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Ladung sichern Ladungssicherung im Transporter: Tipps für die Praxis

Wer bei der Ladungssicherung schlampt, spielt mit seinem und dem Leben anderer. Lesen Sie hier, wie Handwerker ihre Ladung im Transporter richtig sichern, welche Vorschriften der Gesetzgeber macht und wer im Fall der Fälle verantwortlich ist.

Egal, wie kurz die Strecke ist – Handwerker müssen ihre Ladung sichern. Ohne eine entsprechende Transportsicherung drohen den Fahrzeuginsassen und anderen Verkehrsteilnehmern gefährliche bis tödliche Verletzungen. Zusätzlich riskieren die Verantwortlichen teure Materialschäden, Bußgelder und Punkte in Flensburg. Wie Handwerker ihre Ladung im Transporter richtig sichern und was rechtlich bei der Ladungssicherung gilt:

Warum eine korrekte Ladungssicherung so wichtig ist

Die Unfallstatistik zählt jährlich mehr als 800 Menschen, die durch eine nachlässige Ladungssicherung verletzt wurden – teils sogar tödlich. Was viele unterschätzen: Da ein Transporter schneller und wendiger ist als ein Lkw, wirken hier auch deutlich stärkere Massenkräfte. Eine Bodenwelle, eine steile Kurve oder ein Ausweichmanöver genügen, damit sich ungesichertes Material zu einem gefährlichen Geschoss entwickelt.

Verrutscht die Ladung, leiden auch die Fahreigenschaften darunter. Der Bremsweg verlängert sich, die Antriebsräder neigen zum Durchdrehen und die elektronischen Assistenzsysteme können nur noch eingeschränkt arbeiten. Der wirtschaftliche Schaden, der durch eine mangelhafte Ladungssicherung verursacht wird, ist enorm. Der Bundesverband für Güterverkehr spricht von mehreren 100 Millionen Euro pro Jahr.

Welche Massenkräfte bei Kleintransportern wirken, kann der folgenden Tabelle entnommen werden:

  In Fahrtrichtung Zur Seite Entgegen der Fahrtrichtung
zGM bis 2 Tonnen 0,9 G 0,7 G 0,5 G
zGM 2 bis 3,5 Tonnen 0,8 G 0,6 G 0,5 G
zGM über 3,5 Tonnen 0,8 G 0,5 G 0,5 G

Wo ist die Ladungssicherung geregelt?

Wenn eine Ladung mangelhaft gesichert ist, kann das sowohl straf- und ordnungswidrigkeitenrechtliche als auch zivilrechtliche Folgen haben. In der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist geregelt, dass die Ladung grundsätzlich so verstaut und gesichert sein muss, dass sie nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen könnte. Das gilt sowohl für den gängigen Fahrbetrieb, als auch für besondere Verkehrssituationen wie Vollbremsungen oder Ausweichmanöver. Der Gesetzgeber macht in StVO §22 konkrete Angaben, wie hoch und breit ein Fahrzeug mit Ladung maximal sein darf und wie weit die Ladung nach vorn, hinten und zur Seite höchstens hinausragen darf.  

Mit welchen Verfahren und Methoden die Ladung korrekt gesichert werden kann, können Verantwortliche der VDI-Richtlinie 2700 (Blatt 16) für Transporter bis 7,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse entnehmen. Die Anleitungen und Hinweise beziehen sich auf die Ladungssicherung in Kastenwagen, Transportern mit offener Ladefläche und auf mitgeführten Anhängern. In DIN EN-Normen und DIN-Normen sind weitere Regeln zur Ladungssicherung festgehalten.

Wer ist für die Ladungssicherung verantwortlich?

Grundsätzlich ist derjenige verantwortlich, der den verkehrsunsicheren Zustand oder Schaden verursacht hat. Das kann der Fahrer oder Fahrzeughalter sein, je nach Fall aber auch der Betriebsinhaber, Absender oder Verlader.

