Vier Jahre nach der Beinahe-Pleite der Sachsen LB ist gegen drei Manager der Bank Anklage erhoben worden. Ihnen wird Bilanzfälschung in Höhe von 150 Millionen Euro und Untreue vorgeworfen, wie Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt am Dienstag in Leipzig mitteilten.
Manager der ehemaligen Sachsen LB angeklagt
Leipzig (dapd). Vier Jahre nach der Beinahe-Pleite der Sachsen LB ist gegen drei Manager der Bank Anklage erhoben worden. Ihnen wird Bilanzfälschung in Höhe von 150 Millionen Euro und Untreue vorgeworfen, wie Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt am Dienstag in Leipzig mitteilten.
Außerdem soll einer der Angeklagten die Vorstände dabei unterstützt haben, die Risiken und Verluste der hochspekulativen Fonds "Goerges Quay" und "Ormond Quay", die entscheidend zum Niedergang der Landesbank beigetragen hatten, nur unvollständig in den Bilanzen dargestellt zu haben. Die Ermittlungen gegen die damaligen Vorstände sind laut Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen, ihnen wird mindestens eine Mitwisserschaft vorgeworfen.
Die Ermittler gehen gegen einen ehemaligen Generalbevollmächtigten der Bank für Finanzen und Controlling sowie gegen zwei leitende Mitarbeiter aus diesem Bereich vor. Im Zentrum stehen die Geschäftsabschlüsse der Jahre 2003 bis 2006; bis 2005 hatte Michael Weiss die Bank geleitet, er war auch verantwortlich für die Expansion der Geschäfte nach Dublin und auf die internationalen Märkte. Weiss musste die Bank auf Drängen der sächsischen Staatsregierung verlassen und hatte sich dann nach Zypern abgesetzt. Die jetzt Angeklagten sollen damals die Bilanzen mit Billigung der Vorstände gefälscht haben, erklärte die Staatsanwaltschaft.
Wie Staatsanwaltschaft und BKA weiter mitteilten, wurden wegen der geschönten Bilanzen jahrelang falsche Gewinne bei der Landesbank ausgewiesen, die wiederum zu pflichtwidrigen Ausschüttungen an die Anteilseigner sowie zu Bonuszahlungen der Mitarbeiter führten.
Wegen der Untreue-Vorwürfe hat die Staatsanwaltschaft nach der Befragung zahlreicher Zeugen und Beschlagnahmung von Akten ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die Experten sollen untersuchen, ob die Pflichtverletzungen ehemaliger Vorstände der Bank finanziell geschadet hätten.
2007 war die Sachsen LB nach Fehlspekulationen auf den internationalen Finanzmärkten in die Krise geraten und musste an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verkauft werden. Heute firmiert sie als hundertprozentige Tochter der LBBW unter dem Namen Sachsenbank. Für etwaige Folgerisiken bürgt der Freistaat Sachsen noch immer mit bis zu 2,75 Milliarden Euro. Bisher wurden von diesem Geld rund 170 Millionen Euro abgerufen.
dapd
