Partei strebt keine Regierungsbeteiligung an Linke-Spitzenkandidatin Vogt kämpft für ein zweistelliges Ergebnis

Kristina Vogt wohnt im Bremer Westen. Dass das etwas besonders ist, ist ihrem 15-jährigen Sohn vor kurzem aufgefallen. "Mama, du bis die einzige Spitzenkandidatin, die in einem sozial benachteiligten Stadtteil lebt", hat er ihr gesagt. Der Wohnort ist kein Zufall...

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Linke-Spitzenkandidatin Vogt kämpft für ein zweistelliges Ergebnis

Bremen (dapd-nrd). Kristina Vogt wohnt im Bremer Westen. Dass das etwas besonders ist, ist ihrem 15-jährigen Sohn vor kurzem aufgefallen. "Mama, du bis die einzige Spitzenkandidatin, die in einem sozial benachteiligten Stadtteil lebt", hat er ihr gesagt. Der Wohnort ist kein Zufall. Die 45-jährige Vogt, auf Listenplatz 1 der Linken bei der Bremischen Bürgerschaftswahl am 22. Mai, lebt seit 26 Jahren unter den Menschen, für die sie sich politisch engagiert: Hartz-IV-Empfänger, Arbeitslose, Menschen mit geringem Einkommen, Ausländer. Sie weiß, wo deren Schuh drückt.

Berührungsängste kennt sie nicht. "Ich habe auch keine Angst vor Frauen mit Kopftuch", betont sie. Mit wenig Geld auszukommen, das kennt sie als alleinerziehende Mutter. Als Rechtsanwaltsfachangestellte hat sie wegen ihres Sohnes immer nur als Teilzeitkraft gearbeitet und somit wenig Geld verdient. "Mein Sohn spielt Fußball, das treibt einen die Tränen in die Augen, wenn er wieder neue Schuhe braucht", sagt Vogt.

Seit ihrer Jugend ist Vogt politisch aktiv, in der Antikriegsbewegung und der Flüchtlingsarbeit. Später engagierte sie sich im Kindergarten und in der Schule ihres Sohnes. Seit Ende 2007 arbeitete sie zunächst als Parteilose im Stadtteil-Beirat mit, 2008 trat sie den Linken bei. Bereits Anfang 2010 wurde sie in den Landesvorstand der Partei gewählt. Zusammen mit dem 55-jährigen Klaus-Rainer Rupp, der auf Listenplatz 2 steht, bildet sie nun das Spitzenkandidaten-Team.

Ein steiler Aufstieg, den sie als Honorierung für ihre erfolgreiche Stadtteilpolitik sieht. Weil im Bremer Westen dringend eine weitere Schule benötigt wird, habe sie dort "die Sau durchs Dorf getrieben" und schließlich ein Umdenken in der Behörde erreicht. Es sei ihr wichtig, dass sozial benachteiligte Stadtviertel nicht abgehängt werden.

Bei der Bürgerschaftswahl vor vier Jahren waren die Linken erstmals in ein westdeutsches Parlament eingezogen. In der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden anschließend aber vor allem ihre Streitigkeiten. Es gab Machtkämpfe, die sich jüngst bei der Aufstellung der Kandidatenliste für die Bürgerschaftswahl zuspitzten. Sogar von Manipulation war die Rede. Mit sieben Abgeordneten waren die Linken 2007 gestartet, am Ende der Legislaturperiode sind es nur noch fünf. Als "heillos zerstrittene Truppe mit einem wirren Programm" bezeichnete Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) die Partei. Das sei nun vorbei, sagt Vogt. "Wir sind auf einem guten Weg, uns dauerhaft als soziale Kraft zu etablieren."

Dennoch will die Linke nicht in die Regierung. Das ginge nur gemeinsam mit der SPD, deren Agenda 2010 die Lebensbedingungen vieler drastisch verschlechtert habe. Eine Koalition mit den Sozialdemokraten sei deshalb "gegenüber unseren Wählern nicht verantwortbar", sagt Vogt. Lieber seien die Linken im Parlament das "Korrektiv". "Eine Demokratie braucht eine starke Opposition", betont Vogt. Die Linke lehnt den Sparkurs der rot-grünen Landesregierung ab, stattdessen fordert sie Millioneninvestitionen in sozialen Bereichen, finanziert durch Steuererhöhungen.

Beim Straßenwahlkampf bekämen die Linken nicht nur im Bremer Westen viel Zuspruch von den Menschen, sagt Vogt. Deshalb rechnet sie auch damit, das Ergebnis der letzten Wahl mit 8,4 Prozent der Stimmen toppen zu können. "Wir kämpfen für ein zweistelliges Ergebnis", sagt Vogt. Das entschädigt dafür, dass für die Hobbys "Parzelle, Werder und fotografieren" im Moment keine Zeit bleibt. "Die Parzelle ist dann im Juni richtig dran", sagt Vogt - nach der Wahl.

dapd