Regierung will Arbeitsmarkt öffnen Mehr Zuwanderung für technische Berufe

Für Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern soll es zukünftig einfacher sein, in Deutschland zu arbeiten. Die Bundesregierung möchte das Ausländerbeschäftigungsrecht ändern und hat dabei nichtakademische Engpassberufe im Blick. Eine Rangliste zeigt, dass sowohl Elektroinstallateure als auch Friseure und Tischler dringend Mitarbeiter suchen.

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    Die größten Engpässe an Mitarbeitern liegen aktuell bei Elektroinstallateuren und Elektromonteuren vor. Die Bundesregierung will den Arbeitsmarkt in den Engpassberufen für Ausländer stärker öffnen.
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    Die aktuelle Top 10 der Engpassberufe für beruflich Qualifizierte.

Die Bundesregierung will den Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Ländern stärker öffnen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Berufe, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen. Die Verordnung soll bereits ab Juli 2013 gelten.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit liegen vor allem in den gewerblich-technischen Berufen aktuell gravierende Engpässe vor. So würden derzeit zu den zehn Berufen mit den größten Engpässen neun Berufe aus dem gewerblich-technischen Bereich gehören, zeigt die Engpassanalyse 2012 des Bundeswirtschaftsministeriums.

Insgesamt hat die Analyse 57 Berufsfelder identifiziert, in denen vorrangig Nichtakademiker arbeiten und die einen Engpass an Arbeitskräften aufweisen. In diesen Berufsfeldern kommen weniger als drei Arbeitslose auf jede gemeldete offene Stelle. Bei zehn Berufen liegt die Relation aus Arbeitslosen und gemeldeten Stellen sogar unter eins. Hier kommt auf eine gemeldete Stelle weniger als ein Arbeitsloser und es liegen schwerwiegende Engpässe vor.

Handwerksberufe verzeichnen Engpässe

Um etwas gegen die Engpässe zu unternehmen, hat das Bundeskabinett nun eine Änderung des Ausländerbeschäftigungsrechts beschlossen, damit ausländische Arbeitskräfte aus den identifizierten Mangelberufen zukünftig leichter als bisher nach Deutschland kommen können. Voraussetzung ist, dass ein entsprechender Bedarf am Arbeitsmarkt besteht, den die Bundesagentur für Arbeit über die Auswertung der Arbeitsmarktstatistik regelmäßig ermittelt.

Zusätzlich zu der Liste mit Engpassberufen soll die Bundesagentur für Arbeit für einzelne Berufe bilaterale Vermittlungsabsprachen mit den Arbeitsverwaltungen in den Herkunftsländern treffen können.

Wie bei den Arbeitnehmern aus den EU-Ländern, die aufgrund der geltenden Arbeitnehmerfreizügigkeit in Deutschland arbeiten können, soll für die Fachkräfte, die in den identifizierten Engpassberufen eine Stelle antreten möchten, das selbe Berufsanerkennungsverfahren gelten. So müssen sie prüfen lassen, ob der Ausbildungsabschluss gleichwertig mit einer deutschen Berufsausbildung ist. Das Anerkennungsgesetz vom April 2012 gibt dafür Kriterien und Fristen vor.

Bei der Vorstellung des Entwurfs wies Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) darauf hin, dass qualifizierte Zuwanderung ein wichtiger Baustein sei, um den Wohlstand in Deutschland langfristig zu sichern. "Mit der neuen Verordnung schmeißen wir 40 Prozent der alten Paragrafen über Bord und öffnen das Tor weit für gesuchte Fachkräfte, die das Land weiter bringen können." Nur, wenn die deutsche Wirtschaft auch morgen noch über ausreichend Fachkräfte verfüge, bleibe sie auf Dauer stark.

Mangel in vielen Branchen

Laut der Analyse des Bundeswirtschaftsministeriums ergeben sich derzeit bei den Engpassberufen folgende Spitzenpositionen, die angefangen bei den gewerblich-technischen Berufen auch Berufe aus dem Gesundheitssektor und der Dienstleistungsbranche umfassen:

Gewerblich-technische Berufe:

  • Bei Elektroinstallateuren und -monteuren kommen auf 100 gemeldete Stellen bundesweit nur 45 Arbeitslose.
  • Eine ähnliche Engpassrelation weisen Rohrinstallateurinnen und -installateure sowie Fräserinnen und Fräser auf.

Gesundheitssektor:

  • Auf 100 gemeldete Stellen für Krankenschwestern, Krankenpfleger und Hebammen kommen derzeit nur 58 Arbeitslose.

Dienstleistungsbranche:

  • Kaufmännische Berufe mit Engpässen: Bei den Versicherungskaufleuten kommen auf 100 gemeldete Stellen 162 Arbeitslose. Andere kaufmännische Berufe mit Engpässen sind Speditionskaufleute und Bankfachleute.
  • Auch in handwerklich geprägten Berufen wie Friseurinnen und Friseure oder Tischlerinnen und Tischler treten aktuell Engpässe auf.

Die Details und ausführlichen Ranglisten können Sie in der Engpassanalyse  2012 des Bundeswirtschaftsministeriums nachlesen. Sie steht unter bmwi.de zum Download bereit. Seite fünf führt die Engpassberufe für beruflich Qualifizierte auf. jtw/dapd