In der Ausbildung lernt jeder anders. Praxisnahe Tipps von Ausbildungsberater Peter Braune zeigen, wie Ausbilder auf individuelle Lerntypen eingehen und so Lernziele besser erreichen.

Lassen wir Wikipedia einmal unberücksichtigt, wo nachlesbar ist, wie die Wissenschaft das Thema Lerntypen behandelt und teilweise in seiner Anwendung und/oder Ablehnung bewertet.
Trotzdem gibt es Lerntypen, auch wenn das vielleicht nicht ganz wissenschaftlich ist. In der Praxis zeigt sich nämlich, dass Meisterinnen und Meister in der Ausbildung unterschiedliche Erfahrungen machen, wenn es um die Vermittlung der Lernziele aus dem betrieblichen Ausbildungsplan geht und wie Lehrlinge lernen. Manche lernen vorwiegend über Hören und Sprechen, andere können sich Inhalte besonders gut merken, wenn sie etwas selbst getan haben. Personenorientierte Lerntypen bevorzugen einen Ausbilder für sich alleine, während medienorientierte Lernende an technischen Zusammenhängen besonders interessiert sind. Letztendlich gibt es auch Mischformen.
Beispiele aus der betrieblichen Praxis
Eine Schreinermeisterin hat zum Beispiel einen Lehrling, der Arbeitsaufträge und Erklärungen, die sie ihm gibt, leicht versteht, gut zusammenfassen und auch über einen langen Zeitraum behalten kann. Sie nutzt diese Fähigkeiten, indem sie ihn häufiger kurze Vorträge halten lässt. Diese muss er vorbereiten, indem er die Informationen in eine sinnvolle Reihenfolge bringt. So spricht er den Lehrstoff laut aus und wiederholt die Inhalte. Um sein Interesse aufrechtzuerhalten, nutzt sie weiterführenden Input. Wichtige Informationen lässt sie ihn aufschreiben, sodass durch das Wiederholen eine Festigung erfolgt. Eine kurze Pause bewirkt bei ihm viel, daher schafft sie eine ruhige Lernumgebung.
Der visuelle Typ
Der Lehrling eines Kraftfahrzeugmeisters schaut sich die Tätigkeiten ab. Dann kann er solche, die mehrere Arbeitsschritte beinhalten, vollständig nacharbeiten, wiedergeben und ausführen. Für Tätigkeiten, die schwer einsehbar sind, nutzt der Lehrgeselle Erklärvideos. Diese sind für viele Themen leicht zu finden und werden oft von den Herstellern bereitgestellt. Im Betrieb werden auch Lernstrategien genutzt, die für visuelle Lerntypen hilfreich sind:
- Wiederholtes Anschauen von Medien, die besonders interessant sind.
- Erstellen einer Mindmap oder anderer optischer Hilfen zur Vorbereitung.
- Lesen und Schreiben der Inhalte in der Vorbereitung.
- Weiterführende Informationen einbeziehen, um das Interesse aufrechtzuerhalten.
- Lernzettel am Ausbildungsplatz aufhängen.
- Den Lernstoff in Abschnitte einteilen und mit merkfähigen Symbolen versehen.
- Möglichkeit zur Erstellung eigener Arbeitsmappen mit Bildern und Grafiken
Der kommunikative Typ
Auf einer Baustelle besorgt sich ein kommunikativer Lehrling die benötigten Informationen selbstständig aus dem Kollegenkreis. In der Berufsschule trifft er Lehrlinge aus anderen Betrieben, um gemeinsam zu lernen und sich auszutauschen. Er hört anderen zu, nimmt ihre Gedanken und Ideen auf, diskutiert mit ihnen und bringt dabei seine eigenen Gedanken ein.
Für den nächsten Unterrichtstag muss er einen Vortrag vorbereiten. Dafür stellt er die wichtigsten Informationen zusammen und bereitet sie auf. Zur Probe hält er den Vortrag vor seinen Eltern. Mit dieser Methode lernt er doppelt: durch das Zusammenstellen und das Wiederholen des Lernstoffes. Im Betrieb steht ihm eine größere Auswahl an Fachliteratur zur Verfügung. Beiträge und Interviews von Fachleuten, die zum aktuellen Lernziel passen, regen sein Denken an und vertiefen das Gelernte. Weiterführendes Material stärkt sein Interesse für das Thema. Durch zusätzliche inhaltliche Verbindungen merkt er sich die Lerninhalte besser und ist motivierter, das Lernziel zu erreichen.
Sein Ausbilder fordert ihn auf, beim Lernen auftretende Fragen aufzuschreiben und sie bei nächster Gelegenheit zu stellen, um den fachlichen Austausch zu fördern. Sehr gern unterstützt der Ausbilder das gemeinsame Lernen von Lehrlingen aus den ersten Lehrjahren mit den älteren. So können sie mit Personen arbeiten, die schon über Wissen verfügen. Auch die Arbeit in Lerngruppen ist empfehlenswert. Manchmal lädt der Ausbilder Menschen aus dem Umfeld ein, die Fragen zum Lernstoff stellen sollen. So wird das Gelernte besprochen und es gibt im besten Fall Nachfrage.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.