Eine neue Studie der KfW-Bank belegt die zentrale Rolle des Mittelstands bei der Ausbildung. Doch sie zeigt auch einen deutlichen Trend: Die Zahl der ausbildenden Betriebe sinkt. Die Gründe sind vielfältig, die Forderungen an die Politik klar.

Kleine und mittlere Unternehmen bilden laut einer Studie der KfW-Bankengruppe nach wie vor das Rückgrat der dualen Ausbildung in Deutschland, doch die Zahl der ausbildenden Betriebe sinkt. Demnach lernen mehr als 90 Prozent aller Auszubildenden im Mittelstand, gleichzeitig ziehen sich aber immer mehr Firmen aus der Ausbildung zurück.
Der Anteil der mittelständischen Unternehmen, die ausbilden, ist laut der Studie seit 2022 deutlich gesunken. Hatten im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2018 noch rund zwölf Prozent der Unternehmen mindestens einen Auszubildenden, lag dieser Anteil 2024 nur noch bei 9,1 Prozent. Als Gründe für diese Entwicklung nennt die KfW die Zurückhaltung vieler Betriebe seit der Corona-Pandemie, gefolgt von der Energiepreiskrise, der Inflation und der schwierigen wirtschaftlichen Lage.
Gleichzeitig konzentriert sich die Ausbildung auf die verbleibenden Betriebe. Obwohl die Zahl der Ausbildungsunternehmen sinkt, ist der Anteil der Lehrlinge, die im Mittelstand lernen, gestiegen: von 84 Prozent im Jahr 2010 auf über 90 Prozent im Jahr 2024. Insgesamt ist die Zahl der Auszubildenden in Deutschland seit 2010 um rund 19 Prozent auf 1,2 Millionen gesunken. Ursachen dafür sind laut KfW vor allem sinkende Bewerberzahlen durch den demografischen Wandel und ein anhaltender Trend zum Studium.
Je größer der Betrieb, desto höher die Ausbildungsquote
Die Studie von KfW Research zeigt eine klare Faustregel: Je größer ein Betrieb ist, umso wahrscheinlicher bildet er auch aus. Von den Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten haben nur drei Prozent Auszubildende. Bei Betrieben mit zehn bis 49 Mitarbeitern sind es bereits 42 Prozent. Mittelständler mit mehr als 50 Beschäftigten bilden sogar zu 72 Prozent aus.
Politik soll Anreize schaffen
Kathrin Schmidt, Mitautorin der Studie bei KfW Research, sieht den Rückzug vieler kleiner und mittlerer Unternehmen aus der Ausbildung als besorgniserregend an. Die duale Ausbildung sei ein unverzichtbarer Baustein zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Sie fordert daher gezielte Unterstützung. "Um diesem Trend entgegenzuwirken wäre es wichtig, gezielt Anreize zu setzen und passgenaue Unterstützungsangebote bereitzustellen – gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten", so Schmidt. Zudem müssten die Kompetenzen junger Menschen durch bildungspolitische Maßnahmen gestärkt und bürokratische Abläufe vereinfacht werden, um die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zu erhöhen.
Große Unterschiede zwischen Bundesländern
Im Vergleich der Bundesländer ist Bremen der Spitzenreiter. Hier hatten im Zeitraum von 2021 bis 2024 rund 19,1 Prozent der Unternehmen mindestens einen Auszubildenden. Dahinter folgen Schleswig-Holstein mit 14,1 Prozent und Niedersachsen mit 14,0 Prozent. Die niedrigsten Quoten weisen Berlin (8,3 Prozent), Brandenburg (7,7 Prozent) und Hamburg (6,5 Prozent) auf. Laut KfW lassen sich diese Unterschiede zum Teil durch die Wirtschaftsstruktur erklären: In Stadtstaaten dominieren Dienstleister, die seltener ausbilden als etwa das Verarbeitende Gewerbe oder die Baubranche. In Ostdeutschland sei zudem der Anteil an Kleinstunternehmen höher.
Die Studie basiert auf dem KfW-Mittelstandspanel, einer repräsentativen Befragung von mehr als 13.000 Unternehmen. fre