"Bildung in der digitalen Welt" Kultusminister präsentieren Pläne für computergestützten Unterricht

Die 16 Bundesländer stellen heute in Berlin eine gemeinsame Strategie vor, um beim computerbasierten Schulunterricht mit der Zeit zu gehen. Doch wie soll das digitale Klassenzimmer der Zukunft aussehen und wer zahlt die Ausstattung der Schulen?

Mit dem Laptop Mathe-Aufgaben lösen? Das könnte schon bald Realität sein: Mit der Strategie "Bildung in der digitalen Welt" wollen die Kultusminister das digitale Klassenzimmer fördern. - © contrastwerkstatt/Fotolia.com

Auf dem Tisch im Klassenzimmer liegen verschiedene Laptops, Tablets und Smartphones. Alle Schüler arbeiten am Computer, der Lehrer zeigt ihnen passende Lernprogramme und bedient das interaktive Whiteboard – So könnte das digitale Klassenzimmer von morgen aussehen. In vielen deutschen Schulen ist dieses Szenario jedoch eher die Ausnahme. Bund und Länder wollen das nun mit möglichst schnell wirkenden Strategien und Pakten ändern. Heute wollen die für Bildung und Schule zuständigen Minister und Senatoren der 16 Bundesländer eine Strategie zur "Bildung in der digitalen Welt" verabschieden. Darin legt die Kultusministerkonferenz (KMK) unter anderem fest, welche Computer-Kompetenzen Schüler künftig haben sollen, wenn sie die Schule verlassen.

Deutsche Schüler haben noch Nachholbedarf

Grund für die neue Strategie ist die Vergleichsstudie "International Computer and Information Literacy Study" (ICILS), die vor zwei Jahren veröffentlicht wurde. Sie deckte auf, dass deutsche Schüler mit ihren Computer-Kompetenzen alles andere als gut dastehen. Laut der Studie sind die Jugendlichen zwar im hohen Maße von Smartphones und Laptops fasziniert, nutzen die Geräte aber nur selten für die Schule.

Jugendliche nutzen Smartphones lieber zur Ablenkung

"Ein großer Teil der Schüler begnügt sich mit sozialen Netzwerken und Computerspielen", sagt der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (SPD) der Deutschen Presse Agentur. Dieser oberflächliche Umgang soll nun durch eine gezielte, schulische Vorbereitung ersetzt werden. Auf diese Weise sollen die Jugendlichen auch besser auf das Leben in der digitalen Welt vorbereitet werden. Denn der Gebrauch von modernen Informationstechnologien nimmt im Alltag immer weiter zu. Das bestätigt auch Claudia Bogedan (SPD), Präsidentin der KMK .

"Es gibt aus meiner Sicht keinen Beruf mehr, in dem man ohne digitale Medien zurande kommen kann", sagt Claudia Bogedan.

Bundesländer planen Umsetzung bereits für nächstes Jahr

Konkret bedeutet das: Wer nächstes Jahr in die Schule kommt, soll bis zum Ende seiner Schulzeit eine umfassende Medienbildung durchlaufen. Das ist nach Rabe ein durchaus ambitionierter Versuch, denn der Zeitdruck ist sehr hoch. Bereits innerhalb der nächsten sechs, sieben Jahre sollen in jeder Schule entsprechende Konzepte vorhanden sein. In den weiterführenden Schulen soll bis 2021 jeder Schüler eine digitale Lernumgebung und einen Zugang zum Internet nutzen können, heißt es in der Strategie.

KMK-Stragie "Bildung in der digitalen Welt" soll Umsetzung festlegen

Die KMK-Strategie "Bildung in der digitalen Welt" soll dafür sorgen, dass spannende und lehrreiche Medien in den Unterricht eingebunden werden, "ohne aber Buch, Heft und Stift damit zu ersetzen". Ein Alibi-Pflichtfach Informatik lehnt Rabe ab. Stattdessen sollten digitale Medien in jedem Schulfach und in jedem Unterricht zum Einsatz kommen.

Bund übernimmt Ausstattung, Länder die Fortbildung der Lehrer

Auch der Bund sieht den Handlungsbedarf und will bei der digitalen Ausstattung der Schulen helfen. Deswegen hatte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) kürzlich vorgeschlagen, die rund 40.000 Schulen in Deutschland mit einem Fünf-Milliarden-Euro-Programm des Bundes zu unterstützen. Im Gegenzug müssten sich aber die Länder verpflichten, pädagogische Konzepte, Aus- und Fortbildung von Lehrern sowie gemeinsame technische Standards selbst umzusetzen. Dem stimmt auch Rabe zu. Er erkennt die Überarbeitung von Lehrplänen und eine auf das digitale Klassenzimmer vorbereitende Lehrerfortbildung als Ländersache an. Den komplizierten Bereich der Technik, dazu gehört beispielsweise die digitale Infrastruktur aber auch deren Wartung, müssten die Länder gemeinsam mit dem Bund schultern. Problematisch ist jedoch, dass das von Wanka angekündigte Geldpaket erst für die Legislaturperiode 2018 geplant ist. Zudem hat sie das Bundesgeld noch nicht fest in der Hand.

Komplette Ausstattung der Schulen wird sehr teuer

Die Ausstattung der Klassenzimmer mit Laptops oder Tablets wäre zwar ein tolles Konjunkturprogramm für die Computer-Hersteller, käme den Staat aber auch sehr teuer. Es gibt sogar Fürsprecher, die eine neue Ausstattung im Drei-Jahres-Rhythmus für sinnvoll halten. "Dann würden wir die fünf Milliarden Euro von Frau Wanka jedes Jahre brauchen und nicht nur einmalig zum Anschub", kommentiert Rabe. Möglich wäre stattdessen auch, nach dem Motto "Bring Your own device" zu verfahren: In diesem Fall würde jeder Schüler einen eigenen kleinen Computer in der Tasche haben und diesen unter Anleitung des Lehrers im Unterricht nutzen. Das KMK-Strategiepapier lässt nach Rabe noch offen, welchen Weg zum digitalen Klassenzimmer die Länder und der Bund am Ende einschlagen.

Für die Lehrer eine große Umstellung

Die Stude " Trends in International Mathematics and Science Study " wies erst vor wenigen Tagen nach, dass deutsche Lehrer bei der Weiterbildung für computerbasierten Unterricht im weltweiten Vergleich Letzter sind. "Wir haben sicherlich keine Mühe, die ersten 100.000 begeisterten Lehrer zu erreichen, aber es geht ja um 700.000", sagt Rabe. Dementsprechend müssten auch immer mehr Pädagogen gefunden werden, welche die Digitalstrategien und -pakte der Bildungspolitiker im Klassenraum konkret umsetzen. Bei einer innerdeutschen Vergleichsstudie der Deutschen Telekom Stiftung liegen die drei Bundesländer Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz vorne.  dpa/dhz