Übersicht Kurzarbeit und Steuer: Wichtige Infos und Ideen zum Sparen

Durch den Krieg in der Ukraine droht eine weitere Kurzarbeitswelle. Zwar ist das Kurzarbeitergeld grundsätzlich lohnsteuerfrei, es unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt. Das heißt, es kann eine Steuernachzahlung drohen. Was Arbeitnehmer dazu wissen müssen – und wie sie sparen können.

Bei Kurzarbeit kann sich für Ehepaare eine unlogische Lohnsteuerklassenwahl rentieren. - © lettas - stock.adobe.com

Aufgrund der Corona-Pandemie befanden sich seit März 2020 so viele Arbeitnehmer wie nie zuvor in Kurzarbeit. Angesichts des Krieges in der Ukraine dürfte das Instrument weiterhin wichtig bleiben.

Ein Anlass, sich das Kurzarbeitergeld aus Steuersicht einmal genauer anzusehen. So viel vorab: Es gibt ein paar Steuerspar-Ideen, wie Kurzarbeiter möglichst viel des Kurzarbeitergeldes behalten können.

Höhe des Kurzarbeitergeldes durch Lohnsteuerklasse beeinflussbar

Verheiratete Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, die Höhe des Kurzarbeitergeldes gezielt zu beeinflussen. Denn die Höhe der staatlichen Zahlungen hängen von der Höhe des Nettogehalts des Kurzarbeiters ab. Ist also absehbar, dass in naher Zukunft Kurzarbeit droht, sollten Ehegatten die Lohnsteuerklassen so wählen, dass der künftige Kurzarbeiter die Lohnsteuerklasse mit den geringsten Steuerabzügen bekommt. Niedrigere Steuerabzüge führen zu einem höheren Nettogehalt und dadurch erhöht sich das Kurzarbeitergeld.

Hier kann es sinnvoll sein, die Lohnsteuerklasse unlogisch zu wählen. Logisch wäre eigentlich, dass der besser verdienende Ehegatte die Lohnsteuerklasse III und der Ehegatte mit dem geringeren Verdienst die Lohnsteuerklasse V bekommt. Doch geht der Ehegatte mit dem geringeren Arbeitslohn in Kurzarbeit, lohnt sich die unlogische Lohnsteuerklassenwahl, also die Lohnsteuerklasse III für den schlechter verdienenden Ehegatten.

Praxis-Tipp: Hier ist darauf zu achten, dass die Ehegatten durch die unlogische Steuerklassenwahl während des Jahres in der Regel netto weniger Geld zur Verfügung haben. Mit Abgabe der Steuererklärung 2022 im Jahr 2023 werden diese Nachteile jedoch ausgeglichen und im Jahr 2022 zu viel einbehaltene Lohnsteuer wird erstattet.

Wann besteht die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung?

Bezieht ein Mitarbeiter Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro im Jahr, besteht die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung. Woher das Finanzamt weiß, dass Kurzarbeitergeld bezogen wurde? Ganz einfach: Die Agentur für Arbeit informiert das Finanzamt über die Auszahlung und in der Jahreslohnsteuerbescheinigung, die der Arbeitgeber elektronisch ans Finanzamt übermitteln muss, ist das Kurzarbeitergeld extra ausgewiesen.

Praxis-Tipp: Eigentlich ist das Kurzarbeitergeld doch steuerfrei. Warum also zwingend eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen? Das fragen sich viele Betroffene zurecht. Antwort: Das Kurzarbeitergeld ist zwar steuerfrei, erhöht aber den Einkommensteuersatz auf das übrige zu versteuernde Einkommen. Und das kann in Einzelfällen zu Steuernachzahlungen führen.

Kurzarbeitergeld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt

Das Kurzarbeitergeld ist einkommensteuerfrei. So viel zumindest zur Theorie. Denn das Kurzarbeitergeld wird durch ein Hintertürchen doch besteuert. Das Kurzarbeitergeld unterliegt als Lohnersatzleistung dem Progressionsvorbehalt nach § 32b EStG. Das bedeutet im Klartext: Das Finanzamt rechnet das Kurzarbeitergeld fiktiv zum zu versteuernden Einkommen dazu und ermittelt einen Einkommensteuersatz. Dieser höhere Steuersatz wird dann auf das zu versteuernde Einkommen ohne das Kurzarbeitergeld fällig. Dadurch kommt es zu höheren Steuern wegen des Kurzarbeitergeldes.

