Dominoeffekt führt in die Rezession Maschinenbaumeister warnt: "Die Firmen sterben leise"

Der Handwerksbetrieb von Maschinenbaumeister Anton Fries läuft gut, die Auftragsbücher sind prall gefüllt. In den nächsten Jahren wollte er seinen Betrieb in jüngere Hände geben. Doch jetzt ist das solide Unternehmen von der Energiekrise betroffen und fühlt sich von der Politik im Stich gelassen.

Dominosteine fallen
Die Energiepreise steigen und steigen. Maschinenbaumeister Anton Fries hat selbst schwer damit zu kämpfen und sieht einen Dominoeffekt in eine Rezession. - © peterschreiber.media - stock.adobe.com

Maschinenbaumeister Anton Fries ist seit über 28 Jahren selbstständig und betreibt in Herbertshofen seinen mittelständischen Handwerksbetrieb. Vierzehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt der Unternehmer, er bildet aus und hat sich auf die Produktion von Dreh- und Frästeilen, speziellen Rohrbiegedornen sowie Pflanzenölpressen und Filteranlagen spezialisiert. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, die Firma läuft. Maschinenpark und technische Anlagen befinden sich auf dem neuesten Stand und Fries hatte sich vorgestellt, sich in den nächsten Jahren zur Ruhe zu setzen und seinen Betrieb in jüngere Hände zu geben.

LEW kündigt Stromvertrag

In dieses solide Unternehmen schlägt nun die Explosion der Energiekosten zerstörerisch wie ein Blitz ein. Für seinen durchschnittlichen Stromverbrauch von 170.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr hatte Fries 2020 noch 4,9 Eurocent pro kWh bezahlt. Im laufenden Jahr ist der Preis nun auf 14,9 Eurocent hochgeschnellt und ab Januar 2023 muss der Maschinenbauer den Strom über die Börse beziehen, da die Energieversorger derzeit keine längerfristigen Verträge abschließen.

Die LEW hatte ihm den bestehenden Vertrag am 21. September 2022 per Einschreiben gekündigt, von einem "historisch noch nie da gewesenen Marktumfeld" ist die Rede. An der Strombörse liegt der aktuelle Preis im Schnitt bei 84,5 Eurocent mit Stromkosten für die Kilowattstunde. "Dieser Preis ist 14,5-fach höher als noch vor zwei Jahren und es ist gar nicht abzusehen, ob es dabei bleibt. Wie soll ich da die Verträge mit meinen Kunden erfüllen? Wie soll ich da künftig kalkulieren?", klagt Fries. Dabei hatte der Unternehmer mit einer großflächigen Photovoltaikanlage (99 kWp) bereits Vorsorge betrieben, um durch die Erzeugung regenerativer Energie unabhängiger zu werden. Ebenso verfügt er über einen Batterieüberschuss-Speicher mit 100 kWh. Doch damit alleine kann er seine Produktion nicht stemmen. "Vom Platz her könnte ich meine PV-Anlage schon auf 120 kwP erweitern. Doch kurzfristig geht das nicht, denn PV-Module haben inzwischen lange Lieferzeiten und zudem müsste ich für die Erweiterung ein aufwändiges Genehmigungsverfahren durchlaufen, das mit dem erforderlichen Gutachter bis zu zwei Jahre dauern kann. Das ist keine Option", so der Handwerksmeister.

Maschinenbaumeister Anton Fries. - © HWK Schwaben

Energiekosten belasten gesamte Fertigungskette

Doch nicht nur die eigenen hohen Energiekosten setzen Fries zu. Auch seine Zulieferer wie Härtereien und Galvanikunternehmen mussten die Preise drastisch anheben. Bis zu 30 Prozent Kostensteigerung ab 2023 müsse er für Lohnhärtearbeiten hinnehmen, und ähnlich würde es bei Galvanikleistungen aussehen. Fries: "Gerade die Galvaniseure stecken in dem Dilemma, dass sie ebenfalls teure Energie einkaufen müssen und gleichzeitig Material wie Salzsäure momentan schwer zu bekommen ist. Inzwischen leidet die gesamte Fertigungskette." Denn auch die Stahlpreise sind extrem gestiegen, pro Tonne werden Energiekostenzuschläge verrechnet und die Transportkosten haben sich – auch durch hohe Diesel- und Benzinpreise – dramatisch erhöht.

Brandbriefe an Hauptkunden

In dieser prekären Situation sah sich Fries gezwungen, seine Hauptkunden anschreiben, um seine Situation darzulegen. Eine spürbare Erhöhung seiner Preise ist unausweichlich. "Trotz meiner guten Auftragslage kam ich nicht umhin, diesen Schritt zu gehen. Die Entwicklung ist so rasant, dass mir keine Wahl blieb."

Nachdem die Lage inzwischen existenzgefährend ist, hat sich Anton Fries an die zuständigen Abgeordneten in seiner Region gewandt. "Die Resonanz war mehr als verhalten", zeigt sich der Unternehmer enttäuscht. "Zwei Abgeordnete zeigten zwar Interesse und bedauerten die Lage. Gleichzeitig sagten sie aber, dass sie nichts für mich tun können", ist der Unternehmer ernüchtert. "Ganz ehrlich – wer außer den Politikern kann überhaupt etwas tun? Die Existenz vieler mittelständischer Unternehmen steht auf dem Spiel. Diese Firmen sterben leise, da gibt es keinen Aufschrei oder große Demos. Sie sind weg", resümiert Fries. Tief enttäuscht ist er auch, dass einige Abgeordnete auf seine Anrufe gar nicht reagiert haben. "Die Dominosteine für die Rezession sind gefallen."