Fahrzeughalter

Vor Fahrtantritt kommen vor allem auf den Fahrzeughalter einige Pflichten zu. Er ist für den Zustand des Fahrzeugs verantwortlich. Dieses muss in einem verkehrstauglichen Zustand und für den konkreten Transport geeignet sein. Ebenso ist der Halter verpflichtet, entsprechende Ladungssicherungsmittel zur Verfügung zu stellen. Sowohl Fahrzeuge als auch die Ausrüstung müssen vom Halter regelmäßig kontrolliert werden. Dasselbe gilt für die Ladungssicherung selbst - zumindest stichprobenartig.

Wichtig sind auch regelmäßige Schulungen und Einweisungen für die Fahrer. Der Gesetzgeber nimmt auch hier den Fahrzeughalter in die Pflicht. Vor allem beim Transport von Gefahrengut , muss der Halter dem Fahrer die notwendigen Anweisungen für die Ladungssicherung überreichen. Auf der sicheren Seite ist er, wenn die erteilten Ein- und Anweisungen dokumentiert werden. Sinnvoll können zum Beispiel Betriebsanweisungen sein, in denen dargestellt wird, wie Werkzeuge und Arbeitsutensilien sicher zu verladen sind.

Fahrer

Für den Fahrer gilt: Die Ladungssicherung und Lastverteilung muss vor Fahrtantritt kontrolliert werden. Dies gilt auch dann, wenn ein Kollege oder Kunde die Ladung gesichert hat. Stellt der Fahrer bei der Ladungssicherung Mängel fest, ist es seine Pflicht, die Durchführung des Transportes zu verweigern – andernfalls geht er ein großes Haftungsrisiko ein.

Während der Fahrt sollte der Fahrer regelmäßig kontrollieren, ob die Ladung noch richtig gesichert ist. Durch Schlaglöcher, steile Kurven oder Bremsmanöver könnte die Ladungssicherung gelitten haben. Auch das Fahrverhalten sollte der Ladung angepasst werden.

Bußgeld, Punkte & Co.: Diese Strafen drohen bei falscher Ladungssicherung

Wer seine Ladung mangelhaft sichert und von der Polizei erwischt wird, dem drohen Bußgelder und Punkte in Flensburg. Folgende Strafen sieht der Bußgeldkatalog vor:

Tatbestand Bußgeld Punkte
Ladung nicht gegen vermeidbaren Lärm gesichert 10 Euro
Ladung höher als zulässig 20 Euro
Ladung breiter als zulässig 20 Euro
Ladung ragte unzulässig nach vorne 20 Euro
Ladung ohne vorgeschriebene Sicherungsmitteln befördert 25 Euro
Schlecht erkennbare Gegenstände ragten seitlich aus der Ladung hinaus 25 Euro
Ladung nicht verkehrssicher verstaut 35 Euro
Ladung nicht verkehrssicher verstaut - andere Verkehrsteilnehmer wurden gefährdet 60 Euro 1
Ladung nicht verkehrssicher verstaut - es kam zum Unfall 75 Euro 1
Auf der Autobahn/Kraftfahrtstraße mit einer Ladung über 4,20 m Höhe gefahren 70 Euro 1
Nicht vorschriftsmäßige Ladung - die Verkehrssicherheit litt erheblich 80 Euro 1
Nicht vorschriftsmäßige Ladung - die Verkehrssicherheit litt erheblich und es kam zum Unfall 120 Euro 1
Sie ließen die Inbetriebnahme eines Kfz zu, dessen Ladung die Verkehrssicherheit erheblich beeinträchtigte 135 Euro 1
Sie ließen die Inbetriebnahme eines Kfz zu, dessen Ladung die Verkehrssicherheit erheblich beeinträchtigte - andere Verkehrsteilnehmer wurden gefährdet 165 Euro 1
Sie ließen die Inbetriebnahme eines Kfz zu, dessen Ladung die Verkehrssicherheit erheblich beeinträchtigte - es kam zum Unfall 200 Euro 1

Deutlich teurer kann es werden, wenn aufgrund mangelnder Ladungssicherung Teile der Ladung beschädigt werden. In diesem Fall steht dem Geschädigten Schadenersatz in Höhe des entstandenen Schadens zu. Wird jemand verletzt, droht zusätzlich zu den Schadensersatzansprüchen eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Ein weiterer Punkt: Wird ein Fahrer mit nicht ordnungsgemäß gesicherter Ladung gestoppt, untersagt die Polizei in den meisten Fällen die Weiterfahrt. Der Handwerksbetrieb kann dann für die Verspätung und die daraus resultierende Vertragsverletzung in Haftung genommen werden.

