Fluggesellschaft bezahlte fast vier Jahre lang Rechnungen für Imagefilme Lufthansa fordert 2,4 Millionen Euro Schadenersatz von Filmemacher

Mit einer bizarren Schadenersatzklage in Millionenhöhe befasst sich am Mittwoch (22. Juni, 12.30 Uhr) das Arbeitsgericht Frankfurt am Main. Die Lufthansa fordert 2,4 Millionen Euro von einem Filmemacher, den sie über Jahre hinweg irrtümlich bezahlte. Der Fall wirft auch Fragen nach dem Controlling des Konzerns auf.

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Lufthansa fordert 2,4 Millionen Euro Schadenersatz von Filmemacher

Frankfurt/Main (dapd). Mit einer bizarren Schadenersatzklage in Millionenhöhe befasst sich am Mittwoch (22. Juni, 12.30 Uhr) das Arbeitsgericht Frankfurt am Main. Die Lufthansa fordert 2,4 Millionen Euro von einem Filmemacher, den sie über Jahre hinweg irrtümlich bezahlte. Der Fall wirft auch Fragen nach dem Controlling des Konzerns auf.

Am Anfang des kuriosen Falls steht Doris W. Um ihren Lebensgefährten zu beeindrucken, verschafft die damalige Lufthansa-Angestellte im Herbst 2006 Markus Z. einen fingierten Beratervertrag. Dabei bleibt es nicht. Schon bald soll der heute 37-Jährige für das Bordprogramm der Lufthansa kurze Werbefilme über alle Destinationen der Airline drehen, ein Projekt mit einem riesigen Auftragsvolumen. "Den Beratervertrag hatte sie frei erfunden, aber von dem Dreh der Filme hatte die Lufthansa Kenntnis", sagt der Anwalt von Markus Z., Marko Spänle. Sein Mandant sei von einer ordnungsgemäßen Beauftragung durch die Fluggesellschaft ausgegangen.

Markus Z. legt mit seiner Produktionsfirma richtig los, mietet weitere Büroräume an, stellt Leute ein. Die Mitarbeiter und er jetten durch die ganze Welt. Für die Imagefilme heimst er sogar Preise auf Festivals in Cannes und Hamburg ein. Fast vier Jahre lang zahlt die Lufthansa Rechnungen in Höhe von etwa 2,4 Millionen Euro. Zudem absolvieren Z. und seine Mitarbeiter in diesem Zeitraum 154 Flüge für mehr als 600.000 Euro auf Kosten der Lufthansa.

Doch im September 2010 tauchen die Ermittler bei Z. zu Hause auf und durchsuchen seine Wohnung. Die Lufthansa hatte Doris W. fristlos gekündigt und Strafanzeige gestellt, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue gegen die Chefassistentin der Kommunikationsabteilung.

Die Ermittler halten Z. allerdings für nicht ganz so arglos, wie er selbst und sein Anwalt es glauben machen wollen. "Es ist noch nicht erwiesen, inwieweit er in die Sache verstrickt ist", sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Gut zwei Wochen sitzen W. und ihr Lebensgefährte damals in Untersuchungshaft, bevor sie wieder auf freien Fuß kommen.

Anwalt Spänle ist sich sicher, die Unschuld seines Mandaten belegen zu können. Dem Arbeitsgericht hat er zahlreiche Unterlagen mit Schriftverkehr zukommen lassen. Sie sollen beweisen, dass die Lufthansa über die Aufträge für Z. Bescheid wusste. Die Mails sollen Indizien für die Arglosigkeit seines Mandaten sein, denn einen offiziellen Auftrag hat Z. von der Lufthansa nie erhalten.

Schwere Vorwürfe erhebt Spänle gegen die Rechnungsabteilung der Lufthansa und den damaligen Vorgesetzten von Doris W. "Mein Mandant saß schon in Untersuchungshaft, da bekam er immer noch Mails, er solle ausstehende Rechnungen einreichen", sagt der Anwalt. Der Vorgesetzte von W. sei zudem für die 154 kostenlosen Flüge verantwortlich gewesen und habe sich in einer eidesstattlichen Versicherung selbst widersprochen.

Die Lufthansa hält sich mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren bedeckt und sagt zu ihrem Controlling nur: "Hier wurde mit großer krimineller Energie vorgegangen, damit kann man jedes Controlling überwinden." Allerdings wurden die offiziell nie in Auftrag gegebenen Imagefilme tatsächlich gedreht, Passagiere der Lufthansa werden sie vermutlich aber nie sehen.

dapd