Schlichtung ohne Ergebnis Maler und Lackierer: Kein neuer Tarifvertrag

Keine Einigung im Maler- und Lackiererhandwerk: Die Schlichtung der Tarifverhandlungen ist nach 18-stündigen Verhandlungen gescheitert. Was das für die Beschäftigten bedeutet.

In der Schlichtung der Tarifverhandlungen für das Maler- und Lackiererhandwerk sind die Tarifparteien ohne Ergebnis auseinander gegangen. - © RAM - stock.adobe.com

Nach der ersten Verhandlungsrunde hatte sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) noch zuversichtlich geäußert und mit einem "guten Abschluss" gerechnet. Drei Monate später hat sich die Situation um 180 Grad gedreht – der "Worst Case" tritt ein. Arbeitgeber und Gewerkschaft konnten sich auf keinen neuen Tarifvertrag für das Maler- und Lackiererhandwerk einigen. Auch die Schlichtung brachte kein Ergebnis.

Wie der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz mitteilt, habe man für 2023 und 2024 eine insgesamt rund siebenprozentige Erhöhung sowie eine steuer- und abgabenfreie Einmalzahlung in Höhe von 1.150 Euro geboten. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Markus Heineke, sagt: "Man darf nicht vergessen, dass dies pro Beschäftigten rund 5.000 Euro mehr bedeutet hätte." Der IG BAU wirft Heineke vor, "vollkommen unrealistische Annahmen" über die Märkte zu haben.

IG BAU: "...dann ist das hier nicht mal Dumping"

Die Gewerkschaft legt eine andere Rechnung vor. Aufs Jahr gerechnet hätte das Angebot der Arbeitgeber den Beschäftigten nur rund 2,7 Prozent mehr Lohn eingebracht. "Eine Frechheit", sagt Carsten Burckhardt, Verhandlungsführer auf Arbeitnehmerseite.

Der Tarifvertrag im Maler- und Lackiererhandwerk war bereits Ende Mai 2022 ausgelaufen. Eine Lohnerhöhung für die sieben Monate bis Ende dieses Jahres hätten die Arbeitgeber nicht angeboten. Stattdessen sollte es eine Sonderzahlung in Höhe von 500 Euro geben. Ab Januar 2023 boten die Arbeitgeber für zwölf Monate ein Plus von fünf Prozent und ab Januar 2024 noch einmal ein Plus von zwei Prozent an. "Bei aller Liebe, bei solch einem Reallohnverlust kann ich keinen Abschluss verantworten. Wenn man sich mal so umschaut, was es derzeit in anderen Branchen an Abschlüssen gibt, dann ist das hier nicht mal Dumping", so Burckhardt.

Kein neuer Tarifvertrag für Maler und Lackierer: Die Auswirkungen

Für alle Mitglieder der IG BAU, die in tarifgebundenen Betrieben arbeiten, gelte nun der alte Tarifvertrag weiter. Westdeutsche Facharbeiter im Maler- und Lackiererhandwerk erhalten demnach 17,51 Euro pro Stunde, ostdeutsche Fachkräfte 16,88 Euro. Für alle anderen und bei Neueinstellungen greife nur noch der gesetzliche Mindestlohn, so die IG BAU. Auch der Branchenmindestlohn findet keine Fortsetzung. "Das ist besonders schlimm, denn jetzt werden die Arbeitnehmerüberlassungen wieder ihr Geschäft wittern", sagt Burckhardt.

Die zuständige Bundesfachgruppe in der IG BAU und der Bundesvorstand wollen sich in den nächsten Wochen über das weitere Vorgehen beraten. Der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz auf Arbeitgeberseite teilte mit, man wolle nun mit den Landesinnungsverbänden erörtern, ob eine eigene Tarifempfehlung ausgesprochen werden soll. fre