Mehr Aufträge, leicht steigende Umsätze – die Halbjahresbilanz im Bauhauptgewerbe fällt besser aus als erwartet. Doch hinter den Zahlen verbirgt sich ein gemischtes Bild: Während der Tiefbau profitiert, bleibt der Hochbau unter Druck und der Straßenbau steckt in der Krise.

Das deutsche Bauhauptgewerbe konnte im ersten Halbjahr 2025 zulegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr nominal um 9,4 Prozent, preisbereinigt um 7,3 Prozent. Auch der Umsatz legte zu – nominal um 4,6 Prozent, real um 2,2 Prozent.
Der Tiefbau verbuchte ein Plus von 8,7 Prozent, der Hochbau kam auf 5,6 Prozent mehr Aufträge. Im Juni zeigte sich allerdings ein Dämpfer: Gegenüber Mai gingen die Bestellungen preisbereinigt um 2,6 Prozent zurück, auch die Umsätze sanken leicht.
Zweigeteilte Konjunktur – Appell an die Politik
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), spricht von einer zweigeteilten Konjunktur. Während der Tiefbau von Investitionen in Energie- und Verkehrsinfrastruktur profitiere, belaste die schwache gesamtwirtschaftliche Lage besonders den Hochbau.
"Ein nominaler Zuwachs der Order um rund 12 Prozent im Hochbau ist zwar ein positives Signal, real liegen wir aber immer noch mehr als 25 Prozent unter dem Niveau von 2022", so Pakleppa. Auch die niedrigen Genehmigungszahlen gäben keinen Anlass zur Hoffnung auf eine baldige Belebung, vor allem im Mietwohnungsbau.
Der ZDB fordert deshalb von der Bundesregierung ein neues EH-55-Plus-Programm, das den Effizienzhausstandard 55 mit regenerativen Heizlösungen kombiniert – etwa Wärmepumpe, Pelletheizung oder Fernwärme.
Straßenbau im Einbruch
Die Halbjahresbilanz fällt bei der Bauindustrie zwar insgesamt besser aus als erwartet, doch gerade der Straßenbau sorgt für Sorgenfalten. Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer, weist darauf hin, dass die Aufträge im ersten Halbjahr real um 7,2 Prozent stiegen und der Umsatz um 2,2 Prozent zunahm – die Basis sei jedoch niedrig.
Besonders kritisch sei der Straßenbau, der im ersten Halbjahr ein reales Orderminus von 5,2 Prozent verzeichnete, im Juni sogar -13,7 Prozent. Laut Müller droht 2025 damit "für die Straßenbauer ein verlorenes Jahr" zu werden. Hintergrund sind die Ausschreibungsstopps der Autobahn GmbH und fehlende Mittel, deren Freigabe sich erst im zweiten Halbjahr auswirken dürfte.
Im Wohnungsbau meldet Destatis zwar ein reales Orderplus von 9,5 Prozent, dennoch liegt das Volumen noch immer deutlich unter früheren Niveaus. Der Wirtschaftstiefbau hingegen profitiert von Projekten bei Bahn und Energieversorgung. avs