Immer mehr Unternehmer in Deutschland finden laut KfW-Studie keinen Nachfolger und denken über die Schließung ihres Betriebs nach. Das Handwerk steht im Vergleich etwas besser da, doch auch dort belasten zahlreiche Faktoren die Nachfolgesituation.

Die Auswirkungen des demografischen Wandels treffen den deutschen Mittelstand in vollem Ausmaß. Unternehmer denken immer häufiger daran, aufzugeben. Die Gründe: Fehlende Nachfolger, steigende Kaufpreise und hohe bürokratische Hürden. Zu diesem Schluss kommt die staatliche Förderbank KfW, die dafür mehr als 13.000 mittelständische Unternehmen befragte.
Die Deutsche Handwerks Zeitung hat mithilfe der KfW die Zahlen exklusiv für das mittelständische Handwerk ausgewertet. Das Resultat: Auch im Handwerk sind die Zahlen besorgniserregend, aber mit vergleichsweise leicht positiveren Umständen.
Demnach droht binnen der kommenden zwei Jahre rund 54.000 mittelständischen Handwerksbetrieben in Deutschland das Aus. Sie haben – meist aus Altersgründen – den Wunsch aufzuhören und planen oftmals mangels Kandidaten die Stilllegung. Demgegenüber gibt es 49.000 Handwerksbetriebe, die im gleichen Zeitraum planen, das Geschäft zu übergeben.
Aber das Fazit der Auswertung bleibt identisch zum gesamten Mittelstand: Wo früher Handwerker am Ende der Karriere fast ausschließlich die Option Nachfolger prüften, spielen heute viel mehr gleich mit dem Gedanken der Stilllegung. "Im mittelständischen Handwerk sehen wir genauso wie im gesamten Mittelstand einen geringen Überhang der Stilllegungspläne gegenüber den Nachfolgewünschen", erklärt KfW-Mittelstandsexperte Michael Schwartz gegenüber der DHZ. Auch wenn die Stilllegungspläne knapp in der Überzahl sind, die Nachfolgewünsche seien ebenfalls weiterhin stark ausgeprägt. Hier zeigt sich 2025 ein um sechs Prozentpunkte stärkerer Wunsch nach Nachfolge im Vergleich zum Vorjahr. Laut Schwartz eine enorme Steigerung bei solchen Indikatoren.
Hauptgründe für den Rückzug: Alter und mangelndes Interesse der Familie
Laut KfW-Erhebung ist der Hauptgrund für Schließungspläne das Alter, gefolgt von der mangelnden Übernahmebereitschaft innerhalb der Familie. Verschärft wird das Nachfolgeproblem durch einen wachsenden Parameter: die Bürokratie. 42 Prozent der Unternehmen mit Stilllegungsplänen führen laut KfW den bürokratischen Aufwand als Grund an – zwölf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Bei einer Nachfolge sind viele juristische Fragen zu klären, aber ebenso steuerliche Aspekte und Informations- und Meldepflichten zu beachten.
Das Durchschnittsalter der Handwerksunternehmer liegt bei 54 Jahren. Besonders bei denjenigen, die binnen fünf Jahre ihren Betrieb übergeben wollen, zeigt sich ein Vorteil: Sie sind im Durchschnitt 59 Jahre alt – sieben Jahre jünger als im Gesamtmittelstand. "Die Altersstruktur im Handwerk ist weiterhin deutlich vorteilhafter gegenüber dem Blick auf den Gesamtmittelstand. Man macht sich im Handwerk also frühzeitiger Gedanken. Das ist sehr positiv", so Schwartz.
Kaufpreisvorstellungen im Handwerk moderat gestiegen
Ein schwieriger Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge ist die Einigung auf einen für alle Beteiligten akzeptablen Kaufpreis. Erstmals seit 2019 hat die KfW wieder erhoben, welche Kaufpreisvorstellungen die Unternehmenslenker haben.
"Im Durchschnitt streben Handwerksunternehmen mit einer angedachten Nachfolge innerhalb von fünf Jahren einen Kaufpreis von 453.000 Euro an. Das ist etwas weniger als im Mittelstand insgesamt", erklärt Schwartz. Der Median liegt bei 375.000 Euro. Im Durchschnitt entsprechen die Kaufpreisvorstellungen im Handwerk 87 Prozent des Jahresumsatzes – deutlich weniger als im Gesamtmittelstand.
Bemerkenswert: Die Kaufpreisvorstellungen im Handwerk sind seit 2019 nur um 16 Prozent gestiegen, während sie im Gesamtmittelstand um 34 Prozent zulegten. "Real sind die Kaufpreisvorstellungen im Handwerk zwischen 2019 und 2025 damit sogar zurückgegangen", so der KfW-Experte beim Blick auf die Inflation.
Die KfW-Studie zeigt: Das Handwerk kann sich der demografischen Herausforderung nicht entziehen, steht aber durch frühzeitigere Planung und eine jüngere Inhaberstruktur etwas besser da. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, mehr junge Menschen für die Übernahme bestehender Betriebe zu begeistern.
So planen die Handwerksbetriebe die Nachfolge nach ihrem Rückzug
(Entwicklung zum Vorjahr)
- Aktuell keine Rückzugsplanungen: 2025: 42 % (2024: 50 %)
- Aktuell Nachfolge angestrebt, wenn Rückzug aus dem Unternehmen: 2025: 30 % (2024: 24 %)
- Stilllegung ist eine ernsthaft erwogene Option: 2025: 3% (2024: 3 %)
- Definitive Stilllegung des Unternehmens geplant: 2025: 25 % (2024: 23 %)
Geplanter Rückzugszeitpunkt der Handwerksunternehmer
(Entwicklung zum Vorjahr):
- Innerhalb der kommenden zwei Jahre: 2025 5 % (2024: 5 %)
- In 3 bis 5 Jahren: 2025: 8 % (2024: 5 %)
- In 6 bis 10 Jahren: 2025: 9 % (2024: 8 %)
- Über 10 Jahre: 2025: 8 % (2024: 5 %)
Zur KfW-Mittelstandsbefragung
Das KfW-Mittelstandspanel ist die einzige repräsentative Erhebung im deutschen Mittelstand und stellt mit einer Datenbasis von bis zu 15.000 Unternehmen pro Jahr die wichtigste Datenquelle für mittelstandsrelevante Fragestellungen dar. Laut KfW-Berechnungen gibt es etwa 3,84 Millionen Mittelstandsunternehmen, darunter rund 1 Million mittelständische Handwerksbetriebe. Bereits seit 2003 werden jährlich Befragungen im Rahmen des KfW-Mittelstandspanels durchgeführt. Die aktuellen Daten basieren auf über 13.000 Rückmeldungen, die Mitte 2025 erfasst wurden.