Ausbildungsserie Leittextmethode: Tipps für Ausbilder und Beispiele 

Mit der Leittextmethode können Ausbilderinnen und Ausbilder neue Inhalte in die Ausbildungspläne integrieren. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, wie die Methode funktioniert und gibt Beispiele.

Leittextmethode
Die Leittextmethode hilft, Ausbildungsinhalte zu strukturieren und mit neuen Vorgaben zu versehen. - © Robert Kneschke - stock.adobe.com

Manchmal braucht es eine besondere Situation, um Veränderungen auszulösen. So geschah es in einem Bauunternehmen, in dem verschiedene Berufe ausgebildet werden. Der Meister erfuhr in einem Newsletter, dass es in neuen und neu geordneten Berufen vier berufsübergreifende Berufsbildpositionen gibt:

  • Organisation des Ausbildungsbetriebes, Berufsbildung sowie Arbeits- und Tarifrecht
  • Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit
  • Umweltschutz und Nachhaltigkeit
  • Digitalisierte Arbeitswelt

Wichtig war für ihn die Empfehlung, diese Berufsbildpositionen in betriebliche Ausbildungspläne einzubauen, auch wenn sie in den Ausbildungsrahmenplänen der Berufe noch nicht offiziell enthalten sind.

Mit der Leittextmethode Fachwissen erarbeiten

Er vereinbarte einen Termin mit der Ausbildungsberaterin der Handwerkskammer. In dem Gespräch ging es um die Frage, welche Methode er zur Vermittlung dieser Lernziele anwenden könnte, um gleichzeitig mit seinen Lehrlingen etwas Neues zu probieren. Die Ausbildungsberaterin empfahl die Leittextmethode und erläuterte, wie er dabei vorgehen sollte.

Der Meister oder sein Lehrgeselle gibt den Lehrlingen einen roten Faden in Form eines Leittextes vor. Bevor die Bearbeitung beginnt, wird er verfasst. Der Leittext selbst enthält keine vorgefertigten Lösungen. Der Ausbilder führt die Lehrlinge in die Aufgabe ein. Zuvor vermittelt er das notwendige Grundwissen. Die Fragen zum Leittext decken wesentliche Inhalte des Bereiches ab. So können sich die Lehrlinge das erforderliche Fachwissen selbständig aneignen und praktisch verwenden.

So erstellt man einen Leittext

Der Leittext enthält später vier Elemente:

  • Die Leitfragen sollen Orientierung und Anreiz sein, sich mit der Berufsbildposition zu befassen.
  • Die Leitsätze geben in knapper Form fachliche Hinweise für die Aufgabenlösung.
  • Der Arbeitsplan mit den schrittweisen Lösungen wird von den Lehrlingen erstellt.
  • Der Kontrollbogen enthält Kontrollfragen zur Erfolgskontrolle und Ergebnissicherung.

Für den Ausbilder ergeben sich währenddessen folgende Aufgaben:

  • Die Lehrlinge hin und wieder beobachten.
  • Die Qualität der Antworten auf die Fragen besprechen.
  • Bei Bedarf Hilfestellung leisten, um richtige Antworten zu finden.

Leittextmethode hilft, selbstständig Arbeiten zu planen

Durch Anwendung der Methode lernen die Lehrlinge, wie sie Arbeitsschritte planen und gliedern können. Sie erwerben neue Kompetenzen. Selbstständigkeit wird gefordert und gefördert, konzentriertes Arbeiten ist erforderlich. Sie müssen sich informieren, eigenen Arbeitspläne erstellen und die Arbeitsergebnisse alleine prüfen.

Beispiel für einen einfachen Leittext zur Berufsbildposition                                                     

Verhaltensweisen bei Unfällen beschreiben und erste Maßnahmen bei Unfällen einleiten:

In unserem Betrieb kann es jederzeit zu einem Notfall kommen. Plötzlich und nicht vorhersehbar passiert etwas, mit dem niemand gerechnet hat. Der Vorgang erfordert schnelles Handeln, um Schäden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder vom Betrieb abzuwenden. Lebensbedrohliche Notfälle sind zum Beispiel eine Bewusstlosigkeit, erhebliche Bewusstseinstrübung oder schwere Atemnot. Bei Unfällen sind die Erste-Hilfe-Maßnahmen und eine ärztliche Versorgung sicherzustellen. Dazu dienen Unterweisungen und Übungen (z. B. zum Umgang mit Löscheinrichtungen oder zur Räumung), das Erste-Hilfe-Material und die Darstellung der Rettungskette. Notwendige Informations- und Meldeabläufe werden in der Regel durch Rettungsketten dargestellt.

Informationsquelle Berufsgenossenschaft

Leitfragen:

  • Welche Hilfsmittel, Einrichtung, Ausstattung und personelle Besetzung müssen im Betrieb vorhanden sein?
  • Welche Notrufnummern nutzen Sie?
  • Was ist in Bezug auf Fluchtwege zu beachten?
  • Wozu dient ein Flucht- und Rettungsplan und wie ist er gestaltet? Wo befinden sich Sammelplätze und wie sind sie anzulegen?

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.