Arbeitsschutz Logistik: Sicher in der Lagerhalle

Über 12.000 Unfälle passieren pro Jahr in Lagerhallen. Schon kleine Macken gefährden die Sicherheit. Betreiber können durch regelmäßige Inspektion vorbeugen.

Michael Sudahl

Mit jährlichen Regalprü­fungen und regelmäßiger Sichtkontrolle werden Lagerbetreiber ihren Pflichten gerecht. - © Foto: Schulte ­Lagertechnik

Ein großes Lager kann Kosten- und Wettbewerbsfaktor gleichermaßen bedeuten. Betriebe, die Mindestbestände vor Ort haben, reagieren schneller, wenn ein Auftrag kommt. Um Lagerhallen für Mitarbeiter und Material möglichst sicher zu gestalten, sind regelmäßige Inspektionen notwendig. Kontrollen können Handwerker selbst durchführen oder an Externe auslagern.

Der Schreinereibetrieb Dreier Innenraumlösung in Iffezheim setzt auf große Lagerflächen. "Unsere Mitarbeiter haben innerhalb des fast vollständig automatisierten Lagers wenig Kontakt zu Material und Regalen. Das erhöht Produktivität und Sicherheit", erläutert Dominik Fallert. Der Sohn des Schreinermeisters und Inhabers Daniel Fallert ist zuständig für Marketing und Vertrieb.

Jährliche Prüfung

In den Lagerhallen liegen vorproduzierte Teile für die hauseigene Möbel-Kollektion genauso wie Standardplatten und Beschläge. Sicherheit ist dem Handwerksbetrieb wichtig. Mindestens jährlich lässt der Handwerksbetrieb seine Regale und Systeme überprüfen. "Wir beziehen unsere Systeme von einem Spezialisten für Handlingsysteme. Mit diesem Zulieferer haben wir einen Rahmenvertrag für Wartung und Service, in dem die routinemäßige Inspektion drin ist", erläutert Fallert.

Und das ist auch richtig so, denn wer ein Lager betreibt, ist für die Sicherheit der Mitarbeiter zuständig. Diese ist durch eine Vielzahl an Vorschriften und Normen reguliert. Der TÜV Süd empfiehlt, Regalanlagen gemäß den Bestimmungen der DIN EN 15635 zu errichten und überprüfen zu lassen. Im Schadensfall kann sonst der Lagerbetreiber haftbar gemacht werden. Mehr als 12.000 Unfälle in Lagerhallen registrieren die Berufsgenossenschaften pro Jahr. Die Dunkelziffer liegt nach ihren Schätzungen weit darüber. Aus Angst vor den Folgen melden Mitarbeiter oft nicht, wenn an Stützen und Streben Macken entstehen.

Regelmäßige Sichtprüfungen

Doch die Tragfähigkeit der Regale nimmt mit jeder Beule oder Delle ab. Immer wieder ereignen sich Unfälle, wenn beschädigtes Lagerinventar der Belastung nicht mehr standhält. Eine jährliche Regalinspektion durch eine befähigte Person ist deswegen Pflicht. Außerdem sollte der Lagerbetreiber regelmäßig eigene Sichtprüfungen durchführen. "Am besten einmal pro Woche", rät Verkaufsleiter Carl-Josef Lohse vom Regalhersteller Vogelsang Lagertechnik.

Zehn Tipps für ein sicheres Lager

  1. Lager nach DIN EN 15635 einrichten und umbauen
  2. Jährliche Überprüfung durch geprüften Regalinspekteur
  3. Reparatur und Austausch nur durch Fachbetrieb; Bestenfalls mit dem Hersteller Kontakt aufnehmen. Sonst droht Entzug der Gewährleistung
  4. Eventuell Sichtprüfung und jährliche Inspektion an externen Dienstleister auslagern, das kann Aufwand und Kosten sparen
  5. Regelmäßig eigene Sichtprüfung auf Macken
  6. Mitarbeiter sensibilisieren, Schäden schnell zu melden
  7. Ab Arbeitshöhe von einem Meter Mitarbeiter durch Gurte und Sicherungssysteme schützen
  8. Bergungshilfen bereithalten
  9. Mitarbeiter in Sicherheitsfragen und in der Handhabung von Systemen schulen
  10. Externen Rat zu Sicherheitsmaßnahmen einholen und präventiv tätig werden

Von der Logistik bei Seifert Logistics können sich Handwerksbetriebe in Sachen Lagermanagement noch einiges abschauen: Logistikdienstleister Seifert mit 18.000 Quadratmetern Lagerfläche am Hauptsitz Ulm gibt Sicht- und Regalprüfungen an einen externen Dienstleister. "Wir wollen sichergehen, dass das Berichtswesen nicht durch unser Budget oder die Interessen der Verantwortlichen beeinflusst wird", sagt Volker Pfeiffer, Qualitäts- und Schadensmanager bei Seifert Logistics. Einen Bericht, der keine Schäden auslässt und den Zustand der Einrichtung nicht beschönigt, erhält Pfeiffer jeden Monat. Etwaige Mängel beseitigt dann ein Fachbetrieb .

Denn selbst auszutauschen, zu schweißen oder zu verschrauben, erlaubt die DIN EN 15635 nicht. "Sonst erlischt außerdem die Gewährleistung durch den Hersteller", gibt Lagertechnik-Spezialist Lohse zu bedenken. Idealerweise kontaktiert der Kunde den Hersteller oder Händler.

Auf dem neuesten Stand

Auch wenn die gesetzliche Garantiezeit abgelaufen ist, rät Lohse zu diesem Vorgehen. "Das kann auch mal ein paar Euro mehr kosten, denn die Qualität eines Fachbetriebs ist immer teurer, als wenn man selbst flickt", weiß der Verkaufsleiter. Dennoch lohne sich die Investition spätestens im Schadensfall. Indem das Ulmer Unternehmen alle Sicherheitsinspektionen extern vergibt, stellt die Seifert Gruppe sicher, dass die Fachleute, die monatlich prüfen, stets einsatzbereit und auf dem neuesten Wissensstand sind. "Eigene Leute müssten wir weiterbilden und ersetzen, wenn sie ausfallen", erläutert Pfeiffer seine Strategie.

Investiert hat Seifert Logistics zusätzlich in IT-Unterstützung. In den Ulmer Hallen lagern etwa Verpackungsmaterialien und Glasscheiben für Busse. Ein Lagerleitsystem berechnet bei jedem Vorgang, ob die Tragfähigkeit des Regals weiterhin gewährleistet ist, und warnt, wenn das zulässige Höchstgewicht erreicht ist.