Unternehmensführung -

Besser kommunizieren Lust statt Frust: Wie Sie im Betrieb erfolgreich diskutieren

Mit dem Kollegen, dem Chef oder dem Lieferanten – überall, wo Menschen aufeinander treffen, wird kommuniziert. Häufig leider aneinander vorbei. Erfolgreich zu diskutieren kann aber jeder lernen. Warum man dafür keine Gesten einstudieren muss und wie Betriebe ihre Kommunikationsstruktur verbessern, verrät Rhetoriktrainer Michael Ehlers im Interview.

DHZ: Herr Ehlers, wie wichtig ist eine gute Diskussionskultur in kleinen und mittleren Betrieben?
Michael Ehlers: Dank meiner Beratungstätigkeiten sehe ich viele verschiedene Unternehmen und lerne dementsprechend viele verschiedene Diskussions- bzw. Streitkulturen kennen. Ich war vor kurzem mit einer Praktikantin bei einem weltweit bekannten Konzern, wo sie eigentlich Praktikum machen wollte und sofort ist uns eine kühle Stimmung entgegengekommen. Es war überhaupt nicht herzlich oder gastfreundlich.

Am darauffolgenden Tag waren wir bei einem anderen Konzern, wo uns das komplette Kontrastprogramm erwartete. Wir wurden schon beim Aussteigen empfangen, durch das Unternehmen geführt, von der Bereichsleiterin persönlich begrüßt. Mir fiel weiterhin positiv auf, dass sich die Mitarbeiter freuten, wenn ihre Chefin den Raum betrat. Sie waren nicht verschreckt oder ängstlich, sondern freuten sich kurz mit ihrer Vorgesetzen zu reden, die für alle ein offenes Ohr hatte. In welchem Unternehmen würde man lieber arbeiten?

DHZ: Ist diese Kommunikationskultur dann auch wichtig, um Angestellte zu finden?
Ehlers: Gerade in der heutigen Zeit, in der es immer schwieriger wird gutes, junges Personal zu finden, ist es sehr wichtig, eine positive Kommunikationskultur zu entwickeln. Das betrifft nicht nur große Konzerne, sondern natürlich auch Handwerksbetriebe. Vor diesem Hintergrund ist es sehr wichtig, eine erfolgreiche Diskussions- und Kommunikationskultur zu schaffen.

DHZ: In welchen Bereichen im Unternehmen sind Diskussionen nötig und wo vielleicht auch nicht?
Ehlers: In eigentlich allen Bereichen sind Kommunikation und Diskussion hilfreich. Schon beim Einstellungsgespräch zeigt sich, ob sich beide Parteien im Vorfeld gut informiert haben und eine klare Kommunikationsabsicht verfolgen. Aber auch bei Kritikgesprächen ist eine Diskussionsstrategie sinnvoll. Weiterhin ist auch der Diskurs mit anderen Unternehmen oder zum Beispiel Lieferanten essentiell für eine gute Beziehungsebene.

Richtiges Feedback geben ist wichtig

DHZ: Wie kann man hochkochenden Emotionen begegnen?
Ehlers: Bei Diskussionen ist es grundsätzlich wichtig, professionelles Feedback zu geben und zu nehmen und dies ist lernbar. Um Eskalationen zu vermeiden, ist es wichtig, stets ruhig und freundlich zu bleiben. Des Weiteren ist eine offene Körpersprache wichtig. Schauen Sie Ihrem Gegenüber direkt in die Augen, um zu verdeutlichen, dass Sie es ernst meinen. Verwenden Sie außerdem die Ich-Perspektive "Ich habe den Eindruck, dass Sie...". Dadurch zeigen Sie, dass es auch andere Sichtweisen gibt. Zeigen Sie sich fehlbar und schaffen Sie Identifikationsmerkmale, indem Sie eigene Schwächen einräumen. Zudem ist es wichtig, dass Sie klar, verbindlich und knapp sprechen. Vermeiden Sie Konjunktive oder "man müsste das ja mal machen". Beginnen Sie beim Feedback mit den positiven Aspekten und üben Sie dann konstruktive Kritik. Achten Sie des Weiteren darauf, Negatives positiv zu formulieren.

DHZ: Wie wichtig ist die Körpersprache, um überzeugend zu diskutieren?
Ehlers: Bei der Körpersprache ist es vor allem wichtig, authentisch zu wirken, daher ist es nicht unbedingt empfehlenswert bestimmte Gesten und Mimiken einzustudieren.

