Maschinenbau schmiert ab

Branchenspiegel: Aufträge brechen weg. Produktionsrückgang wird erwartet

Von Andreas Bücherl und Lothar Semper

Nach Jahren des Aufschwungs sind die Aufträge im Maschinen- und Werkzeugbau massiv eingebrochen. Zwar meldet die Branche für 2008 noch ein kräftiges Umsatzplus, doch für dieses Jahr wird ein Minus von 7 Prozent erwartet.Foto: imago

Maschinenbau schmiert ab

Baugewerbe: Die Bauwirtschaft hat 2008 zum dritten Mal in Folge ihre Produktion ausgeweitet, und zwar um 2,7 Prozent. Die Branche muss sich nach diesem erfreulichen Ergebnis für das Jahr 2009 auf zumindest leicht sinkende Bauinvestitionen einstellen. Denn die Kapitalmarktturbulenzen und die fortschreitende Rezession erreichen nun auch den Bausektor. Die gewerbliche Wirtschaft sieht aufgrund der Absatzflaute keine Notwendigkeit für Kapazitätsausweitungen und wird daher die Bauaufträge drastisch zurückfahren oder Projekte zeitlich strecken, zumal die Finanzierung durch die geringere Risikobereitschaft der Banken mittlerweile deutlich schwieriger geworden ist. Auch der Wohnungsneubau bleibt von der Konjunkturkrise nicht unberührt. Zwar sind die Zinsen nach wie vor verhältnismäßig niedrig, andererseits wirkt sich das steigende Arbeitsplatzrisiko ungünstig auf die Neubautätigkeit aus. Wesentliche Impulse erhält der Wohnungsbau durch Sanierungs- und Modernisierungsaufträge. Da die staatlichen Fördermittel zur energetischen Gebäudesanierung noch einmal deutlich aufgestockt werden, dürften die Bestandsinvestitionen weiter zunehmen. Der öffentliche Bau wird als einzige Sparte einen Wachstumsbeitrag leisten, wenngleich die Städte und Gemeinden mittlerweile für 2009 mit Einnahmerückgängen rechnen. Eine positive Entwicklung kann vor allem dank der fiskalpolitischen Maßnahmenpakete der Bundesregierung erwartet werden.

Handwerk für gewerblichen Bedarf: Der Maschinen- und Werkzeugbau erzielte 2008 nochmals eine kräftige Umsatzausweitung. Allerdings haben bereits die damals rückläufigen Bestellungen auf ein Ende des mehrjährigen Booms hingedeutet. Gegen Ende 2008 brach der Auftragseingang so massiv ein, dass die ursprünglich für 2009 prognostizierte Stagnation nicht mehr realistisch erschien. Vielmehr rechnet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) nun mit einem Produktionsrückgang von 7,0 Prozent. Angesichts der anhaltenden Bestellrückgänge sowohl im Inlands- als auch im internationalen Geschäft machen die Maschinenbauer verstärkt von Kurzarbeit Gebrauch. Trotzdem wird ein Verlust von Arbeitsplätzen nicht zu vermeiden sein, allein schon wegen der zunehmenden Insolvenzen. Vor allem die Autozulieferer sind als Folge der tiefen Krise auf dem Pkw-Markt in einer besonders schwierigen Wirtschaftslage, zumal sie bereits seit Jahren einem enormen Kostendruck durch die Autohersteller ausgesetzt sind. Bei den Betrieben für Landmaschinentechnik zeichnet sich für 2009 eine moderate Geschäftsabschwächung ab. Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen Landwirte in nächster Zeit weniger in Maschinen, Geräte sowie Hoftechnik investieren.

Kraftfahrzeuggewerbe : Das Autojahr 2008 verlief insgesamt enttäuschend. Insbesondere das Neuwagengeschäft hat sich zuletzt dramatisch verschlechtert. Im Januar 2009 ist der Pkw-Absatz weiter eingebrochen. Die Branche sieht jedoch einen Hoffnungsschimmer: Nach Einführung der Abwrackprämie zeigten die Neuzulassungszahlen ansteigende Tendenz. Gefragt sind in erster Linie Klein- und Mittelklassewagen. Als Nebeneffekt der Verschrottungsprämie sind die Rabatte auf die Listenpreise wieder in den einstelligen Bereich gesunken und liegen derzeit zwischen sechs und acht Prozent, so der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Überdurchschnittliche Preisnachlässe sind nur noch bei den Anbietern von Premiummarken zu bekommen. Gewisse Nachfrageimpulse erhoffen sich die Autohändler auch von der Umstellung der Kraftfahrzeugsteuer zum 1. Juli 2009. Trotz dieser konjunkturstützenden Maßnahmen und gesunkener Spritpreise kann von einer Entwarnung auf dem inländischen Automarkt keine Rede sein. Das Servicegeschäft dürfte sich in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld behaupten. Gleichwohl sehen die Werkstätten mit Sorge, dass sich gerade Besitzer von älteren Autos mit Wartungs- und Reparaturaufträgen zurückhalten. Die Betriebe versuchen nun, durch gezieltes Marketing dieses Kundenpotenzial zu nutzen.

Lebensmittelhandwerke: Im vergangenen Jahr hatten die Bäcker und Metzger infolge steigender Kostenbelastung und einer dahindümpelnden Verbrauchskonjunktur keinen leichten Stand. Für die Prognoseperiode zeichnet sich eine alles in allem stabile Umsatztätigkeit ab. Gestützt wird sie durch die Zunahme der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte; nach Angaben des ifo-Institutes beträgt der Anstieg in diesem Jahr 2,0 Prozent. Auf der anderen Seite ist aber wegen der wachsenden Preissensibilität der Verbraucher damit zu rechnen, dass ein Teil der bisherigen Kundschaft seinen Einkauf beim Discounter tätigen wird. Ferner geraten die Fleischskandale der letzten Jahre zunehmend in Vergessenheit und die Konsumenten dürften daher wieder verstärkt vorverpackte Ware im SB-Markt oder im Einzelhandelsgeschäft kaufen. Auf der Kostenseite werden die kräftig gefallenen Öl- und die nachfolgenden Gaspreise für eine gewisse Entlastung bei den Betrieben sorgen. Nachdem der Bierabsatz 2008 weiter um 1,1 Prozent abgenommen hat, befürchten die Brauereien, dass die Wirtschaftskrise den Bierkonsum in diesem Jahr auf einen neuen Tiefstand drücken könnte.

Handwerk für privaten Bedarf: Die Gesundheitshandwerke verbuchten 2008 leichte Umsatzzuwächse. Im Jahr 2009 sollte sich der moderate Aufwärtstrend fortsetzen. Eine stärkere Absatzbelebung ist angesichts des eher gedämpften Konsumklimas nicht zu erwarten. Der positive Umsatzverlauf kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Lage der Branche insgesamt angespannt bleibt. Vor allem die Zahntechnikerbetriebe sehen durch die Höchstpreisentwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ihre „Wirtschaftlichkeitsreserven abgeschöpft“. Auf dem Friseurmarkt ist aufgrund der verhaltenen Verbrauchskonjunktur von einer weiteren Stagnation der Kundennachfrage auszugehen. In Ballungsräumen dürfte das Niedrigpreissegment weiter expandieren und damit den traditionellen Friseurgeschäften das Leben schwermachen.