Reaktionen auf Schweizer Volksabstimmung Managergehälter auch in Deutschland in der Kritik

In Deutschland sind Managergehälter und Boni in vielfacher Millionenhöhe nicht erst seit dem Ergebnis der Schweizer Volksabstimmung Gegenstand zahlreicher Debatten. Doch mit dem Referendum des Nachbarn ist auch hierzulande die Diskussion um die Gehälter von Top-Managern neu entfacht.

Engere Zügel für Manager nach Schweizer Volksabstimmung. Gehälter werden von Aktionären bestimmt. Auch Deutschland reagiert auf die Geschehnisse. - © picture alliance / dpa / P. Widmann

Knapp 70 Prozent der Schweizer Bürgerinnen und Bürger haben für eine Begrenzung von Managergehältern in Unternehmen entschieden. Damit stärkten sie die Rechte der Aktionäre, die künftig die Gehälter der Konzernmanager festsetzen.

Somit ist in dem Land auch der „Goldene Handschlag“, das kostspielige Ausscheiden eines Managers aus dem Unternehmen, schon bald Geschichte. Aktuell ist allerdings die breitgeführte Diskussion um die Gehaltsdebatte, die kurz nach dem Bekanntwerden des Votum-Ergebnisses auch deutschland- und europaweit Fahrt aufgenommen hat.

Vorstoß von FDP und Opposition

Sowohl die FDP als auch Teile der Opposition gehen mit dem Ergebnis konform und wollen auch hierzulande die Rechte von Aktionären in Unternehmen stärken und ausbauen.  FDP- Fraktionschef Rainer Brüderle betonte, noch vor der diesjährigen Bundestagswahl ein Zeichen zu setzen. Und auch die Opposition sprach sich mehrheitlich für schärfere Gesetze aus. "Der Erfolg der Schweizer Initiative gegen die Selbstbedienung der Managerkaste muss für die deutschen Verhältnisse nutzbar gemacht werden“, so SPD-Fraktionsvize Joachim Poß.

Zurückhaltung der Union

Während die Stimmen nach einer schärferen Gesetzeslage immer lauter werden, verhält sich die Union derzeit noch sehr zurückhaltend. Während die FDP und die Opposition das neue Schweitzer Gesetz mit Begeisterung auffassen, gibt sich die Union zaghaft. Laut der Aussage des Regierungssprechers Steffen Seibert werde man das Gesetz prüfen und sehe es bisher nur als wegweisenden Schritt in die richtige Richtung.

NRW-Handwerk begrüßt Schweizer Widerstand

Ungeachtet der Skepsis seitens der Union zeigt sich das Nordrhein-Westfälische Handwerk vom Schweizer Widerstand sehr angetan. Wolfgang Schulhoff, Präsident des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstags, sprich sich klar für das Ergebnis aus: "Auch für Deutschland gehören irrsinnige Bonussummen für angestellte Vorstandschefs in 300facher Höhe des Jahresgehalts eines Mitarbeiters schnellstens abgeschafft und generell durch Verlustbeteiligungen kompensiert.“ Seiner Auffassung nach sei die bisherige Praktik "sozial verwerflich und existenzschädigend für den Fortbestand der Demokratie. Hinzu kommen sittenwidrige Pensions-Zusagen."

"Keine Gründe in Deutschland“

Bisher können Aktionäre lediglich über das Vergütungssystem des Vorstandes abstimmen. Bislang habe die Abstimmung jedoch keine bindenden Folgen. Millionenzahlungen an Manager sind demzufolge weiterhin möglich. Im internationalen Vergleich gelten deutsche Top-Manager als Spitzenverdiener, die durchschnittlich 4,3 Millionen Euro bekommen.  Ganz oben auf der Liste stehen z.B. VW-Chef Martin Winterkorn sowie der ehemalige Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. Winterkorn hält die Debatte um Mangergehälter in Deutschland für unnötig. Er sehe in Deutschland keine Gründe für eine Gehaltsdebatte. Im vergangenen Jahr hatte Winterkorn auf die Kürzung seines Gehalts bestanden. cle