Die Auftragsbücher der Elektrobranche sind prall gefüllt. Der Umsatz stieg 2010 auf 35 Milliarden Euro. Walter Tschischka, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), sieht eine Auftragswelle auf die Betriebe zurollen.
Mehr Aufträge, weniger Beschäftigte
Interessante Geschäftsfelder ergeben sich beispielsweise bei der Elektromobilität, bei der Energieversorgung sowie bei den SAT-Anlagen. Ende April 2012 werden die Sender ihre analogen Programme abschalten. Ab dann funktioniert nur noch digitales Satelliten-TV. "Da das Auswechseln meist auf dem Dach stattfindet, gehen die Arbeiten jetzt erst richtig los", sagte Walter Tschischka auf der Internationalen Handwerksmesse am Donnerstag. Wichtig sei, die Öffentlichkeit rechtzeitig zu informieren, sonst drohe ein Auftragsstau.
Dezentrale Energieversorgung stärken
Die Energieversorgung ist nach Auffassung des ZVEH ebenfalls ein Markt für die mittelständisch-handwerklich geprägten Unternehmen. Tschischka wies jedoch darauf hin, nicht nur auf die Energiegewinnung aus der Sonne zu setzen. Die Zukunft liege in einem Energiemix und dazu gehörten etwa auch Mikrowindkraftwerke, die mit Potovoltaik-Anlagen ergänzt werden, Solarthermie und Wärmepumpen für Warmwasser und Heizungssysteme.
Ingolf Jakobi, Hauptgeschäftsführer des ZVHE, ergänzte: "Daher begrüßen wir die kürzlich im Solarkompromiss festgelegten Kürzungen der Solarförderung." Der ZVHE sei grundsätzlich gegen eine Überforderung des Solarmarktes. Zudem wies Jakobi darauf hin, dass nach seiner Ansicht die Steigerung der Nutzung erneuerbarer Energien in der Dezentralität liegt. Für den Ausbau der Überlandleitungen sieht er derzeit keine Akzeptanz bei der Bevölkerung.
Nachwuchskampagne neu aufgelegt
Auch bei dem entstehenden Markt E-Mobilität sieht Tschischka zukünftig Betätigungsfelder für die Handwerksbetriebe, zum Beispiel beim Aufbau der Ladeinfrastruktur. "Für die E-Handwerke ist die Elektromobilität im Sinne der elektrischen Infrastruktur daher in erster Linie ein Nachrüstmarkt", sagte Tschischka. Ein elektrischer Nabenantrieb zum Beispiel wird seiner Ansicht nach nicht in einer Kfz-Werkstatt repariert, sondern in einer Fachwerkstatt des Elektrohandwerks.
"Ohne elektrotechnisch ausgebildete Fachleute, werden die anspruchvollen Zukunftsaufgaben nicht zu lösen sein", sagte Jakobi. "Die Qualifikationsschwerpunkte verlagern sich zukünftig allerdings deutlich Richtung Informations- und Kommunikationstechnologie." Außerdem entwickelt der ZVHE gemeinsam mit dem ZVEI und dem VDE in diesen Monaten eine Qualifizierungsmaßnahme zur Gebäudevernetzung.
Der ZVHE hat zudem seine Nachwuchskampagne aufgefrischt, um junge Menschen für die E-Handwerke auch in Zukunft begeistern zu können. Sonst könnte es schon bald an geeignetem Nachwuchs mangeln, ergänzte Tschischka.
Der Umsatz der 76.000 E-Handwerksbetriebe stieg 2010 um 7,3 Prozent auf 35 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten ging um 0,4 Prozent auf 316.000 zurück. Dazu zählen auch die 41.000 Auszubildenden. 2008 waren 319.100 Menschen im E-Handwerk beschäftigt.
rh