Konflikte im Betrieb Mediation: Vermitteln statt klagen

Die häufigsten Konflikte im Handwerk betreffen die Themen Nachfolge und Gewährleistungen. Doch statt damit vor Gericht zu gehen, ist ein Mediator oft die bessere Hilfe. Er hat mehr Spielraum als ein Richter und hilft, eine Lösung für beide Seiten zu finden.

Ann-Christin Wimber

An einem Tisch: Die Mediation erfolgt meist gemeinsam – und wird im besten Fall mit einem Handschlag besiegelt. - © Foto: endostock/Fotolia

Der Junior ist sauer. Der Vater lässt ihm keine freie Hand, was die Neu- und Umgestaltung des Betriebs angeht. Ständig geraten die beiden aneinander, bis sich die Situation so hochgeschaukelt hat, dass eine vernünftige Kommunikation nicht mehr möglich ist. Wenn die Fronten verhärtet sind, kann ein Vermittler helfen. Der ist nicht so teuer wie ein Anwalt und agiert schnell.

Der so genannte Mediator ist vielen Handwerkern noch unbekannt, obwohl am 26. Juli 2012 das "Gesetz zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung in Deutschland" (Mediationsgesetz) in Kraft trat.

Viele Konflikte wegen Betriebsnachfolge

"Der Versuch der Mediation ist grundsätzlich sinnvoll", urteilt Claudia Müller-Conen vom Verband für Mediation und Conflictmanagement (m.con). Denn der Gang zum Anwalt könnte Türen verschließen, die der Unternehmer gar nicht hätte verschließen müssen. Die häufigsten Konflikte im Handwerk sind der Wirtschaftsmediatorin zufolge das Thema Nachfolge sowie Konflikte bei Gewährleistungen.

"Das Gericht überprüft den Sachverhalt auf das Vorliegen gesetzlicher Tatbestände. Es kümmert sich nicht um die Interessen und Ziele des Handwerkers; die wirklichen Ursachen des Konflikts arbeitet das Gericht ebenfalls nicht auf", sagt Müller-Conen.

Im Interesse des Unternehmers

Deshalb kann eine Vermittlung viel eher im Interesse des Unternehmers sein, als ein Sieg vor Gericht. Schließlich lässt sich eine Geschäftsbeziehung, in die sich Anwälte eingemischt haben, schlecht weiterführen. Den Kontakt zu einem Mediator stellen entweder die Handwerkskammern oder Verbände her (siehe Kasten). Diese schlagen Vermittler vor. Die Parteien müssen sich gemeinsam auf einen einigen.

"Es ist wichtig, dass der Mediator Sachkompetenz mitbringt", meint Müller-Conen. Schließlich haben alle Wirtschaftssektoren ihre Feinheiten und jede Branche ihre eigenen Regeln. "Wenn ich die nicht kenne, kann ich nicht die Fragen stellen, die zur Lösung des Konfliktes führen", betont die Expertin. "Der Mediator muss die Materie verstehen, um hinter die Fassade zu schauen."

Seite 2: Ende der Streitschlichtung: Die Parteien unterschreiben eine Mediationsvereinbarung. >>>

Oft sei der Streitgegenstand nur der vorgeschobene Grund für den Konflikt, der sich eigentlich auf tieferliegende Emotionen gründet. Der Mediator versucht, anders als der Richter, mit gezielten Fragen und Kommunikationstechniken den Kern zu erfassen. Er bringt den Ärger der Streithähne auf eine nicht emotionale Ebene. Zur Lösung des Konfliktes kann er auch Dritte einbeziehen.

Zudem sind Mediationssitzungen nicht öffentlich. Dem neuen Gesetz nach ist der Mediator zur Verschwiegenheit verpflichtet. Wie schnell der Konflikt beigelegt wird, hängt von der Sachlage ab. Es kann mit einer Sitzung erledigt sein, aber auch drei bis vier Wochen oder Monate dauern. Meistens sitzen die Medianten dabei an einem Tisch.

Auch Einzelsitzungen möglich

"Die Parteien sollten sehen, dass der andere einem sozusagen auch optisch entgegenkommt. Zudem wird bei einer gemeinsamen Sitzung Vertrauen wiederhergestellt", erklärt Müller-Conen. Der Mediator kann auch Einzelsitzungen abhalten, damit er Emotionen von Informationen trennen kann. Die Expertin rät, den Konflikt möglichst schnell aus der Welt zu schaffen.

Über Kosten für einen Mediator gibt es keine allgemeingültigen Aussagen und auch keine Gebührenordnungen – das mag sich mit der weiteren Etablierung der Vermittler ändern. Einige Mediatoren vereinbaren Stunden-, andere Tages- oder auch Erfolgshonorare. Die Lösung, die am Ende erarbeitet wird, ist immer das Resultat einer gemeinsamen Anstrengung beider Parteien. "Diese wird von beiden Seiten eher akzeptiert als das Urteil eines Dritten", beschreibt Claudia Müller-Conen.

Am Ende unterschreiben die Parteien eine Mediationsvereinbarung. Dies ist ein Vertrag, an den sich beide Seiten halten müssen. Er erlaubt einer Partei zudem vor Gericht zu ziehen, sollte die andere Partei sich nicht an die Vereinbarung halten. Der erneute Schritt zum Mediator ist dann wohl nicht mehr sinnvoll.

Verbände und Organisationen

  • Bundesverband Mediation e.V. (bmev): bmev.de
  • Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt e.V. (BMWA): bmwa.de
  • Deutsche Gesellschaft für Mediation in der Wirtschaft e.V. (DGMW): dgmw.de
  • Verband für Mediation und Conflictmanagement e.V. (m.con): mcon-mediation.de