Unabhängig davon, ob sich die deutsche Wirtschaft in eine Krise befindet oder nicht: Unternehmer sollten ihre betriebswirtschaftlichen Zahlen immer im Blick haben. Rechtsanwalt Alexander Eggen nennt im DHZ-Interview drei Auslöser für finanzielle Schwierigkeiten und wie sie vermieden werden können.

Haben Sie Hinweise darauf, dass sich Unternehmen vermehrt in finanziellen Schwierigkeiten befinden?
Noch nicht. Es gab ja schon das Corona-Paradoxon, als man mit einer Insolvenzwelle gerechnet hat. Das scheint sich in Teilen mit dem Ukraine-Krieg fortzusetzen. Mein Eindruck ist jedoch, dass viele der Meinung sind, dass die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt ist – ein Trugschluss – und angesichts der staatlichen Hilfen und Unterstützungsprogramme nicht realisieren, in welcher finanziellen Lage sie sich befinden. Dabei spielt natürlich auch die Unternehmensgröße eine Rolle. Ein kleineres Unternehmen nimmt eine Krise anders wahr als ein Großunternehmen.
Es ist also ein Trugschluss, zu glauben, dass keine Insolvenz droht?
Ja, denn die Insolvenzantragspflicht ist nicht abgeschafft. Zwar gibt es bei Überschuldung seit Anfang November eine längere Frist zur Antragsstellung, die meisten Unternehmen sind jedoch zahlungsunfähig und bei Zahlungsunfähigkeit beträgt die Frist, innerhalb der ein Antrag gestellt werden muss, nach wie vor maximal drei Wochen.
Was können Unternehmer tun, damit es erst gar nicht so weit kommt?
Aus meiner Sicht sollten sie ihre Buchhaltung, die Fakturierung offener Forderungen und die Gewährleistungseinbehalte immer im Blick haben.
Was bedeutet das konkret?
Unternehmen lassen mitunter viel Geld liegen, weil sie der finanziellen Seite ihres Geschäfts zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Wird jedes Mal wenn ein Mitarbeiter vor Ort war und ein Aufmaß genommen hat, auch ein Angebot erstellt? Wird denn nachgefasst, wenn ein Kunde sich nicht meldet? Werden offene Forderungen konsequent eingetrieben? Bei wem kommen Rechnungen im Unternehmen wie an? Kommt auch jede Rechnung in der Buchhaltung an? Das alles mag bei guter Auftragslage kein Problem sein, aber wenn sich die Zeiten ändern schon.
Warum?
Dann gewinnt die Liquiditätsplanung enorm an Bedeutung. Oft höre ich: Wir brauchen jeden Monat soundsoviel Euro Umsatz und dann kommen wir mit den Kosten schon irgendwie hin. Sie müssen sich aber im Rahmen einer Liquiditätsplanung anschauen, was kommt wann rein, was ist wann wie fällig? Jetzt auch unter Berücksichtigung, dass Material-, Energie- und Spritkosten gestiegen sind, dass man Rücklagen bildet – für schlechtere Zeiten, aber auch für Investitionen.
Also kein "Das haben wir schon immer so gemacht"?
Das geht nur solange gut, bis sich ein Erfahrungswert elementar ändert oder wegbricht. Und das ist ja bei den Preissteigerungen derzeit der Fall. Außerdem müssen Unternehmen damit rechnen, dass Kunden in Zukunft nicht mehr zahlen können.
Wer sich also um seine Zahlen kümmert, seine Liquidität im Blick hat, seine Rechnungen zeitnah schreibt und Außenstände einfordert, verringert sein Risiko, in eine Schieflage zu geraten?
Ja, definitiv. Es wird vieles einfacher, wenn man der Krise frühzeitig entgegentritt. Und auch eine Insolvenz bedeutet schon lange nicht mehr, dass alles aus ist. Wichtig ist: Wenn ein Unternehmen Probleme hat, sollte es frühzeitig Hilfe in Anspruch nehmen.