Beispiel: Ein Kurzarbeiter hat 2021 Kurzarbeitergeld von 15.000 Euro bezogen. Das zu versteuernde Einkommen der Verheirateten ohne Kurzarbeitergeld beträgt 34.000 Euro. Folge: Normalerweise müsste der Kurzarbeiter im Jahr 2021 nur 3.000 Euro Steuern zahlen (Steuersatz 8,82 Prozent). Weil er aber Kurzarbeitergeld bezogen hat, beträgt der Steuersatz nun 14,22 Prozent, was eine Steuerbelastung für 2021 von 4.834 Euro bedeutet.

Führt das Kurzarbeitergeld immer zu Steuernachzahlungen?

Durch die Einbeziehung des Kurzarbeitergeldes in den Progressionsvorbehalt erhöht sich der Steuersatz auf das übrigen zu versteuernde Einkommen und die festzusetzende Steuer. Doch ob es tatsächlich zu einer Steuernachzahlung kommt, hängt davon ab, wie viel Lohnsteuer der Arbeitgeber einbehalten hat und ob Einkommensteuervorauszahlungen geleistet wurden.

Praxis-Tipp: Es kann durch den Bezug von Kurzarbeitergeld also zu Steuernachzahlungen als auch zu Steuererstattungen kommen. Im Zweifel empfiehlt es sich für Kurzarbeiter, jeden Monat finanzielle Rücklagen für eine mögliche Steuernachzahlung zu bilden, wenn das finanziell machbar ist.

Kein Geld für Steuernachzahlungen

Kommt es aufgrund des Bezugs von Kurzarbeitergeld tatsächlich zu Steuernachzahlungen und der Kurzarbeiter hat das Geld für diese Nachzahlung nicht, sollte er umgehend das Gespräch mit dem Finanzamt suchen. Und zwar sollte eine zinslose Stundung mit Hinweis auf die wirtschaftlich schwierige Situation wegen der Corona-Pandemie beantragt werden.

Nach einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 31. Januar 2022 solle für bis zum 31. März 2022 fällige Steuern eine zinslose Stundung bis zum 30. Juni 2022 gewährt werden. Das bedeutet: Die Steuernachzahlung wird erst ab Juli zur Zahlung fällig und das Finanzamt verzichtet auf Zinsen für diesen Zahlungsaufschub.

Praxis-Tipp: Vereinbaren Sie mit der Finanzkasse eine angemessene Ratenzahlung, gewährt das Finanzamt für bis zum 31. März 2022 fällige Steuern sogar eine zinslose Stundung bis zum 30. September 2022.

Steuerfreier Arbeitgeberzuschuss zum Kurzarbeitergeld

Leistet der Arbeitgeber Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld, sind diese eigentlich in voller Höhe steuerpflichtig. Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie gelten jedoch steuerlich für Zeiträume nach dem 29. Februar 2020 Ausnahme-Steuerspielregeln. Die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch den Arbeitgeber ist vorübergehend steuerfrei gestellt (§ 3 Nr. 28a EStG).

Die Steuerfreiheit für das Kurzarbeitergeld greift entsprechend der sozialversicherungsrechtlichen Behandlung, wenn die Zuschüsse des Arbeitgebers bis 80 Prozent des Unterschiedsbetrags zwischen dem Soll-Entgelt und dem Ist-Entgelt nach § 106 SGB III betragen.

Praxis-Tipp: Bislang war die Steuerfreiheit für Aufstockungsbeträge des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld im Zeitraum vom 1. März 2020 bis zum 31. Dezember 2021 steuerfrei gestellt. Im Entwurf des "Vierten Corona-Steuerhilfegesetzes" ist jedoch die Verlängerung der Steuerfreiheit bis Ende Juni 2022 vorgesehen.

Eintrag des Kurzarbeitergeldes in der Lohnsteuerbescheinigung

Der Arbeitgeber muss das Kurzarbeitergeld und die Aufstockungsbeträgen in der ans Finanzamt elektronisch zu übermittelnden Lohnsteuerbescheinigung unter Nummer 15 eintragen.

Auszug aus Lohnsteuerbescheinigung:

 EURCt
15. (Saison-)Kurzarbeitergeld, Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, Verdienstausfallentschädigung (Infektionsschutzgesetz), Aufstockungsbetrag und Altersteilzeitzuschlag