Die Maler- und Lackierer-Innung Rhein-Main und die Frankfurt University of Applied Sciences haben den neuen dualen Ausbildungsweg Maler und Lackierer plus Studium des Bauingenieurwesens ins Leben gerufen.
Frank Muck

Die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main und die Frankfurt University of Applied Sciences haben einen neuen dualen Ausbildungsweg ins Leben gerufen: eine Ausbildung zum Maler und Lackierer in Verbindung mit einem Bauingenieur-Studium.
Die Kooperation ist Teil einer Ausbildungsoffensive der Innung. Die Frankfurt University of Applied Sciences baut ihr duales Studienangebot im Bereich Bauingenieurwesen um die Ausbildungsberufe Maler und Lackierer aus. Felix Diemerling, Geschäftsführer der Innung, wirbt für den neuen Studiengang: "Die Arbeitsmarktsituation ist extrem günstig. Es werden deutlich mehr Bauingenieure gesucht als zur Verfügung stehen." Gerade im Handwerk könnten viele verantwortungsvolle und gut bezahlte Stellen mangels geeigneter Bewerber nicht besetzt werden.
Auch für die Betriebe ein Gewinn
Auch Prof. Gunnar Santowski, Studiengangleiter, sieht gute Chancen für Absolventen: "Das Studium stellt eine fundierte und praxisorientierte Ingenieursausbildung dar, die die jungen Studierenden in Kombination mit der Ausbildung zu vielgefragten Personen in der Bauwirtschft macht."
Voraussetzung für den neuen Ausbildungsweg ist das Abitur oder Fachabitur. Nach Abschluss des Studiums können die Absolventen sofort ins Berufsleben einsteigen.
Nach Auskunft der Innung ist das Konzept auch für die Betriebe ein Gewinn. Sie sollen letztlich von neuen Fährungskräften profitieren. "Leistungsstarke, zielorientierte und hochmotivierte junge Menschen" sollten an den Betrieb gebunden und für spätere Führungsaufgaben akquiriert werden.
Anbieten können das duale Studium alle zur Ausbildung berechtigten Betriebe – auch außerhalb des Innungsbezirks. Zusätzlich zum normalen Ausbildungsvertrag schließen der Ausbildungsbetrieb und der Lehrling eine Zusatzvereinbarung ab, die die Ausbildung im Rahmen des dualen Studiengangs Bauingenieurwesen regelt.
"Die Betriebe profitieren von neuen Führungskräften"
Felix Diemerling, Geschäftsführer der Maler- und Lackierer-Innung Rhein-Main, zum dualen Studium Maler und Bauingenieur
DHZ: Herr Diemerling, was ist der Hintergrund für diese neue Ausbildung?
Diemerling: Wir haben in der Branche schon einen großen Bedarf an Führungskräften. Fachkräfte, die gleichzeitig betriebswirtschaftliche Kenntnisse und technisches Wissen vorweisen können, sind Mangelware. Uns war es deshalb wichtig, Abiturienten eine Ausbildung mit langfristiger Perspektive anbieten zu können.
DHZ: Warum sollte denn jemand an ein Bauingenieurstudium noch eine Ausbildung dranhängen?
Diemerling: Das Konzept sieht vor, dass die Lehrlinge parallel zur Ausbildung studieren. Damit wollen wir für Abiturienten attraktiver werden. Selbst wenn ein Absolvent am Ende nicht in einer Malerfirma tätig ist, ist das Studium ein hervorragender Ausgangspunkt, um in der Bau- und Ausbaubranche zu arbeiten. Bauleiter haben oftmals große Defizite, wenn es um die Planung und Koordination der Arbeiten auf der Baustelle geht. Eine solche praxisorientierte Ausbildung kann dieses Know-how verbessern.
DHZ: Sowohl die Bauingenieure als auch die Maler und Lackierer beklagen Nachwuchsmangel. Warum sollte sich das mit solch einem Angebot plötzlich ändern?
Diemerling: Ich glaube, dass eine Ausbildung, die mit einem Studium gekoppelt ist, deutlich attraktiver ist. Sie lässt mehr Karrieremöglichkeiten offen, verknüpft praktisches und theoretisches Arbeiten und ein Studium muss nicht zusätzlich an die Lehre angehängt werden.
DHZ: Fraglich bleibt aber, ob Betriebe eine solche Ausbildung unterstützen. Schließlich fehlt der Lehrling an zwei bis vier Tagen pro Woche.
Diemerling: Der Auszubildende beginnt normalerweise die Ausbildung im August. Bis April des darauf folgenden Jahres ist er Vollzeit im Betrieb. Blockunterricht in der Berufsschule gibt es ja nicht. Ab April steigert sich die Präsenz an der Hochschule langsam von zwei Tagen an aufwärts. Auch danach gibt es viele Phasen, wo der Lehrling wochenlang nur im Betrieb ist. Die Unternehmen profitieren außerdem von neuen Führungskräften. Wir erarbeiten derzeit mit den Betrieben ein Traineeprogramm, damit die Studenten ihnen erhalten bleiben.
Dualer Studiengang Bauingenieurwesen
Gliederung in zwei Abschnitte, Regelstudienzeit für das gesamte Studium inklusive Ausbildung: neun Semester
Erster Abschnitt
- Gewerbliche Berufsausbildung als Maler und Lackierer in einem Ausbildungsbetrieb,
- Dauer: 30 Monate mit Gesellenprüfung durch die Maler- und Lackierer-Innung Rhein-Main
- Parallele Aufnahme des Studiums an der Frankfurt University of Applied Sciences
Zweiter Abschnitt
- Studium des Bauingenieurwesens mit dem Abschluss „Bachelor of Engineering (B.Eng.)“
- Dauer: Vier Studiensemester mit Anfertigung einer Bachelor-Arbeit
