Mitwachsende Lagersysteme und eine Google-Glass-Datenbrille: Die Fachmesse LogiMAT hat auch für das Handwerk Interessantes zu bieten.
Michael Sudahl

Förderbänder, Datenbrille und Packsysteme – die 15. LogiMAT ist nichts für Handwerker. Auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch deutlich: Der Branchentreff für Logistiker und Handhabungstechniker vom 14. bis 16. März 2017 in Stuttgart bietet durchaus Interessantes für Maurer, Bäcker und Installateure. Ein Rundgang:
Handwerker finden in den Hallen 1, 3 und 5 eine Menge Regalbauer sowie Lager- und Betriebseinrichter. Die größte Aussteller-Gruppe ist im digitalen Zeitalter angekommen. Im Zentrum: Kommissionier-Systeme, gepaart mit virtueller Intelligenz. Die 3D-Matrix von SSI Schäfer (Halle 1, Stand 1D21) etwa übernimmt den Warentransport im Lager autonom. Neu ist auch eine patentierte Fördertechnik von Quick Move (Halle 1, Stand 1J80). Sie zeigt, dass eine dreidimensionale Förderstrecke ohne Übergabe an andere Systeme möglich ist.
Fahrerlose Stapler und Hubwagen
Ein mitwachsendes Lagersystem präsentiert wiederum Kardex Remstar in Halle 1 (Stand 1H51). Der Hersteller zeigt, wie Robotersysteme Warenein- und -ausgang, Lager und Kommissionierung vernetzen. Intelligent sind die Systeme, weil sie mitwachsen. Handwerker mit E-Commerce-Ambitionen sollten sich hier umschauen. In Halle 3 finden Messebesucher vor allem vollautomatisierte Materialflüsse. Hersteller Blume (Stand 3B77) präsentiert den Linearsorter BLUsort, gekoppelt an ein fahrerloses Transportsystem. Es eignet sich für Behälter und Kartonagen mit einem Gewicht bis 31,5 kg.
Mehr fahrerlose Stapler und Hubwagen rauschen durch die Hallen 6, 8 und 9. Toyota (Stand 6F05 und 6F15) zum Beispiel kommt mit einem Elektro-Hochhubwagen, Schubmaststapler sowie Hubgerüsten auf die Leistungsschau. Ihren "Flipper" präsentiert MK-Lietz in Halle 9 (Stand 9D64), ein Transportwagen mit Elektroantrieb. Zwei Spurräder ermöglichen einen Drehpunkt in der Mitte des Transporters und damit 360-Grad-Drehungen. Vor allem auf engem Raum sehr geschickt. Nutzlast: eine Tonne.
Standard-Apps optimieren die Transportlogistik
Eine Innovatoren-Gruppe seit der ersten LogiMAT sind Entwickler von Logistiksoftware. Sie sind mit ihren Modulen und Funktionsumfängen für effiziente Prozesse, Datennetze und Informationsverarbeitung in Halle 5 sowie in Halle 7 vertreten. Im Fokus: Mobile Features. Die Schweizer Nufatron AG (Halle 7, Stand 7C44) stellt modulare Telematik vor: Transpo-Drive ist für kleine und mittlere Betriebe gedacht.
Daten und Fakten
Die 15. LogiMAT belegt das komplette Stuttgarter Messegelände, das direkt an den Flughafen und die Autobahn 8 angrenzt. Vom 14. bis 16. März dauert der diesjährige Logistiktreff. 1.280 Aussteller präsentieren Neuheiten der Digitalisierung und Prozesseffizienz in der Intralogistik. 31 Fachforen mit mehr als 100 Referenten, Live-Events sowie aktuelle Trendstudien locken wahrscheinlich wieder Zehntausende (rund 43.500 Besucher kamen im Jahr 2016) in die acht Messehallen. Tageskarten gibt es für 28 Euro: logimat-messe.de
Standard-Apps helfen, die Transportlogistik zu optimieren. Auftragsübermittlung, Lkw-Navigation und Unterschriften sowie ein Fotomodul sollen die tägliche (Liefer-)Arbeit erleichtern, indem Arbeitsschritte verknüpft und übersichtlich abgebildet werden. Die Google-Glass-Datenbrille gibt es bei Cinram (Halle 7, Stand 7F18) zu sehen. Wer sie aufsetzt, kann besser eilige Aufträge in einen Kommissionier-Prozess einschleusen. Die Hallen 4 und 6 sind belegt von Anbietern für Kennzeichnungs- und Identifikationstechnik sowie Verpackungs- und Handlingsystemen.
Informationsverarbeitung und Effizienz im Vordergrund
Auch dort stehen Informationsverarbeitung und Effizienz im Vordergrund. Easypack (Halle 4, Stand 4B41) zeigt mit der Packstation-TM ein kompaktes Arbeitsplatzsystem, das sich individuell anpassen lässt. Das Luftkissen-Füllsystem Airmove 2, bei dem nicht Druckluft, sondern Strom aus der 230-V-Steckdose das Gebläse für die Kissen betreibt, ist eine Neuheit von BVS Verpackungs-Systeme (Halle 4, Stand 4A10 und 4A20). Der Umwelt zuliebe: Das System nutzt recycelbare Folien und ist zum Füllen, Fixieren und Polstern vorverpackter Produkte geeignet.
Fazit: Ein LogiMAT-Besuch lohnt sich insbesondere für Handwerker, die von der Industrie lernen wollen. Zu sehen sind vor allem vollautomatisierte und überwachte Arbeitsschritte, Robotertechnik als Helfer und Software als Prozessoptimierer. Auch wenn die zu bestaunenden Angebote oft einen Tick zu groß für Handwerker sind, können kleinere Lösungen am Stand diskutiert werden. Womöglich werden sie dadurch attraktiver - und damit bezahlbar.