Triest, die Hafenstadt an der nördlichen Adria, vereint verschiedene Kulturen. Von Daniela Lorenz
Leben mit Blick aufs blaue Meer
Sauerkraut erwartet man wohl nicht in der italienischen Küche. Doch es gehört in die Triestiner Gemüsesuppe Jota. Für solche Überraschungen ist Triest, die Hafenstadt an der Adria, immer gut. Triest, das ist eine Stadt voller Konstraste, eingebettet zwischen Hügeln und Meer. Die Einwohner sagen, ihre Stadt hat Atmosphäre und das spürt auch der Besucher. Triest, das ist ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen, Traditionen und Sprachen, die ihre Spuren hinterlassen haben. Wer das Telefonbuch aufschlägt, findet beispielsweise auch heute noch viele österreichische Nachnamen. Die Multikultur spiegelt sich auch in der Architektur wider: Wer durch die Straßen wandert, sieht Neoklassizismus, Jugendstil, Historismus und Barock, römische Spuren und Bauten im Habsburger Stil.
Auf der Piazza dell’Unità d’Italia spielt sich wie auf so vielen Plätzen der Stadt das Leben ab – tagsüber entspannt bei einem Kaffee, abends bei einem Drink unterm Sternenhimmel. Die Stadt war und ist Muse für viele Schriftsteller. Etwa James Joyce, an den die Stadt mit einem Museum erinnert. In der heutigen Zeit setzt der deutsche Schriftsteller Veit Heinichen mit seinen Commissario-Laurenti-Romanen der Stadt ein literarisches Andenken.
Das Meer spielt eine große Rolle im Leben der Stadt Triest. Das pulsierende Stadtleben grenzt unmittelbar an den Hafen. Hier sticht der alte Fischmarkt hervor – ein Jugendstilbau aus dem frühen 20. Jahrhundert, der heute Ausstellungen und Kulturveranstaltungen beherbergt.
Vom Hafen von Triest aus zu erkennen, liegt das Schloss Miramare auf einem Felsvorsprung aus Karstgestein. Das weiße Schloss wurde zwischen 1856 und 1860 von Erzherzog Maximilian von Habsburg in eklektizistischem Stil gebaut. Der Platz ist gut gewählt, der Blick auf die Adria ist atemberaubend und so trägt das Schloss seinen Namen zu Recht: Miramare heißt so viel wie "Schau das Meer!“ Um das Schloss auf diesen Felsen bauen zu können, ließ Erzherzog Maximilian Erde aus seiner Heimat Österreich heranschaffen.
Der Bruder des Kaisers Franz Joseph leistete sich aber auch noch andere Extravaganzen: Das persönliche Zimmer des Erzherzogs ist wie eine Schiffskajüte. Ananas und Anker, die Symbole Maximilians, finden sich im Schloss auf Tapeten, Polstern und Wandtäfelungen. Doch an dem Schloss mit dem schönen Blick auf das Meer kann sich Maximilian nicht lange erfreuen. Vier Jahre leben er und seine Frau Charlotte von Belgien in Miramare. 1864 wird Maximilian von Napoleon III. die Kaiserkrone von Mexiko angeboten, dort wird er drei Jahre später ermordet.
Triest wurde von den Römern gegründet, deren Spuren findet man auch in der Region Friaul-Julisch Venetien. Etwa in der Stadt Aquileia, die 181 v. Chr. von den Römern gegründet wurde und als „zweites Rom“ gilt. Zur Römerzeit soll die Stadt von 200.000 Menschen bewohnt worden sein. Heute sind Ausgrabungen zu besichtigen, wie der teilweise erhaltene Säulengang des Forum Romanum. In der Basilika Santa Maria Assunta mit ihrem mächtigen Glockenturm ist ein sehr gut erhaltenes, figürliches Fußbodenmosaik zu sehen. Vögel auf Zweigen etwa stehen für die Seelen im Paradies, Fische für die Christen. Auch ein "Kampf“-Mosaik ist zu sehen, in dem der Hahn das Gute symbolisiert und die Schildkröte das Böse. Die Holzdecke der Basilika sieht aus wie ein umgedrehtes Schiff, was typisch ist für Orte, die am Meer liegen und in denen Schiffe gebaut werden.
Bootsfahrt auf der Lagune
Friaul-Julisch Venetien ist die nordöstliche Region der italienischen Halbinsel. Die Region liegt zwischen den Alpen und der Adria; grenzt an Österreich und Slowenien, an die Adria und an Venetien. Insgesamt 13 Naturschutzgebiete sind hier zu finden. Wie etwa das Naturschutzgebiet Isonzo-Mündung, das sich über rund 2.400 Hektar erstreckt und die letzten 15 Kilometer des Flusslaufes des Isonzo umfasst. Informationen über Pflanzen, Tiere und deren Lebensraum erhalten die Gäste im Besucherzentrum Isola della Cona. Das Naturschutzgebiet kann zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Schiff oder auch auf einem Pferderücken erkundet werden.
Ein Naturerlebnis besonderer Art ist eine Bootsfahrt durch die Lagunen von Grado und Marano: Ein Labyrinth von Kanälen, Flüssen und kleinen Inseln. In der Lagune gelten die Gezeiten wie Ebbe und Flut, das Wasser ist immer in Bewegung und niedrig. Aus diesem Grund muss die Lagune auch sehr vorsichtig befahren werden. Die Wasserwege in den Lagunen sind mit "Straßenzeichen“ markiert. Man darf sich also nicht wundern, wenn plötzlich mitten im Wasser ein Straßenschild auftaucht, auf dem zu lesen ist: Nach Venedig rechts abbiegen.