Ausbildung im Maßschneider- und Kürschnerhandwerk Mehr Ausbildungswillige, aber weniger Ausbildungsbetriebe

Nachhaltige Mode, so genannte Green Fashion, ist ein absolutes Trendthema für das Maßschneider- und Kürschnerhandwerk. Auch die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen ist groß, doch es sinkt die Zahl der Ausbildungsbetriebe.

Kürschner und Maßschneider setzen ihr Können bei den täglichen Modenschauen in Halle B1 in Szene. - © GHM

"Made in Germany war schon immer unser Motto", sagt Inge Szoltysik-Sparrer, Vorsitzende des Bundesverbandes der Maßschneider, in Anlehnung an das Motto der diesjährigen Internationalen Handwerksmesse. Die Zahl der Meisterprüfungen im Maßschneiderhandwerk ist steigend. 118 waren es im Jahr 2015. Und das Maßschneiderhandwerk wird jünger. 79 Prozent der Atelierinhaber sind unter 60 Jahre alt, 21 Prozent über 60 Jahre. Doch die Zahl der Ausbildungsbetriebe ist rückläufig. 435 waren es im Jahr 2014, nur noch 388 im Jahr 2015.

"Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist gesunken", sagt Inge Szoltysik-Sparrer. Viele Ausbildungswillige mit hohem Bildungsniveau bekämen keinen Ausbildungslatz. Geschuldet sei dies den jetzt vielen jungen Betriebsinhabern, die noch nicht gleich ausbilden, sondern erst ihren Betrieb etablieren wollen.

Auszubildende im Maßschneiderhandwerk sind überwiegend weiblich (696 weibliche zu 83 männlichen Auszubildenden). Interessant sei, so die bayerische Landesinnungsmeisterin Gabriele Albert-Wurst, dass viele Anfragen nach einem Ausbildungsplatz von Flüchtlingen kämen. Diese seien überwiegend männlich.

Viele Anfragen, wenig Kapazität

Auch im Kürschnerhandwerk ist die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen größer als das Angebot. Im Kürschnerhandwerk werden aktuell 20 Azubis ausgebildet. "Es gibt viele Anfragen, aber wenig Kapazitäten", sagt Wolfgang Lastner, Vizepräsident des deutschen Kürschnerhandwerks, "wir haben im Verband viele kleine Betriebe, die jedoch aus Kapazitätsgründen nicht ausbilden können."

Immer wieder sorgen Berichte über Pelztierzüchtung in China für negative Schlagzeilen. Von diesen nicht tiergerechten Züchtungen distanziert sich Wolfgang Lastner. Im vergangenen Jahr stellte der Verband das Label "WePreFur" vor. Kürschnerbetriebe mit diesem Gütesiegel verwenden nur Felle aus Raubwildjagd. Hier fallen in Deutschland jedes Jahr hunderttausend Felle an, die in den Kürschnerwerkstätten verarbeitet werden können. Bisher seien 95 Prozent dieser Felle nicht verarbeitet worden, so Lastner. Das soll sich jetzt ändern und trotzdem werde kein Tier wegen seines Felles getötet. Betriebe mit dem "WePreFur"-Label verwenden keine Importware aus China.

80 Prozent der Felle, die Betriebe mit Gütesiegel verarbeiten, stammen aus Deutschland, der Rest aus der Schweiz, Österreich und den Niederlanden. "Die CO2-Bilanz dieser Felle lässt sich mit vielen Rohstoffen aus der Textilindustrie nicht vergleichen. Sie ist sehr gut", sagt Wolfgang Lastner. Der Ansatz, diese ungenutzen Tierfelle zu nutzen, sei sehr viel besser als Kunststoffkleidung zu verarbeiten. "Synthetik ist out."

In Halle B1 zeigen das Maßschneider- und Kürschner-Handwerk auf der Internationalen Handwerksmesse Modenschauen unter dem Motto "Falten sind sexy". Täglich um 11 und 15 Uhr.