Viele inhabergeführte Familienbetriebe spüren den enormen Kostendruck. Auf der Grünen Woche machen sie ihre Forderungen gegenüber der Politik deutlich.

Das deutsche Lebensmittelhandwerk gerät immer stärker unter Druck. "Unsere Betriebe stehen unter einem enormen Kostendruck: Energiekosten, Rohstoffkosten, Arbeitskosten", sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Lebensmittelhandwerk, Herbert Dohrmann, vor Vertretern des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages auf der Grünen Woche. Die Preissteigerungen der letzten Monate erschwerten es außerordentlich, die betriebswirtschaftlich notwendigen Preiserhöhungen gegenüber den Kunden durchzusetzen.
Dohrmann: Regionales Lebensmittelhandwerk wichtig
Von der Politik forderten Dohrmann und Roland Ermer, Präsident des Bäckerhandwerks, vor allem weniger Bürokratie und faire Energiekosten. Dohrmann, der zugleich Präsident des Deutschen Fleischer-Verbandes ist, wies zudem auf die Bedeutung des Lebensmittelhandwerks als wichtiges Bindeglied zwischen regionaler Landwirtschaft und Verbrauchern vor Ort hin. Gerade in Krisenzeiten müsse die Widerstandsfähigkeit der mittelständischen Lebensmittelkette gestärkt werden, betont die AG Lebensmittelhandwerk.
Niedrigere Energiekosten und mehr Planbarkeit gefordert
Zur Entlastung der Betriebe müssen nach Auffassung der AG Lebensmittelhandwerk vor allem die Energiekosten in den Blick genommen werden. "Die Stromsteuer muss endlich für alle gesenkt werden", forderte Dohrmann. Dies wäre auch ein erheblicher Bürokratieabbau. Bäckermeister Ermer verlangte zudem mehr Klarheit für den Umstieg auf andere Energieträger: "Wir brauchen Planungssicherheit und Zeit für den Umstieg, sonst riskieren wir die dezentrale Versorgung und die Existenz vieler Bäckereibetriebe", sagte er bereits zuvor beim Backwarengipfel. Noch immer backen 70 bis 80 Prozent der Betriebe mit Gas. Für sie müsse klar sein, wohin die Reise geht.
Ermer für flexiblere Arbeitszeiten an Sonn- und Feiertagen
Ein weiteres zentrales Anliegen des Präsidenten des Bäckerhandwerks ist die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, insbesondere die Ausweitung der Arbeitszeiten in der Herstellung und Auslieferung von Backwaren an Sonn- und Feiertagen. "Wir brauchen das als Bäckerhandwerk unbedingt", sagte Ermer. Nur so werde der Lebensrealität moderner Betriebe Rechnung getragen.
Fast eine halbe Million Beschäftigte im Lebensmittelhandwerk
Zur Arbeitsgemeinschaft Lebensmittelhandwerk zählen neben dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks auch der Deutsche Konditorenbund, der Deutsche Fleischer-Verband, der Verband Private Brauereien, der Bundesverband der italienischen Speiseeishersteller sowie der Verband Deutscher Mühlen. Gemeinsam erzielen die rund 32.000 Betriebe des Lebensmittelhandwerks mit 495.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 48 Milliarden Euro, heißt es bei der AG Lebensmittelhandwerk.