Mit spektakulären Plakataktionen haben am Montag Vertreter der Linken an sieben Orten in Mecklenburg-Vorpommern die angespannte Lohnsituation im Gastgewerbe kritisiert. In Stralsund installierten Aktivisten mit einem Schwerlastkran am Pylon der neuen Rügenbrücke in 40 Metern Höhe ein etwa 14 Meter großes Plakat mit der Inschrift "Ihnen einen schönen Urlaub! Der Kellnerin einen guten Lohn".
Linke startet Plakataktion an der Rügenbrücke
Stralsund (dapd-lmv). Mit spektakulären Plakataktionen haben am Montag Vertreter der Linken an sieben Orten in Mecklenburg-Vorpommern die angespannte Lohnsituation im Gastgewerbe kritisiert. In Stralsund installierten Aktivisten mit einem Schwerlastkran am Pylon der neuen Rügenbrücke in 40 Metern Höhe ein etwa 14 Meter großes Plakat mit der Inschrift "Ihnen einen schönen Urlaub! Der Kellnerin einen guten Lohn".
Weitere Plakat- und Flugblattaktionen gab es in Rostock, Wolgast und Waren sowie bei Wismar, Schwerin und auf der Meiningenbrücke zur Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Damit wolle man die zum Ferienstart anreisenden Urlauber auf die in Mecklenburg-Vorpommerns Tourismussektor gezahlten Billiglöhne aufmerksam machen, sagte der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi.
Die behördlich nicht angemeldete Aktion der Bundestagsfraktion der Linken führte nach Polizeiangaben zeitweilig zu Verkehrsbehinderungen zur Insel Rügen. Neben Gysi hatten sich unter anderen auch dessen Stellvertreter Dietmar Bartsch, Mecklenburg-Vorpommerns Landesvorsitzender Steffen Bockhahn, der Landtagsfraktionschef der Linken, Helmut Holter, sowie Rügens Landrätin Kerstin Kassner beteiligt.
Gysi sagte, die Lohnbedingungen im Gastgewerbe Mecklenburg-Vorpommerns, hätten ein Niveau "unter aller Würde" erreicht. Löhne von 700 Euro für Zimmermädchen und 1.100 Euro für Köche widersprächen allen Anstandsregelungen. Die sich immer mehr verschärfende Situation im Niedriglohnsektor führe zu einer Abwanderung von Fachkräften und zugleich zu Nachteilen der Binnenwirtschaft durch sinkende Kaufkraft in der Bevölkerung. Die Linke fordere daher ab 2013 einen flächendeckenden einheitlichen Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde.
Der Spitzenkandidat der Linken für die im September stattfindenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Holter, sagte, im Nordosten Deutschlands seien inzwischen 75 Prozent aller Jugendlichen im Alter unter 25 Jahren im Niedriglohnsektor beschäftigt. Nach Angaben von Landrätin Kassner wanderten immer mehr Fachkräfte wie Kellner, Hotelfachleute und Köche von Rügen zu Tourismusunternehmen in Österreich und in der Schweiz ab, weil die 2010 eingeführten steuerlichen Entlastungen der hiesigen Hotelbranche nicht bei den Beschäftigten angekommen seien. "Unsere Unternehmen können in diesem Sommer viele Stellen gar nicht mehr besetzen, weil Fachkräfte schlicht fehlen", sagte Kassner. Zudem blieben insgesamt 700 Lehrstellen im Gastgewerbe auf Rügen leer.
Nach einer von der Bundestagsfraktion der Linken verteilten Erklärung bleibt Mecklenburg-Vorpommern immer weiter hinter dem bundesdeutschen Lohndurchschnitt zurück. Demnach vergrößerte sich der Rückstand zum bundesdeutschen jährlichen Lohndurchschnitt von 8,31 Euro im Jahre 2000 auf 11,31 Euro im Jahre 2009. Nur in Mecklenburg-Vorpommern lägen die jährlichen Bruttolöhne und - gehälter unter 22.000 Euro, heißt es in dem Papier. Die von CDU und SPD gebildete Landesregierung nutze die niedrigen Löhne, um sie als Standortvorteil für Investoren anzupreisen.
Die Linke strebt bei den Landtagswahlen am 4. September wieder eine Koalition mit der SPD an.
dapd
