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Duale Ausbildung Mehr als die Hälfte bleibt im Beruf

Mehr als die Hälfte der 18- bis 24-jährigen Erwerbstätigen mit dualer Berufsausbildung arbeiten in ihrem erlernten Beruf – zumindest in den ersten Jahren nach ihrer Ausbildung. Das Handwerk, das traditionell über Bedarf ausbildet, verliert aber jeden fünften frischgebackenen Gesellen.

Mehr als die Hälfte der 18- bis 24-jährigen Erwerbstätigen mit dualer Berufsausbildung arbeiten in ihrem erlernten Beruf (52 Prozent) - zumindest in den ersten Jahren nach ihrer Ausbildung. Je länger allerdings der Abschluss her ist, desto mehr wechseln die Branche. Das hat die Jugenderwerbstätigenbefragung 2011/2012 ergeben, die aktuell in der Zeitschrift "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis – BWP" vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) veröffentlicht wurde.

Mehr Wechsler im Handwerk

Im Handwerk, das traditionell über Bedarf ausbildet, liegt der Schnitt schlechter. 21 Prozent der frischen Handwerksgesellen verlassen den eingeschlagenen Weg, gegenüber 11 Prozent der Absolventen einer dualen Ausbildung in der Industrie. Fast jeder fünfte Jugendliche, der in einem Kleinbetrieb gelernt hat, wechselt hinterher nicht nur den Arbeitgeber, sondern auch den erlernten Beruf.

Die Wissenschaftler werten die Ergebnisse in der Summe dennoch positiv. Wenn über die Hälfte der Junggesellen im eigentlichen Beruf bleibt und weitere 32 Prozent nach ihrer Ausbildung einer Arbeit nachgehen, die zumindest mit der Ausbildung verwandt ist, so sei dies ein Indiz dafür, wie flexibel die Absolventen einer betrieblichen Berufsausbildung im Beschäftigungssystem arbeiten können. Nur 16 Prozent der insgesamt 3.200 Befragten übten eine Tätigkeit aus, die mit ihrem erlernten Beruf nichts mehr zu tun hatte.

Viele wechseln später

Je länger der Ausbildungsabschluss her ist, desto mehr vollständige Berufswechsler gibt es. 96 Prozent der frischen Absolventen des Jahrgangs 2012 waren zum Befragungszeitpunkt noch im erlernten Beruf - der Großteil dürfte die Übernahmemöglichkeiten seines Ausbildungsbetriebs genutzt haben. Im Laufe eines Jahres ändert sich aber schon viel. 12 Prozent der Absolventen des Jahrgangs 2011 hatten bereits ihren Beruf gewechselt, im Jahrgang 2010 waren es schon 19 Prozent.

Unterscheidet man nach Schulabschluss, weisen Hauptschulabsolventen die höchsten Berufswechselquoten auf (rund 24 Prozent). Mit einem höheren Schulabschluss liegt die Wechselquote bei etwa 13 Prozent. Männer wechseln häufiger den erlernten Beruf (ca. 18 Prozent) als Frauen (knapp 13 Prozent).

Unfreiwillige Wechsler zahlen drauf

Welche Folgen der Berufswechsel für die jungen Leute hat, hängt von ihren Motiven ab. Wer freiwillig wechselt, zum Beispiel aufgrund eines höheren Einkommens im neuen Beruf oder anderer beruflicher Interessen, muss sich nicht verschlechtern. Nur unfreiwillige vollständige Berufswechsel, beispielsweise aufgrund schlechter Beschäftigungschancen im erlernten Beruf, führen zu Einkommenseinbußen. Das zeigt die Erwerbstätigenbefragung 2006 des BIBB und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Bei der Jugenderwerbstätigenbefragung 2011/2012 des BIBB und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) handelt es sich um eine telefonische Repräsentativbefragung von mehr als 3.200 jungen Erwerbstätigen und Auszubildenden im Alter von 15 bis 24 Jahren mit einer Arbeits- beziehungsweise Ausbildungszeit von mindestens zehn Stunden pro Woche.

Mehr Informationen in "Berufswechsel nach der Ausbildung: 18- bis 24-Jährige mit dualer Berufsausbildung im Erwerbsleben“. bst

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