Drei Jahre Elternzeit: Für Unternehmen ist dies angeblich eine so hohe organisatorische und finanzielle Belastung, dass die Berater der Bundesfamilienministeriums im aktuellen Familienbericht dazu raten, die Elternzeit auf zwei Jahre zu verkürzen. Familienministerin Kristina Schröder stellte den Bericht zwar schon im Oktober letzten Jahres vor, doch die Pläne zur Verkürzung der Elternzeit blieben bislang unbekannt.

Die "Zeit für Familie" steht im Vordergrund des 8. Familienberichts, den die Bundesfamilienministerin im vergangenen Jahr stolz präsentierte. Dabei sprach sie von dem Bedürfnis der Eltern, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu wollen und den organisatorischen Schwierigkeiten, die ein Familienleben so mit sich bringt. Gleichzeitig forderte sie die Unternehmen in Deutschland auf, flexiblere Arbeitszeitmodelle zu unterstützen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ernster zu nehmen.
Drei Jahre "insgesamt fragwürdig"
Einen Teil der Ergebnisse des Berichts sparte sie jedoch aus. Die Autoren des Gutachtens – eine extra dafür zusammengestellte Expertenkommission, die den Bericht alle fünf Jahre erstellt – hatten auch auf die organisatorischen Schwierigkeiten hingewiesen, die Unternehmen bewältigen müssen, wenn Mitarbeiter eine derart lange Auszeit nehmen. Sie raten deshalb dazu die Elternzeit von drei auf zwei Jahre zu verkürzen.
Die gesetzliche Dauer von drei Jahren sei "insgesamt fragwürdig" hieß es in dem Gutachten, berichtet die Onlineausgabe der Welt. Da die Möglichkeit, bis zu drei Jahre aus dem Berufsleben auszusteigen, "eine große organisatorische und finanzielle Belastung für die Unternehmen" bedeute, bedarf es Entlastungen für die Arbeitgeber.
Die Arbeitgeber sind also gefragt, neue Arbeitszeitmodelle anzubieten. Zum Ausgleich sollen sie weniger lange auf die Mitarbeiter verzichten müssen, die in Elternzeit gehen und dadurch auch weniger finanziellen Aufwand haben. Irgendwie geht diese Rechnung nicht auf, aber vielleicht ist auch das der Grund, warum diese Teile des Berichts bislang nicht in der Öffentlichkeit diskutiert wurden. Das Bundesfamilienministerium selbst hat sich noch nicht zu den aktuellen Diskussionen geäußert. jtw