Wirtschaftliche Lage im Friseurhandwerk Mehr als 66 Euro für den Haarschnitt: Preise beim Friseur steigen

Zwei Jahre Corona-Krise belasten das Friseurhandwerk auch weiterhin stark. Nicht nur die Zahl der Auszubildenden geht dramatisch zurück, auch die Umsätze sinken weiter. Gleichzeitig steigen die Preise für Friseurdienstleistungen.

Friseurin schneidet Haar, Nahansicht. der Hände.
Die Umsätze im Friseurhandwerk sinken, was laut Friseurverband zu steigenden Preisen für Haarschnitte und andere Friseurdienstleistungen führt. - © wideonet - stock.adobe.com

Die Corona-Krise hat weiterhin negative Auswirkungen auf Friseurinnen und Friseure, wie der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) mitteilt. Demnach zeigen sich die Folgen des ersten Corona-Jahres deutlich in der Umsatzentwicklung des Friseurhandwerks. 2020 haben die 51.482 umsatzsteuerpflichtigen Friseurunternehmen 6,21 Milliarden Euro erwirtschaftet, so der ZV. Somit sei der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 11,7 Prozent gesunken. Für 2021 prognostiziere das Statistische Bundesamt erneut einen Rückgang der steuerpflichtigen Umsätze von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Kundinnen zahlen durchschnittlich mehr als 66 Euro, Männer mehr als 27 Euro pro Friseurbesuch

In diesem Zusammenhang steigen auch die Preise für Haarschnitte und andere Friseurdienstleistungen in Deutschland. Der ZV spricht von Preissteigerungen um 4,1 Prozent im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr. Ausschlaggebend dafür seien vor allem ein zeitlicher Mehraufwand für die Friseurinnen und Friseure, hervorgerufen durch Arbeitsschutz- und Hygienemaßnahmen, sowie die Kosten für Schutzausrüstung und Testangebote. Aber auch die Nachfrage der Verbraucher nach vielseitigen Friseurdienstleistungen hätten zu dieser Entwicklung beigetragen.

Der ZV verweist auf den Dienstleistungsvergleich "Prime Spot" der Unternehmensberatung Peter Zöllner. Dieser zeigt: In den Damensalons lag der Umsatz im Jahr 2021 pro Kundin bei durchschnittlich 66,31 Euro. Männliche Kunden investierten im Jahr 2021 durchschnittlich 27,48 Euro pro Friseurbesuch. Frauen gehen laut des Marktforschungsunternehmens Kantar Worldpanel im Durchschnitt fünf Mal im Jahr zum Friseur, Männer dagegen circa acht Mal im Jahr.

Immer mehr Mikro-Salons

Die Hauptlast der Coronakrise tragen vor allem die umsatzstärkeren Salons, so der ZV. Corona wirke sich damit als Treiber eines Strukturwandels im Friseurmarkt aus. Laut Friseurverband rutschen viele Salons in die Kategorie der umsatzsteuerbefreiten Mikro-Salons, die keine Mitarbeiter beschäftigen und keinen Nachwuchs ausbilden. Zeitgleich könnten diese Mikro-Salons unterhalb eines Jahresumsatzes von 22.000 Euro mehrwertsteuerfrei und damit konkurrenzlos günstig am Friseurmarkt agieren.

Der Zentralverband kritisiert, durch die steuerprivilegierten Mikrobetriebe sei eine Konkurrenz entstanden. Diese führte zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen vor allem zu Lasten der nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen. In der Folge hätten diese auch
negative Auswirkungen auf die Ausbildungsleistung sowie eine qualitätsorientierte Fachkräfteentwicklung.

Zahl der Azubis im Friseurhandwerk geht weiter zurück

Kritisch sei auch die Ausbildungssituation im Friseurhandwerk. 15.911 Auszubildenden schlossen im Jahr 2021 ein Ausbildungsverhältnis im Friseurhandwerk ab. Ein Rückgang, den die Corona-Pandemie noch einmal dramatisch beschleunigt habe, so der Verband.

Vor allem auf junge Frauen übe der Friseurberuf aber nach wie vor eine hohe Anziehungskraft aus, heißt es beim ZV. So rangiert der Friseurberuf bei den weiblichen Auszubildenden mit 4.734 neu abgeschlossenen Verträgen 2021 auf Platz acht der Liste aller Ausbildungsberufe. Der Anteil der männlichen Auszubildenden im Friseurhandwerk ist binnen zehn Jahren von zehn Prozent auf 30 Prozent gestiegen. "Der Friseurberuf bleibt für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger beliebt, die kontinuierliche Modernisierung des Berufsbildes mit neuen Karrieremöglichkeiten ist aber unumgänglich, um künftig wieder mehr Nachwuchs für die Friseurbranche gewinnen zu können", heißt es seitens des Friseurverbandes.

Ukraine-Krieg wirkt sich negativ auf Friseurhandwerk aus

Die Folgen des Krieges Russlands gegen die Ukraine dürften sich ebenfalls negativ auf die Friseursalons auswirken, prognostiziert der ZV. Die starke Inflation, vor allem die steigenden Lebenshaltungskosten und Energiepreise, würden dazu führen, dass sich Verbraucher beim Konsum zurückhalten. Treffen würde das auch die ohnehin von der Pandemie stark gebeutelte Friseurbranche. Das Friseurhandwerk erwartet deshalb Unterstützung von der Bundesregierung: Zum Beispiel durch einen herabgesetzten Mehrwertsteuersatz auf Friseurdienstleistungen. ew