Familienministerium sieht Beginn des Programms als "Erfolg" - Tilo Schüssler ist der Erste Mehr als 3.000 Bundesfreiwillige am Start

Für mehr als 3.000 Ehrenamtliche hat der neue Bundesfreiwilligendienst offiziell begonnen. Das Bundesfamilienministerium wertete dies am Freitag in Berlin als einen "klaren und schönen Erfolg". Ursprünglich hatte Ressortchefin Kristina Schröder (CDU) noch von 35.000 Freiwilligen pro Jahr gesprochen. Mittlerweile wird diese Zahl für 2012 erwartet.

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Mehr als 3.000 Bundesfreiwillige am Start

Berlin (dapd). Für mehr als 3.000 Ehrenamtliche hat der neue Bundesfreiwilligendienst offiziell begonnen. Das Bundesfamilienministerium wertete dies am Freitag in Berlin als einen "klaren und schönen Erfolg". Ursprünglich hatte Ressortchefin Kristina Schröder (CDU) noch von 35.000 Freiwilligen pro Jahr gesprochen. Mittlerweile wird diese Zahl für 2012 erwartet.

Als erster Bundesfreiwilliger wird Tilo Schüssler aus Aurich in Ostfriesland ab Montag seinen zwölfmonatigen Dienst in einem Sport-Gesundheitspark in Berlin antreten. Der Parlamentarische Staatssekretär im Familienministerium, Hermann Kues (CDU), beglückwünschte den 18-Jährigen.

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) löst den Zivildienst ab, der zusammen mit der Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Der neue Dienst steht offen für Männer und Frauen jeden Alters, die sich auf sozialem, ökologischem, kulturellem oder sportlichem Gebiet engagieren wollen.

Der BFD werde eine "neue Kultur der Freiwilligkeit in Deutschland fördern", sagte ein Ministeriumssprecher. Aber es müsse dafür geworben werden. "Im Gegensatz zum Zivildienst, der ein Zwangsdienst war, müssen jetzt echte Freiwillige gewonnen werden." Die Werbekampagnen kosten nach Angaben der Grünen 2,5 Millionen Euro.

Nach Angaben mehrerer Wohlfahrtsverbände waren die Bewerberzahlen für den Bundesfreiwilligendienst Ende Juni noch unzureichend. Beim Paritätischen Gesamtverband waren etwa 650 Stellen besetzt. Dort gab es einst rund 18.000 Zivildienstplätze sowie 6.000 Plätze für das Freiwillige Soziale Jahr.

Bundesweit waren bis Ende Juni rund 19.700 Zivis im Dienst. Denen stehen 3.000 Bundesfreiwillige und 14.300 Zivis, die freiwillig verlängert haben, gegenüber. Kues räumte diese Differenz im ZDF-"Morgenmagazin" ein. "Aber es gehen laufend Anträge ein", bekräftigte er. Allein in der vergangenen Woche wurden nach Ministeriumsangaben rund 1.500 Verträge unterzeichnet. Seit dem Start der Informationskampagne im Mai seien pro Woche etwa 250 dazu gekommen.

Die Behörde widersprach zugleich Berichten, wonach es noch unklar sei, ob die Bundesfreiwilligen trotz ihrer neuen Tätigkeit Anspruch auf Kindergeld hätten. "Die offenen Fragen wie der Bezug des Kindergeldes sind alle längst im Sinne der Freiwilligen entschieden, die Finanzierung und die Förderung des Bundes stehen", sagte Staatssekretär Josef Hecken dem "Hamburger Abendblatt".

Der Jugendverband des Deutscher Gewerkschaftsbundes (DGB) kritisierte, der Bundesfreiwilligendienst und der freiwillige Wehrdienst eröffneten "keinerlei Perspektiven" für junge Menschen. Sie verdrängten reguläre Arbeitsplätze, weiteten den Niedriglohnsektor noch mehr aus und könnten zu "Lohndumping vor allem bei sozialen Berufen" führen, sagte Bundesjugendsekretär René Rudolf. Bereits fast jeder dritte Erwerbstätige unter 35 Jahren befinde sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen.

dapd