Sportsponsoren sind hin- und hergerissen zwischen ethischen und wirtschaftlichen Erwägungen Langsam kommt die Faust aus der Tasche

Kurz und traurig ist das Fazit eines führenden deutschen Konzernmanagers: "Die Korruption hat weltweit zugenommen." Die Erkenntnis bezieht sich ganz ausdrücklich auch auf den Sport und seine Spitzenverbände wie UEFA, FIFA und das Internationale Olympische Komitee (IOC). Die weltweit operierende Unternehmensgruppe des Managers ist Mitglied der S-20-Gruppe.

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Langsam kommt die Faust aus der Tasche

Berlin (dapd). Kurz und traurig ist das Fazit eines führenden deutschen Konzernmanagers: "Die Korruption hat weltweit zugenommen." Die Erkenntnis bezieht sich ganz ausdrücklich auch auf den Sport und seine Spitzenverbände wie UEFA, FIFA und das Internationale Olympische Komitee (IOC). Die weltweit operierende Unternehmensgruppe des Managers ist Mitglied der S-20-Gruppe. In diesem Lobby-Verein haben sich die größten deutschen Sportsponsoren zusammengeschlossen. Und sie haben große ethische Probleme mit den supranationalen Verbänden.

Die Worte Korruption und Nepotismus (Vetternwirtschaft) gehen den Managern verblüffend leicht über die Lippen, wenn sie von diesen Verbänden reden. Trotzdem ist die Schmerzgrenze auch nach den jüngsten Skandalen nicht erreicht. Die S 20 sponsern weiter internationale Sport-Großveranstaltungen, wenn auch mit geballter Faust in der Hosentasche. "Aber die Faust kommt langsam aus der Tasche", sagt ein anderes S-20-Mitglied im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Alle Befragten wollten anonym bleiben.

Angesichts der Ereignisse um die Wiederwahl von FIFA-Präsident Joseph Blatter haben sie in einer Sitzung im Frühjahr sogar erwogen, mit Rücktritten von Verträgen zu drohen. Der Blick auf die Bilanzen, auf die in der Warteschlange stehenden Konkurrenten und auf die bereits ausgegebenen Mittel ließ sie dann doch wieder zurückschrecken.

Aber sie einigten sich, beim Aushandeln künftiger Verträge mit den in der Schweiz ansässigen Verbänden auf einem deutschen Gerichtsstand zu bestehen. Sollten sie erfolgreich sein, bedeutet das konkret, dass EU-Rechtsnormen greifen - jene Normen, unter denen zum Beispiel wegen Korruptionsvorwürfen gegen Siemens, die Telekom oder Volkswagen ermittelt wurde.

Ein Gesprächspartner der dapd bezeichnete diese Einigung als "Papiertiger", weil meist langfristige Verträge abgeschlossen worden seien, deren Kündigung den Sponsoren hohe Vertragsstrafen einbringen würde. Außerdem gebe es nach der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft für lange Zeit kein Großereignis dieser Art in Deutschland mehr.

Doch halt: Da ist ja noch die Frage nach dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2018 offen. Sollte München am Mittwoch den Zuschlag erhalten, so ist das Rennen ums Sponsoring neu eröffnet. Und da geht es um andere Summen: Kommen bei der Frauen-Fußball-WM mit 16 teilnehmenden Nationen um die 50 Millionen Euro zusammen, so sind Olympische Spiele ein Milliarden-Deal für das IOC. 2010 nahmen 82 Nationen an den Winterspielen teil. Es schwelen Korruptionsvorwürfe gegen drei IOC-Mitglieder. Im Komitee sitzen derzeit 110 Mitglieder, die alle irgendwie von den Vorteilen der jeweiligen Bewerberstadt überzeugt sein wollen.

Für die Konzerne trifft hier Ethik auf Ökonomie, und zwar schmerzhaft. Coca-Cola und Pepsi Cola, adidas und Nike, Panasonic und Sony, MasterCard und Visa - die Liste direkter Gegenspieler unter den globalen Konzernen ist lang. Wer von ihnen sich einmal eine Pole Position beim Sponsoring wirklich großer Sportereignisse wie Fußball-Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele gesichert hat, der hat zugleich den anderen ausgeschlossen. Olympia 2012 in London wird beispielsweise von BMW gesponsert, der Mutter von Rolls Royce Cars, und nicht von VW, der Mutter von Bentley.

Der Sponsor ist damit aber auch in gewisser Weise abhängig: Akzeptiert er die Bedingungen oder auch nur das Gebaren des Weltverbands nicht oder will er gar Vertragsbedingungen diktieren, so hört er schnell: "Dann nehmen wir eben den anderen." Als Beispiel wird das Sponsoring der Tour de France angeführt: Als die deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten verzichteten, sprang Sat.1 in die Bresche. Am Ende war es allerdings für keinen die wahre Freude. Die nicht enden wollenden Doping-Skandale haben die Quoten der Tour in den Keller getrieben.

Immerhin zeigt das Beispiel, wie die supranationalen Sportverbände die Unternehmen gegeneinander ausspielen. "Wenn wir als Großunternehmen Fußball sponsern wollen, dann kommen wir an der FIFA nicht vorbei", sagt fast resignierend ein S-20-Mitglied. Auf der Haben-Seite steht allemal, dass der Endverbraucher andere Fragen stellt. Er kauft sich die Schuhe des Herstellers, der seinen Verein sponsert, und nicht die Schuhe desjenigen, der aus ethischen Motiven die Zusammenarbeit mit den Dachverbänden verweigert.

dapd