500 Jahre Reformation Martin Luther geht zum Tüfteln in die Werkstatt

Ein Mechanikermeister teilt mit dem Reformator nicht nur den Namen. Auch im Glauben an Gott und im Fleiß bei der Arbeit ist er seinem Verwandten nahe.

Thomas Kieschnick

Martin Luther liest in der Luther-Bibel: Trotz seiner 74 Jahre übernimmt der erfinderische Mechanikermeister regelmäßig handwerkliche Aufträge. Zeit für die tägliche Bibel-Lektüre bleibt trotzdem. - © Tilman Ehrcke

Wenn Martin Luther heute an den Anschlag der 95 Thesen in Wittenberg vor 500 Jahren zurückdenkt, dann bebt seine Stimme vor Stolz: "Ich weiß nicht, wie groß die Nägel damals waren. Aber mit einem Hammer kann ich immer noch sehr gut umgehen", sagt der Namensvetter des großen Reformators und lacht.

Martin Luther ist 74, Mechanikermeister und wohnt im schwäbischen Hohenstaufen. Mit dem Reformator teilt er mehr als nur den Namen. Er stammt in direkter Linie von Jakob Luther ab, dem Bruder Martins. Und auch das handwerkliche Geschick scheint in den Luther-Genen zu liegen: 1517 wusste Martin Luther, Reformator, wie er einen Hammer zu schwingen hatte. 500 Jahre später blickt Martin Luther, Mechaniker, auf mehr als 50 Jahre im Handwerksberuf zurück. Der Glaube an Jesus Christus und der Stolz auf seine Familiengeschichte waren ihm ständige Begleiter.

Handwerk statt Studium

Allerdings sieht der zeitgenössische Luther auch Grenzen in der Ähnlichkeit: "Mein Leben hat wahrscheinlich mehr Parallelen mit dem Zimmermann Jesus von Nazareth oder mit dem Apostel Paulus, der als Zeltmacher gearbeitet hat. Mein Namensvetter war ja studierter Theologe."

Die handwerkliche Ausbildung erhielt Luther zu Beginn der 1960er Jahre als Werkzeugmacher bei Schuler, dem weltweit größten Hersteller von Pressen. Mit 24 Jahren machte er seinen Meisterbrief und spezialisierte sich auf Nähmaschinen und Krankenhausbetten. "Ich war schon immer sehr erfinderisch veranlagt", sagt Luther. "Als Selbstständiger habe ich Nähmaschinen für die Autoindustrie hergestellt. Die haben mit über 100 Nadeln gleichzeitig genäht. Später waren es Spezialbetten für Krankenhäuser." Die Stückzahlen waren gering. Konkurrenz gab es für den hochspezialisierten Betrieb, der zwischenzeitlich acht Arbeiter beschäftigte, keine. Ausgeliefert wurde in ganz Deutschland.

Keine Rente in der Bibel

Noch heute bekommt Luther Aufträge, tüftelt in seiner kleinen Werkstatt und repariert Maschinen. Trotz seiner 74 Jahre ist er auf das zusätzliche Einkommen angewiesen. "Man muss sein Brot verdienen, mit der eigenen Hände Werk“, sagt er und fügt hinzu: „Ich habe in der Bibel auch nicht gelesen, dass man in Rente gehen soll. Denken Sie an Moses und Abraham. Für beide ging es erst so richtig los, als sie die 80 schon überschritten hatten."

Die Kraft für seine Tüchtigkeit zieht Luther aus der Bibel. Täglich liest er darin, selbstverständlich in der Übersetzung seines Vorfahren. Ora et Labora, das Beten und das Arbeiten, gehören für ihn zusammen. "Ein Faulenzer ist für mich kein richtiger Christ“, sagt Luther. "Man will den anderen Menschen nicht auf der Tasche liegen. Aber natürlich macht mir die Arbeit auch sehr viel Spaß." Der Lieblingsvers Luthers steht im Psalm 23: "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln."

Feiertag für alle Christen

Im Reformationsjahr 2017 freut sich Luther über die große Aufmerksamkeit, die sein Namensvetter in Politik und Öffentlichkeit erhält. Denn so rücken die Geschichten über Jesus Christus wieder in den Vordergrund, auch wenn sich die Bänke in der Kirche in Hohenstaufen in den letzten Jahren leerten. "Der Reformationstag soll ein Feiertag für alle Christen sein", sagt Luther. "Ich hoffe, dass so wieder mehr Menschen zu ihrem Glauben finden. Nach dem Krieg waren die Kirchen hier voll, mit dem Wohlstand wurden es immer weniger. Jetzt sitzen hier nur ein paar Leutchen."

Der heutige Luther hat sich mit 32 Jahren bewusst für den Glauben entschieden. Seitdem bezeichnet er sich als aktiven Christen. "Und das nicht nur, weil ich Martin Luther heiße", betont er. Dennoch spielt der Reformator eine große Rolle in seinem Leben. Vor zwei Jahren begab sich Luther auf Spurensuche nach Wittenberg, Eisleben und Mansfeld. "In Eisleben stand ich vor dem Sterbebett Martin Luthers, da dachte ich mir ‚Da leg ich mich doch glatt mal rein. Ist ja schließlich von meinem Großonkel.‘"

Praktisch veranlagt

Von Mitteldeutschland zog es die Luthers im 17. Jahrhundert ins württembergische Uhingen. Ein Blick in den Stammbaum zeigt, dass Martin Luthers Nachfahren und Martin Luthers Vorfahren schon immer praktisch veranlagt waren: Ein Luther war in Göppingen als Maurer tätig, Martins Vater arbeitete als Maschinenbauer, seine Brüder ergriffen Metallberufe.

Ein bisschen Familientradition hat der Mechanikermeister Martin Luther auch an seine Kinder weitergegeben. Seine Tochter heißt Martina, ein Sohn Robert Martin. Kann dieser Name nicht eine Bürde sein? "Ich habe ihn immer mit Stolz getragen", sagt Martin Luther.