Das Saisonende im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de: Länderspielreise – schlechter Witz im Nahen Osten

Was haben die Nationalmannschaft von Abu Dhabi und der FC Tegernsee gemeinsam? Ganz einfach, beide gibt es nur in der Fantasie von Bayern-Manager Uli Hoeneß, der gegen die Länderspielreise des DFB polterte. Dabei hatte die Reise in den Nahen Osten für einen etwas Gutes, stellt Stefan Galler in seiner Kolumne zum Saisonende fest.

Länderspielreise – schlechter Witz im Nahen Osten

Meisterbetrieb: Meister der Fahrstuhlmannschaften

Über lange Jahre hinweg – die Älteren werden sich erinnern – kannte man den 1. FC Nürnberg als Deutschen Rekordmeister. Das kommt daher, dass der "Club" vor dem Zweiten Weltkrieg ein großer Titelsammler gewesen ist, was sicherlich auch daran lag, dass man damals noch nicht so leicht aus der höchsten deutschen Spielklasse absteigen konnte. Da gab es die regionalen Gauligen und später die Oberligen, während die Bundesliga, in der dann die besten Mannschaften der gesamten Bundesrepublik antraten, erst 1963 gegründet wurde.

In der Neuzeit schafften es die Franken dann nur noch 1968 unter Max Merkel auf den Thron – um im Jahr der Titelverteidigung abzusteigen – das gab’s noch nie und wird vermutlich auch im neuen Spieljahr von den Wolfsburgern nicht wiederholt. Rekordmeister, das ahnten die Clubberer, würde schon bald ein anderer Klub aus dem Freistaat Bayern sein.

Sie aber hatten eine neue Bestimmung gefunden: In Sachen Peinlichkeit, Inkonstanz und der Fähigkeit zum Versagen auf höchstem Niveau – da würde es kaum jemand geben, der ihnen das Wasser reichen könnte. Selbst eingefleischte Fans sprechen fast zärtlich von dieser Gabe ("Der Club is a Depp"). Die neue Strategie ging voll auf, denn mittlerweile ist der FCN nicht nur der Rekord-Absteiger in der Bundesliga, sondern auch – seit den erfolgreich gestalteten Relegationsspielen gegen Cottbus am Wochenende – Rekord-Aufsteiger. In beiden "Bestenlisten" liegt man übrigens gleichauf mit Arminia Bielefeld. Also anstrengen, liebe Nürnberger, um zumindest in einer Wertung die alleinige Nummer eins zu sein, müsst ihr sofort wieder absteigen!

Gesellenstück: Alles wie immer bei Werder

Wenigstens gab es auch für das zweite Bundesliga-Nordlicht noch ein Happy End: Nachdem sich der ansonsten grandios gescheiterte HSV in letzter Sekunde noch für die neue Europa League qualifizierte, sicherte sich Werder Bremen nach der Finalniederlage im UEFA-Cup gegen Donezk zumindest den DFB-Pokal. Richtig spektakulär ging es ja nicht gerade ab, beim 1:0-Arbeitssieg in Berlin gegen Leverkusen. Und auch hinterher wartete man vergeblich auf Bilder, die sich einem ewig einbrennen würden. Diego sang nicht zum Abschied von Werder mit seiner Szene-Begleitung Sarah Connor zusammen die deutsche Nationalhymne, Thomas Schaaf ließ sich nicht vor lauter Siegesfreue wie einst Handball-Bundestrainer Heiner Brand den Schnauzer abrasieren und Claudio Pizarro ließ nicht die Hände vom Alkohol. Also alles wie immer, sieht man davon ab, dass Frank Baumann seine Karriere nach zuletzt neun Jahren als Werder-Kapitän mit dem Pokalsieg beendete. Der stets zurückhaltende Franke hatte dann noch einen guten Konter auf die Lobhudeleien seiner Kollegen: "Das sind ja Worte wie auf einer Beerdigung, Positives wird betont, Negatives weggelassen."

