Kolumne Leistungen des Azubis: Anerkennung ist wichtig

Während der Lehrzeit steht das Lernen im Vordergrund. Ausbilder vermitteln Wissen und Können. Um Azubis zum Lernen zu motivieren, ist aber auch die Anerkennung erbrachter Leistungen wichtig. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt in seiner Kolumne, wie beides Hand in Hand geht.

Azubis brauchen Anerkennung.
Azubis brauchen Anerkennung. So können Ausbilder sie motivieren. - © standret - stock.adobe.com

Was passiert, wenn ein Azubi eine Tätigkeit zeitgerecht, vollständig und korrekt erledigt, aber der Ausbilder diese Leistung nicht anerkennt? Wenn ein Lernziel erreicht oder eine betriebliche Lernerfolgskontrolle erfolgreich bestanden ist, aber dies niemand registriert?

Ganz einfach: Mangelnde Anerkennung kann das Ausbildungsklima negativ beeinflussen und dadurch eine Unzufriedenheit der Lehrlinge hervorrufen. Bei den Betroffenen sinkt das Selbstwertgefühl. Ohne das nötige Selbstbewusstsein werden sehr wahrscheinlich die Leistungen schlechter. Bei den Lehrlingen entsteht ein Gefühl, nicht gebraucht zu werden und kein Teil der Arbeitsgruppe zu sein.

Anerkennung fehlt: Lernbereitschaft nimmt ab

Ein Merkmal davon können zunehmende Krankheitstage oder Fehltage sein, verbunden mit eigenartigen Begründungen. Die Lernbereitschaft nimmt ab, man ist nicht bereit einmal eine Sonderleistung zu erbringen, die im Rahmen der Lehre erlaubt wäre. Alle die an der Ausbildung beteiligt sind sollten sich daher bemühen, die jungen Leute ernst zu nehmen. Daher gilt es auch, anerkennend zu führen. Das ist eine Fähigkeit, die in der Regel den Zugang öffnet und den guten Verlauf der Lehrzeit fördert.

Es gilt, nicht nur einseitig Fehler zu kritisieren oder ein gutes Ergebnis einfach zur Kenntnis zu nehmen. Manche Ausbilder handeln hier nach dem Motto: "Nicht gemeckert ist genug gelobt". Das Ausbildungspersonal hat selbstverständlich immer das Recht schlechte Leistungen zu kritisieren. Es besteht jedoch auch eine gewisse Pflicht, gute Leistungen zu loben und anzuerkennen. Das wird durch hilfreiche Rückmeldungen ergänzt.

So werden die Lehrlinge zu guten Leistungen motiviert. Sie wissen, dass sie wahrgenommen werden und fühlen sich wohl, weil im Betrieb ihre Tätigkeiten und Leistungen anerkannt sind und sie so einen wichtigen Beitrag zum Gelingen von einem Auftrag und für die Kundenzufriedenheit leisten. Durch die so erzeugte Ausbildungszufriedenheit erfahren die Auszubildenden, dass die Lehrzeit erfolgreich verläuft.

Anerkennung zum richtigen Zeitpunkt

Die Anerkennung sollte jedoch wohl dosiert sein. Zu viel ist auch nicht angebracht. Sie muss zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Form erfolgen und nicht eben mal so. Zu viel ist halt nicht unbedingt besser. Aber wie heißt so schön „Übung führt zur Meisterschaft!“

Meine These: "Die Lehrlinge zu loben kostet nichts, hat aber große Auswirkungen auf den Lernerfolg und die Arbeitsergebnisse!"

Wenn es im Betrieb mehrere Lehrlinge gibt, hat die Anerkennung noch einen anderen sehr wichtigen Effekt. Wenn die Meisterin oder ein Geselle einen Lehrling lobt, strengen sich die anderen an, damit sie auch ein Lob erhalten. Die Verantwortlichen kommen bei dieser Vorgehensweise auch noch gut weg, denn es ihr positives Verhalten spricht sich im Betrieb herum.

Alles in allem besteht somit die Aufgabe der Meisterin oder des Meisters nicht nur darin, die dafür zu sorgen, dass die im betrieblichen Ausbildungsplan niedergeschriebenen Lernziele vermittelt. Sie sollten immer wieder dafür sorgen, die Lehrlinge zu motivieren. Während der gesamten Lehrzeit ist es wichtig, sie begeisterungsfähig zu halten und neue Dinge ausprobieren zu lassen.

Anerkennung kann zum Empfehlungsmarketing werden

Das alles kann im sich im Idealfall zum Empfehlungsmarketing entwickeln. Wenn die Lehrlinge, außerhalb des Betriebes, positiv über das anerkennende Verhalten des Ausbildungspersonals erzählen, wird das zum wichtigen Baustein auf der Suche nach Bewerberinnen und Bewerbern.

Die Fachleute vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) haben übrigens in der Studie "Ausbildung aus Sicht der Auszubildenden" festgehalten: "Anerkennung für geleistete Arbeit und intensive Einbindung in betriebliche Abläufe sind Grundvoraussetzungen, damit Auszubildende hohe Leistungen zeigen."

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.