Jerusalemleuchter für Magdeburg Kunstschmied Höhne: "Dieser Auftrag hat mich tief berührt"

Jedes Mal, wenn Silvio Höhne in Magdeburg ist, geht er in den Dom. Hier hat sich der Kunstschmied auf Dauer verewigt. Sein Werk ist auch nicht zu übersehen: Es wiegt 350 Kilogramm und misst im Durchmesser dreieinhalb Meter.

Radleuchter im Dom
Der 350 Kilogramm schwere Radleuchter aus Edelstahl von Silvio Höhne ist seit Herbst 2021 im Magdeburger Dom zu sehen. - © Schmiede und Metallbau Höhne

Aus den Händen von Silvio Höhne stammt der Radleuchter über dem Grabmal von Kaiser Otto des Großen, dem ersten deutschen Kaiser. "Ihn dort hängen zu sehen, ergreift mich jedes Mal. Die Worte des Dompredigers zur Einweihung haben mich sehr bewegt und selbst heute berührt es mich noch sehr, weil die Arbeit so perfekt gelungen ist", sagt der Unternehmer aus Oberheldrungen.

Seit dem Reformationstag im vergangenen Jahr erstrahlt der Radleuchter den Magdeburger Dom – und erfreut eine halbe Million Besucher, die das Gotteshaus jährlich zählt. "Es ist ein Jerusalemleuchter", erklärt Silvio Höhne. Nach mittelalterlicher Tradition zieren die zwölf Tore Jerusalems den Leuchter, je drei zeigen in eine Himmelsrichtung. Auf dem Ring sind von der Firma Gravuren Ullrich aus Floh-Seligenthal zudem zwei Bibelverse in griechischer und hebräischer Schrift eingraviert worden.

Zweite Chance ergriffen

Dass der Radleuchter aus Edelstahl überhaupt am Deckengewölbe des Doms, in über 30 Metern Höhe hängt, ist Silvio Höhne zu verdanken. Während sich der Erfurter Innenarchitekt und Designer Albrecht von Kirchbach für das Grundkonzept und die Lichtgestaltung verantwortlich zeigt, Reinhart Heinicke aus Erfurt die Statik erstellt hat und Künstlerin Christiane Budig aus Halle für das künstlerische Konzept und die Glasgestaltung steht, hat er die Metallbauarbeiten umgesetzt. Vier Monate lang arbeitete er in seiner Werkstatt, bis die beiden halben Ringe nach Magdeburg transportiert, dort montiert, hochgezogen und fachgemäß eingenordet werden konnten.

Ursprünglich sollte der überwiegend durch Spenden finanzierte Radleuchter schon zu Ostern 2021, spätestens aber zu Pfingsten hängen. Die Firma, die die Ausschreibung gewonnen hatte, konnte den Auftrag jedoch nicht ausführen, weswegen der Betrieb "Schmiede und Metallbau Höhne" als Zweitplatzierter wieder ins Spiel kam. "Nach der ersten Entscheidung war ich schon enttäuscht, den Auftrag nicht bekommen zu haben. Ich wollte ihn unbedingt und habe mich deswegen umso mehr gefreut, als die Verantwortlichen noch einmal an mich herangetreten sind", sagt Silvio Höhne. Der Kunstschmied wusste zu überzeugen, trotz oder gerade wegen der detaillierten Arbeit und der aufwendigen Technik, die in den Radleuchter verbaut ist. Überhaupt ist es ein mächtiges Werk: Er bringt 350 Kilogramm auf die Waage und fasst einen Durchmesser von dreieinhalb Metern.

Die Arbeit wurde vor Ort montiert und danach in 30 Meter Höhe gezogen. - © Schmiede und Metallbau Höhne

Es ist eine besondere Arbeit in der Geschichte der Schmiede, die bis in das Jahr 1830 zurückreicht und zwei Weltkriege, die DDR und die Wendezeit überdauert hat. "Einen solchen Auftrag hatten wir noch nie und werden wir wohl auch nicht wieder bekommen. Das ist wirklich einmalig und ich bin sehr stolz darauf", sagt Silvio Höhne.

Radleuchter bleibt Gesprächsthema

Der Kunstschmied hat den Betrieb 2005 von seinem Vater übernommen und führt ihn bereits in sechster Generation. Er ist vor allem auf Arbeiten im Denkmalbereich spezialisiert, wie im Schloss Friedensstein in Gotha oder Schloss Belvedere in Weimar. Heute beschäftigt er drei Mitarbeiter und einen Auszubildenden, seine Frau Katja kümmert sich um alle Angelegenheiten im Büro.

Ob die Zukunft eine siebte Generation bringen wird, steht noch nicht fest – auch wenn Sohn Leon den Betrieb übernehmen könnte. Klar ist hingegen, dass auch in Zukunft über den Auftrag und den Radleuchter im Dom Magdeburg gesprochen wird.