Erstes Lehrjahr: Schlechter Witz im Nahen Osten

Was haben die Nationalmannschaft von Abu Dhabi und der FC Tegernsee gemeinsam? Ganz einfach, beide gibt es nur in der Fantasie von Bayern-Manager Uli Hoeneß. Der hatte zur Asien-Reise der Nationalmannschaft wie üblich volles Rohr Feuer gegeben: "Liechtenstein, Andorra, Färöer Inseln, Abu Dhabi und Dubai – das sind nicht die Gegner, die auf der Welt eine Rolle spielen. Da spielen Leute, die auch teilweise gegen den FC Tegernsee spielen können." Kurze Nachhilfe für Uli, den Neu-Anrainer in Bad Wiessee: In der Gegend heißen die bekanntesten Fußballvereine TV Tegernsee, FC Rottach-Egern und – kein Scherz – Real Kreuth.

Die besten Balltreter aus Abu Dhabi und Dubai spielen übrigens für die Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate. Das ist jene unterhaltsame Truppe, die am Dienstagabend den Torfluch von Mario Gomez in der DFB-Elf durch konsequent nicht vorhandenes Abwehrverhalten endlich beendete. Zusammen mit Lukas Podolski, der Gomez das 2:0 so auflegte, dass selbst jede Bewohnerin eines Altenstifts das Ding über die Linie gemurmelt hätte. Am Ende hatte der Neu-Bayer viermal getroffen und Deutschland 7:2 gewonnen, obwohl die personelle Besetzung des Kaders für den Trip in den Fernen und Nahen Osten mit der Deutschen Elite nicht all zu viel zu tun hatte.

Halb-Amateur Träsch aus Stuttgart war ebenso dabei wie der Hoffenheimer Kampfzwerg Weis, der in der Bundesliga-Rückrunde wirkte wie Duracell-Häschen, dem man die Batterien geklaut hat.

Dann wollen wir dem Anlass entsprechend mit einem schlechten Witz schließen: Was heißt Kuhstall auf arabisch? Mubarak, hoho. Übrigens genauso wie der Emirate-Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:6. Und beim Begriff Kuhstall sind wir irgendwie doch wieder zurück aus der staubtrockenen Wüste am feucht-fröhlichen Tegernsee.

Zwei linke Hände: Hochtouriges Trainerkarussell

Das gab’s noch nie: In der Bundesliga sind mehr Trainerstellen offen als beim Erziehungspersonal in Kindertagesstätten. Mit Frankfurt, Gladbach, Köln und Hamburg stehen vier Klubs aktuell ohne Übungsleiter da, bei Leverkusen, Bochum und Hannover stehen weitere Fußball-Lehrer auf der Kippe. Und auch die Zweitligisten Cottbus, Bielefeld, Kaiserslautern und Paderborn haben keinen Coach. Da fragt man sich, ob die alle dem Modell des FC Bayern folgen wollen, der die vergangene Saison ja auch ohne Trainer in Angriff nahm. Eigentlich müsste doch selbst nicht so fußballaffinen Klubmanagern klar geworden sein, dass das nur wenig bringt. Und auch die Münchner selbst haben mit der Rückkehr zu echten Experten auf der Trainerbank wie Henyckes oder nun van Gaal ihre Experimentierphase abgeschlossen.

Was bewegt nun andererseits all die wechselwilligen Übungsleiter, sich neue Klubs zu suchen und – wie DFB-Sportdirektor Sammer anprangert – reihenweise Vertragsbruch zu begehen? Nun Felix Magath will laut "Kicker" nach den Titeln mit Bayern und Wolfsburg auf Schalke endlich auch Meister der Herzen werden. Martin Jol pflanzt wahrscheinlich in Amsterdam farbenfrohe Tulpen, während Christoph Daum die orientalische Atmosphäre in Istanbul vor allem wegen der Märchen aus 1.000 und einer Nacht und den leckeren Wasserpfeifen schätzt. Wie schön, dass es – im fernen Frankreich – einen gibt, der sagt, wie der Hase läuft: Erik Gerets verlässt Marseille und geht nach Saudi Arabien. Und zwar ausschließlich des Geldes wegen.