Zu einer Vielzahl von Aufträgen für Handwerksunternehmen könnte der von der EU-Kommission vorgeschlagene Aktionsplan für mehr Energieeffizienz in Europa führen. Die öffentliche Hand soll eine Vorbildfunktion bei der Sanierung des öffentlichen Gebäudebestandes erfüllen. Von Hajo Friedrich, Brüssel
Mehr Aufträge für Handwerksbetriebe winken
Die Behörden sollten dazu verpflichtet werden, jährlich mindestens drei Prozent ihrer Gebäude zu sanieren, fordert die EU-Kommission. Darüber hinaus sollten im öffentlichen Auftragswesen Energieeffizienzkriterien eingeführt werden. Auch bei privaten Gebäuden sollte der Renovierungsprozess in Gang gesetzt und die Energieeffizienz von Geräten gesteigert werden. So sollte zum Beispiel der Wirkungsgrad der Strom- und Wärmeerzeugung erhöht werden.
Ferner sieht der Aktionsplan Anforderungen an die Energieeffizienz von Industrieausrüstungen vor sowie eine verbesserte Unterrichtung von Klein- und Mittelbetrieben, Energieaudits und Energiemanagementsysteme für Großunternehmen. Nun sind das EU-Parlament und die 27 EU-Regierungen am Zug, die Vorschläge zu erörtern und zu beschließen.
Die Energieeffizienz sei für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas von zentraler Bedeutung, verringere die Energieabhängigkeit und ermögliche es gleichzeitig, die Emissionen zu senken, erklärte die EU-Behörde. Nach Schätzungen dürften die vorgeschlagenen Maßnahmen jedes Jahr pro Haushalt Einsparungen von bis zu 1.000 Euro ermöglichen. Sie könnten zudem bis zu zwei Millionen Arbeitsplätze schaffen.
Oettinger: Weitere Maßnahmen erforderlich
"Unseren Schätzungen zufolge müssen trotz der bereits erzielten Fortschritte weitere entschlossene und koordinierte Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz eingeleitet werden, da die EU ansonsten ihr Ziel, bis 2020 Energieeinsparungen von 20 Prozent zu erzielen, nicht erreichen wird“, sagte der für Energie zuständige EU-Kommissar Günther Oettinger.
Nach einem ebenfalls jetzt vorgelegten „Fahrplan für die Schaffung eines wettbewerbsfähigen CO2-armen Europa bis 2050“ wird der Aufbau einer CO2-armen EU-Wirtschaft in den nächsten 40 Jahren zusätzlich zu den derzeitigen Investitionen von 19 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) weitere jährliche Investitionen in Höhe von rund 270 Milliarden Euro erfordern. "Die CO2-arme Wirtschaft kann allein durch die Weiterentwicklung bewährter Technologien erreicht werden, die es bereits heute gibt. Alle Wirtschaftszweige, einschließlich Landwirtschaft, Baugewerbe und Verkehr, müssen zu diesem Übergang beitragen“, erklärte die für Klimapolitik zuständige EU-Kommissarin Connie Hedegaard.