VW will mit dem Amarok auf dem Pick-up-Markt eine führende Position erobern. Von Ulrich Steudel
Leitwolf in Lauerstellung
Keine Frage, im September steht dem deutschen Automarkt eine der aufsehenerregendsten Neueinführungen des Jahres ins Haus. Dann steigt Volkswagen in das Segment der Pick-ups ein. Seit Mitte Juli werden die ersten Modelle des Amarok, was in der Sprache der nordamerikanischen Inuit Wolf bedeutet, im Sonderfahrzeugbau des VW-Werkes Emden auf deutsche Kundenwünsche maßgeschneidert.
Mit dem VW Amarok geht ein Fahrzeug an den Start, das Entwicklungsleiter Willi Netuschil den Journalisten als "Double-Use-Fahrzeug" vorstellte, das sich sowohl an Gewerbetreibende als auch an Freizeitaktivisten wendet – robust, zuverlässig und bei der technischen Ausstattung tonangebend. Damit lohnt es sich auch für den Handwerker, sein Augenmerk auf den Neuling aus der VW-Nutzfahrzeugsparte zu richten.
Drei Ausstattungslinien
Am Montag mit der Rüttelplatte Huckepack auf die Baustelle, am Wochenende mit dem Boot im Gepäck an den Baggersee. Und das in angemessenem Komfort: In der Grundausstattung für den reinen Gewerbebetrieb werden Spiegel, Fensterheber sowie Türschlösser noch von Hand bedient und Stoßstange, Spiegel oder Griffe bleiben unlackiert – alles für den harten Einsatz im Arbeitsalltag gedacht. In Trendline-Ausführung erleichtern kleine Elektromotoren die Handhabung von Fenstern, Schlössern und Spiegeln, es gibt eine halbautomatische Klimaanlage und 16-Zoll-Leichtlaufräder. Richtig luxuriös wird es dann in der Highline-Ausstattung.
Einzelkabine kommt später
Vorerst bietet VW den Amarok ausschließlich mit viertüriger Doppelkabine für fünf Passagiere an, was auf der Pritsche eine Ladelänge von 1,55 m zulässt. Der Amarok mit Einzelkabine, dafür aber um 60 cm längerer Pritsche, soll im ersten Halbjahr 2011 zur Verfügung stehen. Besonders stolz zeigt sich VW über die 1,22 m Breite, die zwischen den Radkästen bleibt, um damit Europaletten platzsparend quer transportieren zu können. Die Breite von Bordwand zu Bordwand, die einen halben Meter hoch ist, liegt bei 1,62 m. Die Nutzlast kann – je nach Modell und Ausstattung – bis zu 1,15 t betragen. Außerdem kann der Amarok bis zu 2,8 t schwere Hänger schleppen.
Dazu braucht es kräftige Motoren. Vorerst stehen zwei Dieselaggregate zur Auswahl. Besonders der stärkere 2,0-l-TDI-Biturbo mit 163 PS überzeugte bei einer Probefahrt mit einem kräftigen Durchzug. Möglich wird das dank des Einsatzes von zwei Turboladern, die auf unterschiedliche Drehzahlbereiche optimiert sind und für eine homogene Beschleunigung sorgen sollen. So wird es möglich, dass das maximale Drehmoment bereits ab 1.500 Touren zur Verfügung steht. Als Einstiegsmotor steht ein herkömmlicher Vier-Zylinder-TDI mit 122 PS Leistung und einem maximalen Drehmoment von 340 Nm zur Verfügung. Beide Motoren – serienmäßig in Verbindung mit einem Sechs-Gang-Schaltgetriebe – erfüllen die Euro-5-Abgasnorm und verbrauchen 7,8 bzw. 7,5 l/100 km, wodurch laut VW erstmals Pick-ups der 1-t-Klasse unter der CO2-Emissionsgrenze von 200 g/km liegen.
Kraft für jedes Gelände
Für den Amarok stehen drei verschiedene Kraftübertragungen zur Auswahl: Hinterrad- sowie permanenter und zuschaltbarer Allradantrieb (zu erkennen an der schwarzen bzw. roten 4 im Namenszug 4MOTION an der Heckklappe). Wer besonders schweres Gelände meistern möchte, sollte sich für die "rote 4" entscheiden. Diese Fahrzeuge werden auf Tastendruck zu wahren Offroad-Spezialisten, die trotz Beladung 100-prozentige Steigungen (Neigungswinkel: 45 Grad) erklimmen und genau so sicher wieder nach unten rollen. Solche Fahrmanöver traut sich der im Gelände ungeübte Pilot eigentlich gar nicht zu, erst mit einem VW-Entwicklungsingenieur im Cockpit wächst das Vertrauen in die Elektronik und der Amarok kann bei der Testfahrt wirklich alle seine Stärken demonstrieren.
Preise hat VW bisher nur für die Modelle mit dem großen Motor veröffentlicht. Der Netto-Einstiegspreis für den heckgetriebenen Amarok liegt bei 24.320 Euro, der "4Motion Highline" liegt bei 31.235 Euro (zzgl. MwSt.) Wer seinen Fuhrpark mit einem Amarok aufwerten möchte, sollte allerdings lange Lieferzeiten kalkulieren. Bis der Pick-up vom Werk im argentinischen Pacheco beim Händler eintrifft, vergehen mindestens sechs Wochen.