte erreicht! Von Wissenschaftlern wird dies als gesundheitsgefährdend eingestuft, zumal Lachen und Freude urmenschliche Eigenschaften und nur dem Menschen möglich sind, um bestimmte körperliche und psychische Prozesse in Gang zu halten. Zehnminütiges herzhaftes Lachen hat z. B. die gleiche Wirkung wie ein 1-stündiger Jogginglauf!

Was hat eine humorvolle Haltung in einer Welt von Zahlen und strukturierten Abläufen zu suchen?

Lachen, Freude und Glück vermitteln ein positives und zufriedenes Weltbild. Menschen, die sich mit einer (angemessenen) humorvollen Aura umgeben, werden von anderen als positiv eingestellt wahrgenommen. Deshalb werden in einigen europäischen Ländern Humortrainings und Lachübungen inzwischen auf Krankenschein verordnet, um bei Top-Managern und Politikern dem drohenden psychischen und physischen Kollaps vorzubeugen.

In Ländern wie Schweden, den Niederlanden und Finnland ist die Haltung "Führung ist eine dienende Beziehung zu anderen Menschen, die ihr Wachstum inspiriert und die Welt zu einem besseren Ort macht." und "Das Wohlergehen und der Erfolg unseres Unternehmens hängen von der Qualität des Umfeldes ab, in dem wir arbeiten." vielfach schon in die Praxis umgesetzt.

Führungskräften sollte es gelingen, sich selbst und ihren Mitarbeitern humorvoll zu begegnen, denn damit wird ein Klima geschaffen, in dem sich alle - Führungskräfte und Mitarbeiter - wieder mit Leidenschaft ihren Tätigkeiten zuwenden können.

Humorvolle Einstellungen machen es möglich, negative Spannungen gar nicht erst aufkommen zu lassen bzw. diese nachhaltig abzubauen. Missgeschicke werden toleriert, Fehler vielleicht sogar als Chance begriffen, um zu neuen Ideen oder Ansätzen zu gelangen, Mitarbeiter trauen sich, nach kreativen und unkonventionellen Lösungen abseits der eingetretenen Pfade zu suchen

Humorvolle Menschen sind in ihrer Wahrnehmung nicht so eingeengt, wie der rein rationale Typ. Sie paaren das Althergebrachte (Konventionelle, Normative, Vorgeschriebene) mit dem Neuartigen (Ungewöhnlichen, Verblüffenden).

Humor wirkt befreiend

Humor schafft die Bewältigung von widrigen Umständen und wirkt entkrampfend, ermöglicht es, den nötigen Abstand zum Alltagsgeschehen zu bekommen und damit den Blick für die Meta-Ebene zu öffnen ("Ich trete mal einen Schritt neben mich und bewerte die Situation mit einem Blick von ‚oben‘!").

Humor hat allerdings nichts mit Clownerie zu tun! Das Checken der "Führungskompetenz Humor" zeigt, ob eine Führungskraft aus dem Inneren heraus positiv eingestellt ist und auch Fehlern mit einer gewissen humorvollen Leichtigkeit begegnen und darauf aufbauend zusammen (ggf. mit Anderen) Lösungen finden kann.

Ist Humor erlernbar?

Inzwischen sind viele Theoretiker und Praktiker der Humorbewegung und Humortherapie der Ansicht, dass die Regeln der Komik und das Körperwissen der Clowns gute Möglichkeiten bieten, einen eigenen (authentischen und natürlichen) Humorstil zu entwickeln.

Die Regeln der Clowns, beispielsweise Übertreibung, Unerwartetes tun (die Erwartungshaltung nicht erfüllen) oder Veränderungen von Alltagssituationen, sind Stilmittel, die in abgeschwächter Form im beruflichen Alltag dazu eingesetzt werden können.

Wahrnehmungswechsel

Die Fähigkeit, die Welt anders wahrzunehmen, lässt kreative Lösungen entstehen. Was ist der Unterschied zwischen "Ich habe wenig Zeit!" oder "Ich habe viel Zeit, die ich nicht nutze!"?

Die Zeit ist reif zu verstehen, dass Humor ein Teil der Unternehmenskultur ist und zur Ausstrahlung einer charismatischen Persönlichkeit gehört. Auch wenn wir im europäischen Raum noch nicht so weit sind, den Forderungen nach der Einstellung eines "Narren als Berater und Veränderungsmanager" zu folgen, ist dennoch ein Satz von Charlie Chaplin zu bedenken: "Humor regt unseren Sinn für Proportionen an und lehrt uns, dass in der Überbetonung des Ernstes das Absurde lauert."

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