Potenzielle Bewerber können nicht wissen, dass ein Betrieb eine tolle Ausbildung anbietet. Deshalb ist es sehr wichtig, die Zielgruppe mit einer guten Ausschreibung anzusprechen – ohne Floskeln, mit konkreten Informationen. Wie das gelingen kann, zeigt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Kolumne.

In Diskussionen, Reden oder Vorträgen können Füllworte – auch bekannt als Floskeln, Weichmacher oder Blähwörter – negativ wirken. Ebenso unschön sind Bla-Bla-Bla und leere Worthülsen, das sind Begriffe oder ganze Sätze ohne tieferen Sinn.
Wenn die Beschreibung für eine Lehrstelle die Aussage enthält: "In jungen Jahren vom Lehrling zum Chef!", ist das zum Beispiel so eine Floskel. Wenn der Meister, bei einem Treffen mit seinen Lehrlingen, ein Thema andenkt und dann auf das nächste Treffen vertagt – wird dann etwas durchdacht oder ausgedacht?
Manchmal gibt es auch Sätze wie:
- Ein Stück weit hat mich der Lehrling verstanden.
Waren es drei Meter, fünfzehn Meter oder weiter? - Unsere Lehrzeit ist besonders hochwertig.
Was ist der Unterschied zwischen hochwertig und wertig? - Die Lehrlinge mussten etwas runterbrechen.
Was hatten sie gegessen? - Ein Lehrgeselle ist ganz sicher, dass es Sinn macht.
Wie kann etwas Sinn machen?
Übrigens: Die Meisterin oder der Meister glauben an das Wort Berufsausbildung, doch in ihrem Lehrbetrieb ist das auch nur eine Worthülse.
Was könnte in der Praxis vielleicht besser gemacht werden?
"Eine Lehrstelle als Friseurin gesucht?"
Zum Glück enthält die Frage nicht noch einen Schreibfehler, mit zwei "ee". Geeigneter wäre: "Sie haben die Hauptschule erfolgreich abgeschlossen und möchten sich über die Ausbildung im Friseurhandwerk informieren? Wir beantworten gerne alle Ihre Fragen in einem Fachgespräch."
"Wir bilden seit vielen Jahren aus!"
Auch diese Aussage gehört zu den typischen Phrasen. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass man sich auf diesem Gebiet auskennt. Diese Floskel enthält nichts, was die Qualität und Ergebnisse beschreibt und es möglich macht, den Lehrbetrieb mit qualifizierter Ausbildung in Verbindung zu bringen. Besser wäre: Wenn die Verantwortlichen anhand von Beispielen und möglichst mit Bildern berichten würden, warum man ausbildet, welche Erfolge bisher erzielt wurden und mit welchen Methoden gearbeitet wird.
"Wir gehen auf individuelle Möglichkeiten der Lehrlinge ein!"
Mit diesem vielfach verwendeten Satz möchten die Meister andeuten, dass sie die Probleme von Jugendlichen und ihre Bedürfnisse verstehen und im Verlauf der Lehrzeit berücksichtigen. Diese Formulierung ist aber so unscharf, dass sie sowohl auf der Webseite einer Druckerei als auch auf der von einem Baubetrieb stehen könnte. Welche Probleme und Bedürfnisse, von welchen Jugendlichen, genau gemeint sind, das bleibt im Nebel.
Damit sich Lehrkräfte, Erziehungsberechtigte oder Jugendliche angesprochen fühlen, brauchen sie genaue Aussagen, die zu ihren Problemen und Bedürfnissen passen. So gelingt es am besten: Die Probleme oder Bedürfnisse nicht umschreiben, sondern tatsächlich beim Namen nennen. So können zum Beispiel alle besser eine Verbindung zwischen ihrem Anliegen, der Suche nach einer passenden Lehrstelle und dem Unternehmen herstellen.
"Wir sind ein zuverlässiger Lehrbetrieb!"
Es wäre mehr als schlimm, wenn unzuverlässige Lehrbetriebe Werbung für ihre Plätze machen und die zuständige Stelle diese noch nicht aus dem Verkehr gezogen hat. Wenn ein Lehrbetrieb zeigen möchte, über die vorgegebenen Regelungen hinaus etwas für die Lehrlinge zu tun, dann helfen nur genaue Hinweise. Die machen Bewerber aufmerksam, warum es sich lohnt, genau in diesem Betrieb eine Lehre zu beginnen. Beispiele sind:
- Eine Vergütung, die über dem Mindestmaß liegt.
- Für schwierige Situationen gibt es eine Patenschaft.
- Wer in der Berufsschule schlechte Ergebnisse erzielt, bekommt Stützunterricht.
"Die Lehrlinge werden individuell und gezielt gestärkt."
Bekommen die Lehrlinge eine Dauerkarte für das Fitnessstudio? Wenn es zutrifft, könnte es erwähnt werden. Andernfalls wäre besser: "Unser Personal bildet sich regelmäßig weiter, um sich auf die persönlichen Anforderungen der Lehrlinge einzustellen."
"Hier können Sie Erfahrungen zur Selbstwirksamkeit sammeln."
Wenn die Selbstwirksamkeit fehlt, neigen Lehrlinge dazu, sich ergebnislos zu verhalten, obwohl sie wissen, was zu tun ist. Vielleicht geht es einfacher mit: "Die Tüchtigkeit wird belohnt."
"Wir binden die Lehrlinge frühzeitig ins Tagesgeschäft ein."
Es könnte der Eindruck entstehen, dass im Betrieb Personalmangel herrscht und die Lehrlinge als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden. Genauer wäre zum Beispiel: "Wenn es zum Lernziel aus dem betrieblichen Ausbildungsplan passt, begleiten die Lehrlinge unsere Gesellen zur Kundschaft und erledigen dort gemeinsam die Arbeit."
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.