Ladungssicherung: Wie mache ich es richtig?

Es gibt grundsätzlich zwei Methoden der Ladungssicherung. Entweder man sichert formschlüssig oder kraftschlüssig. Je nach Ladung können auch beide Methoden miteinander kombiniert werden. Für beide Varianten gilt: Schwere Gegenstände müssen immer zuerst eingeladen werden. Und: Die zulässigen Abmessungen nach StVO und Achslasten müssen beachtet werden. Zum Transport von Werkzeug und Kleinteilen empfiehlt sich eine professionelle Einbaulösung.

Ladung formschlüssig sichern

Der Grundgedanke der formschlüssigen Ladungssicherung ist recht simpel. Müssen mehrere Elemente transportiert werden, sollten diese so aneinander gereiht werden, dass sie sich gegenseitig stützen. Dies gelingt, indem die Kisten oder Kartons nicht gestapelt, sondern auf der Ladefläche verteilt werden. Anti-Rutschmatten sorgen dabei für zusätzliche Bodenhaftung im Laderaum.

Wichtig ist, dass die Ladung immer in alle Richtungen gesichert ist. Als Festpunkte dienen etwa die Stirn- oder Bordwand. Auch Sperrbalken sind eine sinnvolle Unterstützung, da die Ladung an diese angelegt werden kann. Die Metallstangen wirken vor allem dann gut, wenn einheitliche Transportelemente wie Paletten mit Aufsatzrahmen oder Gitterboxen zum Einsatz kommen. Damit die Sperrbalken befestigt werden können, sind entsprechende Lochschienen in der Seitenwand oder der Ladefläche erforderlich.

Formschluss kann zum Beispiel auch durch sogenanntes Diagonalzurren hergestellt werden. Dabei werden an der Ladung vier vorgespannte Zurrmittel angebracht. Durch die Haltekraft der Zurrmittel wird verhindert, dass die Ladung verrutscht.

Ladung kraftschlüssig sichern

Bei der kraftschlüssigen Sicherung wird die Ladung in der Regel auf den Boden gepresst. Mit Zurrmitteln wie Spanngurten oder Netzen wird die Ladung niedergezurrt.

Damit das Ladungssicherungsmittel richtig sichert, muss es direkt an der Ladung anliegen. Hierzu sind Befestigungspunkte an der Ladung und Zurrpunkte auf der Ladefläche erforderlich. Vorab sollte geprüft werden, ob die Befestigungspunkte und Karosserie überhaupt für die Belastung ausgelegt sind. Entsprechende Hinweise finden sich üblicherweise an den Befestigungselementen selbst sowie im Bordbuch.

Wichtig bei der kraftschlüssigen Ladungssicherung ist der sogenannte Zurrwinkel. Je flacher der Winkel des Spanngurtes ist, desto weniger Anpresskraft überträgt der Gurt auf die Ladung. Empfohlen wird ein Zurrwinkel von mindestens 35 Grad. Ein weiteres sinnvolles Element bei der Ladungssicherung sind Kantenschutzwinkel. Diese schützen zum einen die Ladung vor den Zurrmitteln, zum anderen aber auch die Zurrmittel vor der Ladung.

Gurte nachziehen

Genauso wichtig wie die Ladung vor Fahrtantritt zu sichern, ist es, die Gurte nach ein paar Kilometern erneut zu prüfen. Bereits kleine Straßenunebenheiten auf der Straße können dazu führen, dass sich die Vorspannkraft der Gurte verringert. Ist dies der Fall, müssen die Gurte vor der Weiterfahrt noch einmal festgezogen werden. Gerade bei längeren Fahrten sollten mehrere Stopps eingeplant werden, um die Ladungssicherung zu überprüfen. fre

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