Wer dringend zum Arzt muss, sollte dies noch schnell machen. Die Mediziner wollen bundesweit streiken. Rund 75 Prozent der Ärzte stimmten in einer Urwahl unter den Mitgliedern von 30 Arztverbänden für Praxisschließungen, teilte die Allianz deutscher Ärzteverbände in Berlin mit. Damit wollen die Ärzte den Druck im Honorarstreit mit den Krankenkassen erhöhen.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verhandeln seit Wochen über die Honorare der rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten.
Nachdem der Erweiterte Bewertungsausschuss per Schlichterspruch entschied, die Zuweisungen zunächst um 270 Millionen Euro zu erhöhen, legte die KBV alle weiteren Verhandlungen auf Eis. Die Ärzte verlangen ein Plus von 3,5 Milliarden Euro. Die nächste Verhandlungsrunde findet am kommenden Samstag statt.
Ärzte überzeugt von hoher Streikkraft
Der Sprecher der Allianz Deutscher Ärzteverbände, Dirk Heinrich, sagte, an der enormen Beteiligung innerhalb so kurzer Zeit zeige sich das hohe Protestpotenzial der Ärzteschaft. "Das ist bislang einmalig." Die "einseitig von den Kassen durchgedrückte minimale Anhebung um 0,9 Prozent" sei eine Kampfansage an die Praxisärzte gewesen. Gleichzeitig sei dies "ein verheerendes Signal der Kassen an die nachfolgende Ärztegeneration".
Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt, ergänzte, es liege jetzt an den Krankenkassen "den Knoten zu durchschlagen". Die von den Versicherten aufgebrachten Beitragsgelder ließen ausreichend Spielraum, um die notwendigen Mittel für die Ausstattung der Arztpraxen und die Versorgung von Patientinnen und Patienten auf hohem Niveau aufzubringen. dapd