Tarifrunden in der Wirtschaftskrise Lohnverzicht aus "betriebswirtschaftlicher Sicht" vernünftig

Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände, Dieter Hundt, hält vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise in der kommenden Tarifrunde Forderungen nach Lohnkürzungen aus "rein betriebswirtschaftlicher Sicht" für eine "vernünftige Möglichkeit".

BDA-Praesident Dieter Hundt fordert Gewerkschaftschefs zur Mäßigung auf. Foto: ddp

Lohnverzicht aus "betriebswirtschaftlicher Sicht" vernünftig

Mit Blick auf die Tarifabschlüsse im ersten Halbjahr 2009 sagte Hundt weiter, dass diese angemessen und moderat ausgefallen seien. Dabei stehe die tarifpolitische Vernunft "in auffälligen Gegensatz zur Kampfrhetorik einiger Gewerkschaftsführer". Diese passe nicht zu der vernünftigen Tarifpolitik. Daher fordere er einige Gewerkschaftschefs zur Mäßigung auf.

Die Abschlüsse sehen seinen Angaben zufolge moderate Lohnsteigerungen zwischen 0 und 2,5 Prozent vor. Dabei gebe es starke Unterschiede zwischen den exportorientierten und den auf den Binnenmarkt ausgerichteten Wirtschaftsbereichen. Zudem seien die Folgen der Rezession oftmals durch sogenannte Nullmonate und Einmalzahlungen gemildert, wobei gerade letztere oftmals noch durch betriebliche Vereinbarungen an die wirtschaftliche Situation der Betriebe angepasst werden könnten.

Zugleich kritisierte Hundt die zunehmenden Aktivitäten von Spartengewerkschaften sowie die gegensätzlichen Urteile der Gerichte zur Tarifautonomie. "Wir wollen keine Zersplitterung des Tarifsystems", sagt er. Die Arbeitgeber müssten vor Streiks in der Tariflaufzeit sicher sein. Insgesamt gebe es zu diesem Thema ähnliche Ansichten bei den Gewerkschaften, mit denen dazu bereits gesprochen worden sei.

Trotz der anhaltenden wirtschaftlichen Belastungen rechnet Hundt nicht mit einem Anstieg der Erwerbslosenzahl auf vier Millionen in diesem Jahr. 2010 sei allerdings wegen zahlreicher Unsicherheiten schwer zu prognostizieren.

ddp