Mit der Marktöffnung hat sich bei den Schornsteinfegern nicht nur die Zahl der Betriebe erhöht. Sie stellen auch mehr Lehrlinge ein und entdecken rund um die Energiewende neue Geschäftsfelder.
Karin Birk

Mit dem Wegfall des Schornsteinfegermonopoles Anfang 2013 ist auch der Schornsteinfegermarkt in Bewegung gekommen. Einen regelrechten Preiskampf sieht die Branche allerdings nicht. "Die Preise sind nicht gefallen", sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerkes, Torsten Arndt, im Vorfeld des Bundesverbandstages. Zwar holten sich Hauseigentümer und Wohnungsunternehmen vermehrt Angebote ein, die ohnehin niedrigen Preise seien aber nicht weiter gesunken. Insgesamt habe die Branche ihre Umsätze im vergangenen Jahr leicht steigern können, ergänzte er.
Erhöht hat sich mit Wegfall des Monopols auch die Zahl der Betriebe. Seitdem diese über ihren angestammten Kehrbezirk hinaus Schornsteine reinigen, Heizanlagen messen oder auch Energieausweise ausstellen dürfen ist deren Zahl bis Ende 2013 um 200 auf 7.227 Betriebe mit insgesamt 20.000 Beschäftigten angewachsen. Im vergangenen Jahr 2013 haben 837 Lehrlinge eine Ausbildung begonnen. Ein Plus von 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Nach wie vor hoheitliche Aufgaben
Wie Verbandspräsident Hans-Günther Beyerstedt weiter sagte, gibt es aber nach wie vor hoheitliche Aufgaben, die nur ein Bezirksschornsteinfeger übernehmen darf. Zu diesen Aufgaben, die etwa ein Fünftel des Geschäftes ausmachen, zählt etwa die Feuerstättenschau oder Bauabnahmen. Viele Kehrbezirke seien dafür neu ausgeschrieben worden. Teilweise hätten sich auch mehrere Schornsteinfeger für einen Bezirk gemeldet. Jetzt liege es an den zuständigen Verwaltungen die geeignetsten Bewerber auszusuchen, wobei ein Schornsteinfeger nur einen Bezirk übernehmen dürfe.
Keine Nachwuchssorgen
Die verschiedenen Aufgabenfelder sorgen nach den Worten Beyerstedts auch dafür, dass sich die Schornsteinfeger keine Nachwuchssorgen machen müssen. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Als weiteren Grund für die rege Nachfrage der Jugendlichen nannte Beyerstedt die wachsende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe, die die Liberalisierung gut verkraftet und alle Hände voll zu tun hätten. Hinzu komme, dass die Ausbildung Perspektiven wie den Erwerb der Fachhochschulreife oder die Meisterausbildung sowie duale Studiengänge eröffne.
Viele Schornsteinfeger auch Gebäudeenergieberater
Wachsende Einsatzmöglichkeiten sieht der Verband für Betriebe und Nachwuchskräfte auch in verschiedenen Aufgaben rund um die Energiewende. Schon jetzt spürten die Betriebe eine verstärkte Nachfrage Energie-Effizienzberatung, hieß. Viele Betriebe verfügten über einen Gebäudeenergieberater und stellten Energieausweise aus. Wie und wo sich Schornsteinfeger beim Thema Energiewende vor Ort einbringen können und welchen Beitrag die Politik dazu leisten kann, will die Branche während ihrer Verbandstage vom 30. Juni bis 2. Juli in Berlin diskutieren.