60 Jahre soziale Marktwirtschaft
Leistungsträger nicht entmutigen
Zum Jubiläum wird die soziale Marktwirtschaft wieder gelobt. Verdient hat sie das, aber unehrlich ist es, wenn „Wohlstand für alle“ weiterhin das Ziel ist, aber immer weniger dafür arbeiten. Die Entmutigung der Leistungsträger begründen Politiker in fast allen Parteien mit gefühlten Gerechtigkeitslücken und angeblichem Marktversagen. Dabei versagt in Wahrheit nur ein Staat, der die Kräfte des Marktes kaum mehr zur Entfaltung kommen lässt und mehr ausgibt, als er einnimmt.
Die soziale Marktwirtschaft ist aber kein Umverteilungsmodell, sondern ein Ordnungskonzept, das für faire und verlässliche Rahmenbedingungen wie für Chancengerechtigkeit steht. Ordnungspolitik ist alles andere als von gestern, weil Wettbewerb und Transparenz vor allem die Kleinen schützen – egal, ob es um Bürger oder Unternehmen geht.
Deutschland hat nach wie vor viele gute Voraussetzungen, fleißige Menschen, tüchtige Handwerker, gute Unternehmer und Manager. Sie ermöglichen mit Kreativität, Energie und Beharrlichkeit auch die Finanzierung eines einzigartigen Sozialstaats.
Die soziale Marktwirtschaft wurde zum Erfolg, weil sie die Freiheit ließ, Leistung belohnte, Chancen vermittelte und diejenigen, die nicht mithalten konnten, nicht aus den Augen verlor: Wettbewerb und Solidarität! Heute ist der Wettbewerb stark eingeschränkt und die Solidarität zu oft eine Einbahnstraße zulasten der Mittelschicht. Die Entsolidarisierung von unten durch Mitnahme von Sozialtransfers und der Rück- oder Wegzug vieler Bestverdiener sind Gift für unsere Gesellschaft. Deshalb steht der 60. Geburtstag der sozialen Marktwirtschaft vor allem im Zeichen der Besinnung – damit sie an ihrem 75. ihren Doppelnamen wieder zu Recht und zum Wohle aller trägt.