Fachkräftemangel Leichtere Zuwanderung für ausländische Fachkräfte

Die FDP will die Hürden für Fachkräfte aus Nicht-EU-Länder senken. Die CSU lehnt das ab. ZDH-Präsident Otto Kentzler rät Handwerksbetrieben hingegen, vorhandenes Potenzial besser zu nutzen.

ZDH-Präsident Otto Kentzler rät dem Handwerk, sich auf vorhandenes Potenzial zu stützen. Foto: dapd

Leichtere Zuwanderung für ausländische Fachkräfte

Der FDP-Bundestagsfraktionsvorsitzende Rainer Brüderle forderte, die sogenannte Vorrangprüfung in sämtlichen Branchen abzuschaffen und niedrigere Einkommensgrenzen für Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten. Das lehnte die CSU ab. Der stellvertretende Union-Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs (CDU) riet der Bundesregierung, sich innerhalb der EU nach Fachkräften umzusehen.

In der Regel muss ein Unternehmer nachweisen, dass es in Deutschland und der EU keinen geeigneten Bewerber gibt, wenn er eine freie Stelle mit einem Interessenten aus einem anderen Land besetzen will. Die Bundesregierung will diese Regelung für einige Branchen aussetzen.

FDP für 40.000 Euro Mindesteinkommen bei Ausländern

Brüderle geht das nicht weit genug. "Jetzt fehlen vielleicht Ärzte und Ingenieure, morgen fehlen jedoch Fachkräfte in weiteren oder anderen Feldern", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Außerdem sollten die Mindesteinkommen von Hochqualifizierten aus Nicht-EU-Staaten von derzeit 66.000 Euro deutlich gesenkt werden. "Es ist illusorisch zu glauben, dass Fachkräfte gerade am Anfang ihrer Karriere diese Gehälter verdienen. Daher ist eine Absenkung auf 40.000 Euro geboten", sagte er. Die CSU lehnte eine Änderung des Zuwanderungsrechts ab.

Fuchs, der auch Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU-Fraktion ist, forderte die Bundesregierung auf, insbesondere in Spanien auf Fachkräftesuche zu gehen. "Spanien mit seiner extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit hat für den deutschen Arbeitsmarkt hohes Rekrutierungspotenzial", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". "Deutschland könnte gezielt junge Spanier mit Deutschkursen in Goethe-Instituten auf ein Berufsleben in Deutschland vorbereiten."

Handwerk lockt mit Sonderkonditionen

Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, machte den Vorschlag, sich vor allem auf das vorhandene Potenzial zu stützen. Ein Teil der Betriebe tue das bereits. Kentzler: "In einer Umfrage zur Fachkräftesicherung geben rund 25 Prozent der befragten 14.000 Handwerksbetriebe an, dass sie die Attraktivität ihrer Stellen durch übertarifliche Bezahlung und freiwillige Sozialleistungen steigern."

Rund 28 Prozent der Betriebe berichten laut des ZDH, dass sie verstärkt auf familienfreundliche Maßnahmen setzen, um junge Frauen an den Betrieb zu binden. Genauso viele Betriebe würden zur Fachkräftesicherung auf eine längere Beschäftigung älterer Arbeitnehmer setzen.

55 Prozent qualifizieren laut der Umfrage ihre älteren Mitarbeiter dazu bereits, weitere 15 Prozent wollen dies in Zukunft tun.

Die hohe Ausbildungsquote des Handwerks habe in der Vergangenheit stets dafür gesorgt, dass ausreichen Fachkräfte zur Verfügung standen. "Doch das Handwerk braucht angesichts zurückgehender Ausbildungszahlen aufgrund des demografischen Wandels die von ihm ausgebildeten Fachkräfte selbst", sagte Kentzler.

Kentzler weiter: "Vor allem aber kämpfen die Handwerksbetriebe um junge Leute. Dazu haben 54 Prozent ihre Ausbildungsaktivitäten verstärkt, weitere 14 Prozent wollen dies in Zukunft tun. Dieses Engagement hat Erfolg, denn noch nie waren bereits im Mai so viele neue Ausbildungsverträge im Handwerk unter Dach und Fach wie 2011."

dapd/rh