Noch immer hinkt Deutschland hinter den USA und Japan hinterher, wenn es um die Elektromobilität geht. Doch langsam entwickelt sich der Markt. Laut einer neuen Studie hat er im vergangenen Jahr eine Steigerung um 78 Prozent erlebt – vor allem durch Krafträder und Nutzfahrzeuge, die bislang kaum eine offizielle Statistik mitgezählt hat.

Nach Ansicht der Wissenschaftler vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Stuttgart muss auch der Verkehrssektor seinen Beitrag leisten, wenn die Energiewende gelingen soll. Die Lösung liegt ihrer Ansicht in der Elektromobilität. Einzige Voraussetzung: Die E-Fahrzeuge müssen mit Strom aus regenerativen Energien fahren.
"Elektromobilität ist vor dem Hintergrund der Reduktion der Treibhausgasemissionen nur sinnvoll, wenn der Strombedarf durch die Nutzung zusätzlicher erneuerbarer Energien gedeckt wird", schreiben die Forscher in einer neuen Studie, die aufzeigen soll, wie das Automobilland Deutschland im internationalen Vergleich bei der Elektromobilität da steht. Steigerungsbedarf gibt es demnach nicht nur bei den Zulassungszahlen, sondern auch bei der regenerativen Stromerzeugung.
Nur Elektro-Pkw im Fokus
Die Zulassungszahlen an sich sind nach Ansicht der Studie allerdings gar nicht ganz so schlecht wie immer behauptet. So fahren auf deutschen Straßen immer mehr Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Die Zahl stieg zu Beginn des Jahres auf 15.849. Das entspricht einer Steigerung von 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Dabei kritisieren die Forscher, dass in der öffentlichen Debatte zumeist nur die Anzahl der Elektro-Pkw im Fokus stehen. Sie zeigen jedoch auf, dass heute bereits unter anderem auch Nutzfahrzeuge und Krafträder eine Rolle für die Elektromobilität spielen. Die Studie kommt bei ihrer Zählung auf etwa 8.200 Elektroautos, 4.600 Krafträder und knapp 3.000 Lastwagen und Busse, die heute schon in Deutschland genutzt werden.
Dem Ziel bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bringen, ist die deutsche Bundesregierung damit trotzdem noch weit entfernt. International wird der Markt bislang klar von den USA sowie Japan dominiert.
"Sowohl was die absolute Marktgröße angeht als auch was die Marktanteile lokaler Hersteller und Modelle anbelangt haben die beiden Länder den größten Anteil am Elektrofahrzeugbestand von knapp 200.000 und dem Wachstum der Neuzulassungen um 150 Prozent", werten die Forscher. Norwegen und die Niederlande dagegen erzielen bei den prozentualen Anteilen Spitzenwerte.
Kostenlose Parkplätze für Elektroautos müssen her
Die E-Fahrzeuge, die bislang schon auf Deutschlands Straßen fahren, verbrauchten im Jahr 2012 knapp 87 Millionen Kilowattstunden Strom. Das entspricht etwa dem Bedarf von 25.000 Durchschnittshaushalten. Falls 2020 die angestrebte Zahl von einer Million Elektrofahrzeuge doch erreicht würde, stiege der Stromverbrauch auf rund 2,34 Milliarden Kilowattstunden – eine Menge, die beim weiteren Ausbau des Ökostroms problemlos aus erneuerbaren Energien gedeckt werden.
Die Studie sieht in der Entwicklung auch eine große Chance für die Wirtschaft. Voraussetzung sei jedoch, dass die deutschen Unternehmen weiter in die Entwicklung der Elektromobilität investieren. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rät dazu, dass die Politik dafür sorgen müsste, dass die Benutzung der Elektroautos attraktiver wird. "Den richtigen Rahmen schaffen heißt die Devise, etwa durch kostenlose Parkplätze für Elektroautos oder Zonen, die nur für Null-Emissions-Autos zugänglich sind", sagte er im DHZ-Interview. jtw/dpa