Bezüglich der Körpersprache unterscheiden wir drei Bereiche, die durch den Bereich unserer Hände definiert werden. Wir unterscheiden den oberen, mittleren und niederen Körperbereich. Diese Bereiche sind unterschiedlichen Aussagen zugeordnet. Habe ich es mit positiven, mit neutralen oder mit negativen Aussagen zu tun?

Der positive Bereich ist alles brustaufwärts. Argumentieren wir sachlich, bleiben die Hände im Regelfall in der Mitte, circa auf der Höhe des Bauchnabels. Diese Art der Körpersprache muss man nicht trainieren, es passiert intuitiv. Allerdings gibt es auch gesteuerte Gesten, wie beispielsweise eine Zeigegeste nach oben. Ich empfehle eine Mischung aus natürlichen und punktuell gesetzten Gesten.

DHZ: Haben Sie weitere Tipps für eine gelungene Diskussion, von der ein Unternehmen profitiert?
Ehlers: Es ist wichtig, über die vorgenommenen Diskussionsmaßnahmen zu reflektieren. Dies kann beispielsweise mithilfe von Workshops stattfinden. Der zweite Konzern, den ich am Anfang erwähnt habe, hat großen Wert daraufgelegt, die Soft Skills der Mitarbeiter insbesondere durch Kommunikationstrainings zu fördern. Ich habe dort keinen einzigen Mitarbeiter getroffen, der keine ausgezeichneten kommunikativen Fähigkeiten besessen hat. Dies verdankten sie ihrem Training. Der Konzern ist einer der schlagkräftigsten und profitabelsten im deutschsprachigen Raum und das liegt vor allem daran, dass sie ihre kommunikative Strategie überarbeitet haben.

Die richtigen Kommunikationsmaßnahmen für den eigenen Betrieb umsetzen

DHZ: Wie kann man denn eine erfolgreiche Diskussionskultur im Betrieb implementieren?
Ehlers: Zuerst muss der Ist- und Soll-Zustand der aktuellen Diskussionskultur betrachtet werden. Dies geschieht am besten in Begleitung eines Kommunikationsprofis. Dieser hat einen neutralen Blick auf die Kommunikation und kann sofort sein Feedback geben. Zudem ist es wichtig, die Mitarbeiter in diesen Prozess miteinzubeziehen. Was haben sie für Wünsche und Verbesserungsvorschläge? Welche Ziele sollen mithilfe der Diskussionskultur erreicht werden? Wie kann dies realistisch umgesetzt werden?

DHZ: Und welche Schritte folgen dann?
Ehlers: Anschließend werden Regeln und Maßnahmen entwickelt und deren Erfolg beobachtet.

Es ist hierbei extrem wichtig, die Verbesserungsvorschläge von Mitarbeitern zu honorieren. So kann eine Fehlerkultur entstehen, bei der Mitarbeiter motiviert sind, Routinen zu hinterfragen. Dadurch steigt auch das Engagement für die Arbeit und die Bindung zum Unternehmen.

DHZ: Was müssen Chefs und was Angestellte beachten?
Ehlers: Die Implementierung der Diskussionskultur kann nicht von einem Angestellten allein durchgeführt werden. Der Chef muss das Thema aktiv angehen und mit gutem Beispiel vorangehen. Im besten Fall lässt er sich selbst coachen. Die Mitarbeiter werden nachziehen, wenn sie in den Prozess miteinbezogen werden und selbst Regeln erstellen, die nicht von einer außenstehenden Person diktiert werden.

Michael Ehlers ist Rhetoriktrainer und trainiert seit zwei Jahrzehnten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Manager und Profi-Sporttrainer. Dass er die Kunst der Rhetorik beherrscht, zeigt er als Moderator von Großveranstaltungen. Mit seinem Institut Michael Ehlers unterstützt der Social-Media-Experte die Unternehmenskommunikation bei seinen Kunden. In seinem Buch "Rhetorik: Die Kunst der Rede im digitalen Zeitalter" erklärt er, wie moderne Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung funktioniert.

In eine andere Rolle schlüpft Ehlers mit seiner Kunstfigur "Hein Hansen": Der Fischverkäufer transferiert sein Wissen über Motivation, das er auf den Fischmärkten der Welt kennengelernt hat, in alle wesentlichen Bereiche. Mit "Der Fisch stinkt vom Kopf" hat er dazu passend einen Buch geschrieben.

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